Zusammenhalt statt Einheitlichkeit
15.10.2026 RegionVor einem Monat gab es in Lenzburg eine Tagung unter dem provokanten Titel: «Welcher Gott darf’s denn sein?» Als ob man sich einfach einen aussuchen könnte! Der Titel provozierte absichtlich. Alle waren herausgefordert im genauen Sinn dieses Wortes – herauszukommen aus ...
Vor einem Monat gab es in Lenzburg eine Tagung unter dem provokanten Titel: «Welcher Gott darf’s denn sein?» Als ob man sich einfach einen aussuchen könnte! Der Titel provozierte absichtlich. Alle waren herausgefordert im genauen Sinn dieses Wortes – herauszukommen aus ihren gewohnten Glaubensweisen.
Sofort stach die Tatsache ins Auge, dass wir innerhalb der reformierten Landeskirche im Aargau sehr verschiedene Auffassungen davon haben, wer und wo und wie Gott ist. Das war auch unter den über 70 Teilnehmenden an jener Tagung nicht anders.
Wenn alles gut geht und man Grund hat, Gott zu loben, dann ist diese Vielfalt ein grosser Reichtum. Wir sprechen von einem Geschenk und manche sogar von Segen.
Aber die Fülle der Glaubensweisen führt auch zu Streit und zu Momenten, in denen die einen und die anderen so sehr Recht haben wollen, dass die Suche nach dem Gemeinsamen nicht einmal mehr in Betracht gezogen wird.
Hätten sich alle in Lenzburg auf ein einziges Gottesverständnis einigen müssen, wäre wohl heute noch niemand wieder daheim.
Aber was hilft, wenn Einmütigkeit nicht zu erreichen ist? Jesus Christus hat diese Situation mit seinen Jüngern oft erlebt. Die zwölf Männer seines engsten Kreises hatte er gerade nicht danach ausgewählt, wer wohl besonders gut zusammenpassen könnte, ganz im Gegenteil. Sie haben oft Zeugnis abgelegt von ihren Unstimmigkeiten und Konkurrenzkämpfen. Abgesehen von den Geschwistern kannten sie sich vorher nicht und konnten es sich wohl kaum vorstellen, fortan zusammenzuleben und zusammen zu glauben, wenn sie nicht von Jesus Christus zu einer Gemeinschaft verbunden worden wären.
Verlangt wurde von ihnen nichts Unerreichbares, gerade nicht Einheitlichkeit. Im Rückblick ist zu erkennen: Sie passten zusammen, gerade weil sie so unterschiedlich waren.
Erwartet wurde von ihnen Zusammenhalt. Eine echte Provokation.
Sie waren herausgefordert aus ihren bisherigen Lebensweisen, um in aller Verschiedenheit einander beizustehen. Ihr wesentliches Erkennungszeichen sollte die Liebe untereinander werden (Joh 13, 35). Wie schwer das beispielsweise Petrus fiel, der gern der Grossartigste und Grandioseste gewesen wäre, ist in den Evangelien mehr als einmal nachzulesen. Aktuelle Beispiele können hier ausgelassen werden.
Miriam Rose, Professorin in Basel, betonte an der Tagung, wie sehr es darauf ankommt, miteinander im Gespräch zu bleiben, den Zusammenhalt zu üben, gerade wenn unsere Gewohnheiten dagegensprechen.
Mit wem passen Sie bestens zusammen, gerade weil Sie so verschieden sind?
Dörte Gebhard ref. Pfarrerin, Schöftland
