Zum 50. Geburtstag nach Persepolis
29.10.2026 Seetal, SeonAm Sonntag präsentierte die Cappella dei Grilli Opera Company in der reformierten Kirche in Seon als Jubiläumsprojekt «Das Alexanderfest». Die Kantate von Georg Friedrich Händel wurde 1736 uraufgeführt und als Auftragsarbeit von Wolfgang Amadeus Mozart 1790 ...
Am Sonntag präsentierte die Cappella dei Grilli Opera Company in der reformierten Kirche in Seon als Jubiläumsprojekt «Das Alexanderfest». Die Kantate von Georg Friedrich Händel wurde 1736 uraufgeführt und als Auftragsarbeit von Wolfgang Amadeus Mozart 1790 bearbeitet.
Ein wahrer Musikgenuss erwartete die zahlreichen Besucherinnen und Besucher am verregneten Sonntagnachmittag. Gebannt lauschten die Anwesenden, wie sich im Verlauf der Kantate «Das Alexanderfest» Siegesfreude, sehnsüchtige Liebe, Trauer und Rachelust musikalisch offenbaren. Hintergrund ist der Sieg des berühmten makedonischen Feldherrn Alexanders des Grossen über die Perser. In Persepolis feiert er trunken vor Triumph mit seinem Heer den Erfolg. Der Barde Timotheus führt durch das Fest – geschickt lenkt er dabei mittels Musik die Emotionen der Feiernden.
Die Gewalt der Musik
Unter der Gesamtleitung von Enrico Fischer trat der Chor der Cappella dei Grilli zusammen mit dem Orchester Camerata da Vinci Basel auf. Als Solisten waren die Sopranistin Sandrine Droin, der Tenor Cooper Joseph Kendall und der Bass José Coca Loza zu hören. Das Ensemble versetzte das Publikum ins antike Persepolis.
Schnell wurde die Bedeutung des vollständigen Titels des Musikwerkes «Das Alexanderfest oder die Gewalt der Musik» deutlich: Zunächst lässt der Barde Timotheus die Freude über den Sieg feiern, erweckt Mitleid für den gefallenen persischen König, um wenig später die Liebe zwischen Alexander dem Grossen und seiner Braut Thais wachsen zu lassen. Doch die Stimmung des ausgelassenen Festes wandelt sich. Der Barde beschwört die Leidenschaft und Gewalt des Krieges und schürt einen zerstörerischen Rachedurst in Alexander: Persepolis soll brennen.
Gekonnt machten sämtliche Musikerinnen und Musiker die verschiedenen Emotionen der Kantate für die Zuhörenden hör- und nachfühlbar. Die stimmliche Bandbreite der drei Solisten ist dabei besonders beeindruckend. Georg Friedrich Händels Kantate «Das Alexanderfest» erfreute sich schon zu dessen Lebzeiten enormer Beliebtheit. Im Auftrag von Baron van Swieten bearbeitete Wolfgang Amadeus Mozart das Werk. Dafür habe er die ursprüngliche Partitur mit Stimmen für Flöten, Klarinetten und Hörnern sowie mit Verzierungen versehen, heisst es im Programmheft: «Aber er hat kein Material entfernt oder hinzugefügt.» So ist Händels barocke Fülle neben Mozarts Leichtigkeit zu erleben. Der englische Text stammt von John Dryden, für die deutsche Übersetzung zeichnet sich Karl Wilhelm Ramler verantwortlich.
Unversöhnlich endet die Kantate nicht. Harmonie, Hingabe und Verzückung, damit tritt die heilige Cäcilia als Schutzpatronin der Musik den zerstörerischen Kräften entgegen und stellt damit Ordnung und Frieden wieder her. Folglich feierte Händel die Uraufführung des Werkes am Tag der heiligen Cäcilia, dem 22. November 1736. «Das war wahnsinnig beeindruckend», so eine hingerissene Stimme aus dem Publikum, das nicht mit Applaus sparte. Enrico Fischer freute sich über die Reaktionen. Kurz nach der Aufführung sagte er, er sei sehr zufrieden mit dem Konzert und ergänzte mit einem Lächeln: «Es ist uns allen eine Freude, den Zuhörern Freude zu bereiten – von Herz zu Herz sozusagen.»
Verena Schmidtke
