WM-Nachtschicht im Wynental

  13.07.2026

Was ein echter Nati-Fan ist, der verfolgt die Einsätze von Xhaka, Vargas, Yakin und Co. natürlich auch zu nachtschlafener Stunde. Das Wynentaler Blatt besuchte am frühen Sonntagmorgen einige Public Viewings.

Dass man Spiele der Fussball-Nati bei einem Public Viewing fast in Stadion-Atmosphäre geniessen kann, ohne dem Team an die Austragungsorte hinterherzureisen, hat sich an den letzten Endrunden herumgesprochen. Entsprechend wurden landauf, landab solche öffentlichen TV-Übertragungen organisiert – mit mehr oder weniger grossem Aufwand. Bei der Fifa-WM 2026 mit ihren nicht gerade europafreundlichen Anspielzeiten ist nun alles etwas anders. Die meisten Spiele beginnen um 21 Uhr oder später. So auch das wichtigste Spiel einer Schweizer Fussball-Nationalmannschaft im WM-Viertelfinal gegen Argentinien. Dieses begann für Nati-Fans sehr ungünstig am Sonntagmorgen erst um 3 Uhr MESZ. Immerhin spielte das Wetter mit: Es war, wie fast immer in letzter Zeit, sehr trocken und mit immer noch 20 Grad angenehm warm für den Aufenthalt im Freien. So haben wir uns auf die Suche nach den gemütlichsten Public Viewings im Wynental gemacht.

Auf der Suche nach der besten WM-Stimmung

In Menziken gestartet, wird man schon nach kurzer Zeit fündig. Auf der gedeckten Gartenterrasse der Mystery Bar an der Winkelstrasse sitzen rund 50 Personen vor dem grossen Screen. Einige Zaungäste stehen sogar draussen auf dem Trottoir und verfolgen das Spiel von hier. Die Stimmung ist gut – bis sich Mac Allister mit dem 1:0 als Partycrasher betätigt. Gespielt sind gerade mal 10 Minuten. Ein bis dahin erfrischender Auftritt der Nati wird schlecht belohnt.

Auch ein paar Hundert Meter nördlich auf der schön geschmückten und beleuchteten Terrasse der Schlössli Bar erhält die Stimmung einen herben Dämpfer. Da sich Yakins Team aber weiterhin viel Ballbesitz erkämpft und sich das Spiel mehrheitlich in der Platzhälfte der Argentinier abspielt, geht es zuversichtlich in die Pause. Daran ändert auch die gelbe Karte gegen Breel Embolo kurz vor dem Seitenwechsel vorerst nichts.

Hoffnung lebt – und explodiert beim Ausgleich

Die Pause wird in den Public Viewings genutzt, um sich etwas die Füsse zu vertreten, für den Gang auf die Toilette und für eine neue Runde Bier. Das ist auch in Wyn’s Pub in Gränichen so. Die knapp 50 Gäste sind sich einig, dass die Schweiz mit dem Rückstand schlecht belohnt ist und sich den Ausgleich längst verdient hätte. Dieser Ausgleich fällt dann tatsächlich, allerdings dauert es bis in die 67. Minute, bis Dan Ndoye sein Team und die Schweizer Fans erlöst. Ein ohrenbetäubender Schrei, nahtlos übergehend in die Fangesänge, dringen aus den Fanzonen in die bereits etwas dämmernde Morgenstimmung. Jetzt kommt es gut!

Platzverweis sorgt für Wut und Fassungslosigkeit

Doch nur zwei Minuten später verstummen die Sprechchöre schlagartig. Und während TV-Kommentator Sacha Ruefer ob der gelb-roten Karte gegen Embolo lautstark von einem «Skandal» spricht, fallen in den Public Viewings Ausdrücke, die hier nicht wiedergegeben werden können. Aber es ist eine Tatsache. Die Schweiz muss den Platzverweis hinnehmen und spielt fortan in Unterzahl. Und da der portugiesische Schiedsrichter keine Veranlassung sieht, auch einmal zu Gunsten der Schweiz zu entscheiden, werden seine Auftritte auf den Screens nicht selten mit Pfiffen quittiert.

Der Weltmeister schlägt eiskalt zu

Immerhin retten sich die Schweizer in die Verlängerung, was an sich schon eine Erfolgsmeldung wäre. Dort lässt der amtierende Weltmeister aus Argentinien aber doch seine Klasse aufblitzen. Das Tor von Julian Alvarez in der 112. Minute verdient zweifelsohne das Prädikat «Weltklasse». Bereits in der Nachspielzeit machte Lautaro Martinez mit einem Abstauber alle klar. Es wird still in den Public Viewings. Tränen fliessen. Und die Schauplätze leeren sich schnell. Das bittere Ende einer heissen WM-Nacht, ja eines ganzen WM-Abenteuers.

 

 


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