Zum Sonntag
02.04.2026 RegionOstern und die Schlüsselblümchen
Eine alte Geschichte erzählt, dass die Menschen einmal den Schlüssel zum Himmel in ihren Händen gehabt hätten.
Aber sie gingen leichtfertig damit um. Sie meinten, sie brauchten den Schlüssel nicht. So ging er ...
Ostern und die Schlüsselblümchen
Eine alte Geschichte erzählt, dass die Menschen einmal den Schlüssel zum Himmel in ihren Händen gehabt hätten.
Aber sie gingen leichtfertig damit um. Sie meinten, sie brauchten den Schlüssel nicht. So ging er verloren. Und als man ihn nicht mehr hatte, da stellte sich das Verlangen nach ihm ein, und man suchte ihn. Aber man fand dort, wo er gelegen haben soll, nur Blumen, goldene Schlüsselblümchen, nur Abbilder des echten Schlüssels.
So ziehen denn um die Osterzeit die Menschen hinaus auf Wiesen am sonnigen Hang mit einer heimlichen Sehnsucht im Herzen, binden die Schlüsselblümchen zu Sträussen und nehmen sie mit nach Hause. Sie stellen sie in ihre Vasen und lassen sich erinnern an den verlorenen Schlüssel. Aber die Blumen welken bald, und die Sehnsucht bleibt ungestillt.
In Jesus hat alles Sehnen nach dem Himmelsschlüssel ein Ende. Jesus hat den Schlüssel wiedergefunden und uns den Weg zum Himmel aufgeschlossen. Wer Jesus gefunden hat, hat den Schlüssel zum Himmel gefunden. So singen wir zu Weihnachten, bei der Geburt Jesu: «Heut schliesst er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis.» Am Karfreitag starb Jesus am Kreuz. Das war der Preis für die Erlösung, für die Öffnung der Tür. Durch das Leid zur Freude.
Zu Ostern singen wir: «Er hat zerstört der Höllen Pfort, die Seinen all herausgeführt und uns erlöst vom ewgen Tod.»
Jesus lebt! Nicht nur zu Ostern, nein, für alle Ewigkeit. Wir brauchen nicht in die Natur zu gehen, um ihn zu finden. In den Alpen las ich an einem Wegekreuz diesen Spruch: «Gott ist gross in der Natur, überall ist seine Spur. Willst du ihn noch grösser sehen, bleib vor diesem Kreuze stehen.»
Wer Gott ausschliesslich in der Natur sucht, verpasst das Wichtigste: die Hoffnung, dass wir nicht ins Nichts hinein sterben, sondern in Gottes Geborgenheit und Ewigkeit bleiben. Denn mit der Auferstehung von Jesus wurde der Tod überwunden! Abschied ist irdisch, dank Ostern ist Wiedersehen die wahre Zukunft.
Wir brauchen darum nicht zu verreisen, um Gott zu begegnen. Wir brauchen nicht in unser Inneres zu lauschen, um ihn zu hören. In seinem Wort, in seiner Gemeinde, im Gebet, in der Stille vor Gott ist er zu finden. Ganz am Anfang seiner Wirksamkeit sagte Jesus: «Ihr werdet den Himmel offen sehen!» (Johannes 1,51), und ganz am Ende sagte Jesus: «Ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.» (Offenbarung 1,18)
In diesem Sinne: Christus ist auferstanden und wir mit ihm! Frohe Ostern!
Pfarrerin Nadine Hassler Bütschi, reformierte Kirche Rued
