«Die Maultrommel ist ein kleines Musikinstrument mit einem Rahmen, an dem eine Lamelle (Zunge) befestigt ist, die an ihrem freien Ende vom Spieler bewegt wird.» Soweit die Wikipedia-Definition – aber was das in echt bedeutet, das erlebten die Teilnehmenden und Gäste ...
«Die Maultrommel ist ein kleines Musikinstrument mit einem Rahmen, an dem eine Lamelle (Zunge) befestigt ist, die an ihrem freien Ende vom Spieler bewegt wird.» Soweit die Wikipedia-Definition – aber was das in echt bedeutet, das erlebten die Teilnehmenden und Gäste auf Schloss Hallwyl.
(Eing./grh) Samstagmorgen kurz nach 10 Uhr hörte man vor der Schlossmühle Schläge von Hammer auf Amboss. Als sich die Tür öffnete, sah man sechs Teilnehmende, die unter der Leitung von Luca Boggio auf glühende Eisenstäbe hämmerten oder an jenen, im abgekühlten Zustand, feilten. Ihr Ziel? Eine eigene Maultrommel, oder Ribeba, wie das Instrument im Piemont genannt wird.
Sarah Caspers, Fachperson Bildung und Vermittlung von Museum Aargau, bestaunte die gezeigte Fingerfertigkeit. Wie ist die Idee für das Festival eigentlich entstanden? «Schloss Hallwyl ist in der Schweiz die wichtigste Fundstelle für Maultrommeln.» Im Schlamm der Schlossgräben fanden sich 86 Maultrommeln – oder Trümpi, wie das Instrument auf Schweizerdeutsch genannt wird. So gehörte beim Festival auf Schloss Hallwyl nicht nur die Gestaltung des eigenen Instrumentes dazu. Am Nachmittag übten sich Musikerinnen und Musiker im Spiel der Trümpi. Gegen Abend konzertierten «Spassapensiere». Der Name des Ensembles ist ein alter italienischer Name für die Maultrommel, die heute Scacciapensieri heisst, Gedankenfänger. Das vierköpfige Ensemble, zu dem auch Luca Boggio gehört, engagiert sich der Wiederbelebung alter, vergessener Musikinstrumente. Ihrem Spiel zu lauschen war eine Zeitreise. Reduziert und gleichsam liebevoll vielseitig schufen sie für das Publikum eine Pause vom Alltag. Nichts hätte schöner klingen können.