«Wir erwarten über 60’000 Stau-Stunden pro Jahr»
21.05.2026 RegionUm 19.45 Uhr noch schnell ein Brot für 3 Franken kaufen gehen? Wer dafür zum Beispiel von der Burg in einen noch geöffneten Laden in Reinach fährt, bezahlt dafür 7 Franken. Diese und weitere statistische Spielereien lassen sich aus einer Erhebung von ...
Um 19.45 Uhr noch schnell ein Brot für 3 Franken kaufen gehen? Wer dafür zum Beispiel von der Burg in einen noch geöffneten Laden in Reinach fährt, bezahlt dafür 7 Franken. Diese und weitere statistische Spielereien lassen sich aus einer Erhebung von «strasseschweiz» herauslesen.
Alljährlich veröffentlicht der Verband Strassenverkehr «strasseschweiz» in einem «Vademecum» Zahlen über die Nutzung der Strassen und zeigt die Belastung der Umwelt auf. Dabei macht sich die Zunahme von Elektrofahrzeugen statistisch bemerkbar: Die CO2-Emmissionen neuer Personenwagen sind auf einem neuen Tiefststand. Schleuderten diese vor 25 Jahren noch fast 200g CO2 pro Kilometer Fahrt aus, ist es heute noch die Hälfte. Im gleichen Zeitraum wurden auch Stickstoffwerte und Feinstaub halbiert. Heute stösst der private Strassenverkehr 40% weniger Treibhausemissionen aus als vor 25 Jahren, und das, obwohl alleine in der Schweiz 1 Million mehr Autos zugelassen sind als im Jahr 2000, und auch der Durchgangsverkehr hat deutlich zugenommen.
Der Verkehr ist sicherer geworden
Trotz der positiven Zahlen bei den Emissionen von Schadstoffen, trägt auch die Schweiz immer mehr zur Klimaerwärmung bei. Das ist kein Widerspruch. Ohne die technologischen Verbesserungen wäre der Fussabdruck einfach noch viel grösser. Zudem sind in den Statistiken die Produktion und die Entsorgung der Fahrzeuge nicht eingerechnet.
Noch nie gab es so wenige Unfälle auf Haupt- und Nebenstrassen wie im Jahr 2025, nämlich 15’827. Pro 250 Millionen Fahrkilometer gibt es auf Schweizer Strassen nur noch 1 Verkehrstoten. Vor zwanzig Jahren waren es noch 3 Todesopfer. Ein Grund dafür sind die höheren Sicherheitsstandards sowohl der Fahrzeuge, wie auch auf den Strassen. Ebenfalls einen Höchstwert gibt es bei den Staustunden: Allein auf den 5233 Kilometer Autobahnspuren gab es im im Jahr 2024 insgesamt 55’569 Stunden Stau, wobei Baustellen (6,3%) und Unfälle (4,0%) deutlich seltener zu Verkehrsbehinderungen führen als die Verkehrsüberlastung (87,8%). In der Schweiz gibt es übrigens 88’125 Kilometer National-, Kantons- und Gemeindestrassen.
Strassenbelastung steigt
Die weitesten Wege werden von privaten motorisierten Fahrzeugen zurückgelegt, nämlich 94,6 Milliarden Personenkilometer. Mit den ÖV sind Menschen 27,8 Milliarden Kilometer unterwegs. Während der motorisierte Güterverkehr auf Lastwagen 16,5 Milliarden so genannte Tonnenkilometer zurücklegt, sind es auf der Schiene 9,6 Milliarden Tonnenkilometer. Fast alle diese Werte sind über die letzten 25 Jahre gestiegen, es gibt nur eine Ausnahme: der Güterverkehr auf Schienen ist auf einem 15-Jahre-Tiefststand.
Beim Langsamverkehr gibt es immer weniger Velos auf den Strassen. Laut Statistik sind es aktuell 2,848 Milliarden Kilometer, die in der Schweiz pro Jahr mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Vor 4 Jahren, zum Ende von Corona, waren es 2,919 Milliarden Kilometer. Trendfahrzeuge erscheinen in den Statistiken von «strassenschweiz» nicht. E-Scooter und ähnliche Geräte dürften einige Velos verdrängt haben.
Bei all diesen Angaben muss man bedenken, dass im Jahr 2000 in der Schweiz 7,2 Millionen Menschen lebten, heute sind es über 9 Millionen. Da die gefahrenen Kilometer pro Person und nicht pro Fahrzeug gerechnet werden, zeigt die Statistik eine klare Verkehrszunahme. Dieser Trend werde anhalten, sagt Olivier Fantino Geschäftsleiter von «strasseschweiz» gegenüber dem Wynentaler Blatt: «Wir erwarten über 60’000 Stau-Stunden im Jahr 2025, gegenüber den 11’000 Stunden Stau im Jahr 2005». Der Grund dafür sei der geringe Ausbau der Strassen: «Die Strasseninfrastruktur und die Strassenkapazität sind seit den 1990er-Jahren quasi ähnlich geblieben. Die Verkehrsnachfrage steigt aber jedes Jahr exponentiell.»
Als «Vademecum» wird ein handliches Nachschlagewerk bezeichnet, wie es in diesem Fall «strasseschweiz» alljährlich herausgibt. Es bietet auch spannende Zahlen über Einnahmen und Ausgaben für den Strassenverkehr. So ist eine Autofahrt im Vergleich zu einer ÖV-Fahrt fast gleich teuer. Laut Bundesamt für Statistik kostet ein motorisierter Kilometer pro Person 66 Rappen, in öffentlichen Verkehrsmitteln 67 Rappen. Besonders beim Treibstoff für Autos kassiert der Bund viel Geld: Für jeden verkauften Liter Benzin fallen 89,56 Rappen Steuern an, bei Diesel sind es sogar 93,21 Rappen. Das heisst: Wenn Sie beispielsweise auf der Burg wohnen und sich um 19.45 Uhr entscheiden, mit dem Auto im noch offenen Laden in Reinach ein «Pfünderli» für 3 Franken einkaufen zu gehen, geben Sie unter dem Strich 7 Franken aus.
Das «Vademecum 2026» mit noch mehr spannenden Zahlen kann man bei «strasseschweiz» bestellen. Ältere Ausgaben findet man ebenfalls unter strasseschweiz.ch.
Remo Conoci

