«Allein können wir so wenig tun, zusammen können wir so viel tun». Mit dem Zitat der USamerikanischen Schriftstellerin Helen Keller begrüsst Grossratspräsident Urs Plüss das Publikum. Er weiss auch: Im Kanton Aargau leisten 41 Prozent der Personen ab 15 ...
«Allein können wir so wenig tun, zusammen können wir so viel tun». Mit dem Zitat der USamerikanischen Schriftstellerin Helen Keller begrüsst Grossratspräsident Urs Plüss das Publikum. Er weiss auch: Im Kanton Aargau leisten 41 Prozent der Personen ab 15 Jahren in irgendeiner Form Freiwilligenarbeit – die Tendenz ist sinkend.
Spitzenreiter in Sachen Freiwilligenarbeit sind die «Jungen Senioren» – Frauen und Männer zwischen 65 und 75 Jahren: Sie leisten im Aarau rund 10 Millionen Stunden Freiwilligenarbeit pro Jahr. Über diese Zahl und viele weiteren Fakten rund um die unterschiedlichsten ehrenamtlichen Engagements diskutierten am Donnerstagabend in Reinach Urs Plüss (Grossratspräsident), Esther Egger (Präsidentin Aargauischer Seniorenverband, Ehemalige Gross- und Nationalrätin), Jörg Sennrich (Präsident Aargauer Turnverband) und Andrea Blättler (Präsidentin Gemeinnütziger Frauenverein Menziken-Burg, Aufsichtskommission Reg. Sozialdienst Oberwynental). Moderiert wurde das Podium von Karin Faes (Präsidentin aargauSüd regio).
Angeregte Diskussion
Rege nutze das Publikum die Gelegenheit, in der anschliessenden offenen Diskussion persönliche Erfahrungen und Meinungen kundzutun. Eine interessante Frage kam von Simone Wiederkehr-Läuchli, Gemeinderätin aus Unterkulm: «Die Zahlen zeigen, dass die Bereitschaft, Freiwilligenarbeit zu leisten, immer kleiner wird. Welche Bestrebungen sind im Gang, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken?» Die Antwort kam von Urs Plüss: «Aus politischer Sicht muss ich leider sagen, dass aktuell nichts dagegen unternommen wird. Es gibt eine ganz diplomatische Erklärung dazu: Zwischen 2020 und 2024 waren die Zahlen stark rückläufig. Nun wird abgewartet, ob sich diese Abnahme der Bereitschaft für Freiwilligenarbeit im Jahr 2028 bestätigt. Erst dann werden unter Umständen Massnahmen ergriffen. Klar ist, wenn wir das Thema nicht ernst nehmen und der aktuellen Entwicklung nicht entgegenwirken, werden die Kosten in allen Bereichen – sei das in der Feuerwehr, in den Sportvereinen oder bei der Altersbetreuung – aus dem Ruder laufen.»
Unbezahlbar
Besondere Beachtung fand die Frage von Karin Faes, ob eine finanzielle Entschädigung helfen könnte, in Zukunft mehr Menschen für freiwillige Engagements zu motivieren. Man war sich schnell einig: Eine Spesenentschädigung wäre sinnvoll und willkommen, eine finanzielle Vergütung hingegen macht den Sinn der Freiwilligenarbeit zunichte. Das bestätigt auch Benno Vogler aus Birrwil. Er engagiert sich seit Jahren als freiwilliger Fahrer. Seine Erkenntnis nach unzähligen Fahrten für oft kranke und beeinträchtigte Menschen findet eine grosse Zustimmung: «Wenn ich die Lebenssituationen meiner Kundinnen und Kunden sehe, wird mir immer wieder bewusst, wie privilegiert ich selber bin, welch grosses Glück ich habe, dass es mir so gut geht. Meine scheinbar grossen Sorgen werden plötzlich ganz klein – dieser Benefit ist unbezahlbar.»
Helen Dietsche