Ob Jodellieder, Schwyzerörgeli oder Drehorgel – am vergangenen Samstag zeigte sich im Löwensaal wieder einmal, wie lebendig Traditonen sein können.
Mit «Sing dis Lied» lieferte das Chörli den perfekten Auftakt bevor die ...
Ob Jodellieder, Schwyzerörgeli oder Drehorgel – am vergangenen Samstag zeigte sich im Löwensaal wieder einmal, wie lebendig Traditonen sein können.
Mit «Sing dis Lied» lieferte das Chörli den perfekten Auftakt bevor die Schwyzerörgeligruppe der Musikschule Seetal die Bühne betrat. Unter der Leitung von Conny Emmenegger und Regine Brunner brachten sie die unterschiedlichen Werke nicht einfach zu Gehör. Sie waren in einem Sketch untergebracht, währenddem Bruder und Schwester als Gäste eine Stubete genossen. Beeindruckend war die Altersbandbreite der Musizierenden, die übrigens auch mit Instrumentalkombinationen glänzten. Ein Glockenensemble auf dem Tisch neben einem Xylophon aus gläserner Getränkeflaschen und eine Cowboy-Lady mit Fidel begeisterten das Publikum auch mit der verdienten Zugabe.
Mit einem Highlight der anderen Art überraschte Jodlerchörli-Mitglied Urs Lustenberger. Die Hauptdarstellerin im ersten Konzertteil war die Drehorgel «Millyros». Nach der Pause mit fröhlichem Wetteifern um Tombola-Preise zeigte sich die Instrumentendame aber von ihrer exzentrischen Seite. Bei Adolf Stählis «E gschänkte Tag» klangen Chörli und Drehorgel harmonisch. Bei «Dini Seel ä chli la bambälä la» liess «Millyros» die Sängerinnen und Sänger im Stich. Das Publikum dachte nicht daran, es ihr gleichzutun. Aus allen Delegationen und von überallher erklangen Stimmen und sangen mit. Dieses spontane Miteinander machte spürbar, wovon Jodlerinnen und Jodler Unkundigen jeweils vorschwärmen. Es fühlte sich an wie Ferien in den Bergen bei schönstem Sonnenschein.
Doch bei all den strahlenden Augen war da auch ein trauriges. Es war das letzte Konzert unter der Leitung von Martin Flury. «Lieber Martin, im April 2016 hast du als musikalischer Leiter in Böju begonnen und warst von Anfang an mehr für uns», sagte Präsident Dominic Gaugler in seiner Ansprache. Ein Beispiel unter vielen sei die Teilnahme am Jodlerfest 2024. «Nach 16 Jahren sind wir angetreten und haben uns zweimal eine Zwei sowie eine Höchstwertung ersungen. Das haben wir dir zu verdanken.» Bei der Schilderung weiterer Momente sah man immer irgendwo ein anderes Mitglied nicken. «Ein Engagement wollen wir würdigen, indem wir dich zum Ehrendirigenten erklären.» Der Applaus brandete durch den Löwensaal, als Dominic Gaugler Martin Flury die grosse Plakette überreichte.
Dem Abschiedsweh setzten die Jodlerinnen und Jodler Melodien entgegen. Damit waren nicht ausschliesslich jene aus Böju gemeint. Jene, welche die Drehorgel stimmlich ausgeglichen haben, sollten diesmal auch auf der Bühne stehen. Ein schönes, spannendes und klangvolles Bild gleichermassen. Vielleicht weckte es im Publikum beim einen oder anderen Lust, die eigene Stimme zu nutzen. Gelegenheit gibt es, wie Dominic Gaugler verriet: «Wir werden auch in diesem Jahr einen Projektchor anbieten. Wir starten am 5.November um 19.30 Uhr, proben jeweils donnerstags im katholischen Kirchgemeindehaus bis zum Adventskonzert am 13. Dezember in der reformierten Kirche Beinwil.» Die Ankündigung hatte Zeit, Wurzeln in den Köpfen der Menschen zu schlagen, während sie den Zugaben applaudierten. Auf dass auch 2027 ein Jodler-Obe genossen werden kann.
Mehr auf www.jodlerchoerli-beinwil.ch
Graziella Jämsä