Mit einer Mahnwache auf dem Gemeindeplatz gedachten rund 30 Personen am Samstag der Schliessung des Akutspitals Menziken. Im Zentrum standen Dankbarkeit für 124 Jahre medizinische Versorgung und Solidarität mit den betroffenen Mitarbeitenden.
«Wir sind ...
Mit einer Mahnwache auf dem Gemeindeplatz gedachten rund 30 Personen am Samstag der Schliessung des Akutspitals Menziken. Im Zentrum standen Dankbarkeit für 124 Jahre medizinische Versorgung und Solidarität mit den betroffenen Mitarbeitenden.
«Wir sind nicht hier, um eine Bilanz zu lesen. Wir sind hier, um etwas zu sagen, das in keiner Bilanz steht: Danke.» Mit diesen Worten brachte eine der Rednerinnen die Botschaft der Mahnwache auf den Punkt. Am 31. Oktober ging in Menziken nach 124 Jahren die Geschichte des Akutspitals zu Ende. Rund 30 Personen versammelten sich auf dem Gemeindeplatz, um den Mitarbeitenden ihre Wertschätzung auszudrücken. Einige stiessen im Verlauf der kurzfristig angesetzten Kundgebung noch dazu. Nicht alle, die gerne dabei gewesen wären, konnten teilnehmen. Von Betroffenen, die aus Angst vor möglichen Repressalien fernblieben, wurde berichtet. Andere versahen bis zur letzten Stunde pflichtbewusst ihren Dienst zum Wohl der Patientinnen und Patienten.
Mia Zollinger von den SP Frauen Aargau erinnerte an die 149 Mitarbeitenden, die von den Kündigungen betroffen sind, darunter 20 Studierende und Lernende. Viele hätten während Jahrzehnten mit Herzblut für die Bevölkerung gearbeitet. «Menziken darf sich nicht wiederholen», lautete ihre Botschaft. Sie forderte klare Verantwortlichkeiten und besseren Schutz für Angestellte bei der Schliessung von Betrieben wie dem Spital Menziken.
Ungenügende Möglichkeiten zur Mitsprache
Sinem Gökcen, Vorstandsmitglied der SP Frauen Aargau und Juristin, kritisierte die aus ihrer Sicht ungenügenden Möglichkeiten zur Mitsprache und die schwierigen Voraussetzungen bei den Verhandlungen über einen Sozialplan. Die Schliessung müsse ein politischer Weckruf sein: Gesundheitsversorgung dürfe nicht der Rendite untergeordnet werden.
Wie einschneidend die Schliessung für die Betroffenen ist, zeigte sich auch in persönlichen Begegnungen. Eine Mitarbeiterin, die sich bereits auf die Pensionierung im kommenden Jahr gefreut hatte, sucht sich nun für die verbleibenden Monate nochmals eine neue Stelle − bisher ohne Erfolg. Eine andere wollte unmittelbar nach der Kundgebung im Spital ihren Schlüssel abgeben, mit dem sie jahrelang täglich ihren Arbeitsplatz aufgeschlossen hatte. Dass noch nicht einmal alle Details der Aufgabenübergabe geklärt waren, beschäftigte sie zusätzlich. Zum Abschluss wurden die gesammelten Blumen an die anwesenden Spitalmitarbeitenden verteilt. Ein stilles, aber deutliches Zeichen der Dankbarkeit und Solidarität.
Nur wenige Stunden nach der Mahnwache endete die Ära des Spitals Menziken. Trotz aller Wehmut, Enttäuschung und wohl auch Wut über die Umstände rund um die Schliessung des Akutspitals sollte sich der Blick nun nach vorne richten. Das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Die neue Organisation hat am 1. November übernommen und muss sich jetzt beweisen.
Roland Marti