Die Geschichten direkt vor der Haustür werden oft übersehen. Das Erzähltal greift diese auf, lässt spannende Menschen zu Wort kommen. Am Sonntag drehte sich alles um die Institution Schule – von gestern bis in die Zukunft.
Die Talk-Runde wollte ...
Die Geschichten direkt vor der Haustür werden oft übersehen. Das Erzähltal greift diese auf, lässt spannende Menschen zu Wort kommen. Am Sonntag drehte sich alles um die Institution Schule – von gestern bis in die Zukunft.
Die Talk-Runde wollte nicht beantworten, ob die Schule früher besser war, oder ob sie es heute ist. Im Zentrum des Gespräches standen viel mehr die Art des Schulalltages und der Wandel der Vermittlung von Schulstoff, auch was man aus daraus lernen kann.
Dass die Schule früher ganz anders war, betonte besonders Peter Marti, der noch die Zeit der Tatzen und allgemeinen Strafen erlebte und in den ersten Klassen die Schulbank mit 42 weiteren Kindern drückte. Klar, dass zu jener Zeit die Individualität, die man im heutigen Schulalltag lebt, keinerlei Platz fand.
Hans-Peter Urech, frisch pensionierter Lehrer und Schulleiter in Reinach, begleitete hunderte Kinder während seines Berufslebens. «Die Schule ist letztlich der Spiegel der Gesellschaft», betonte er und oft hinke man der Entwicklung hinterher. Der Unterricht habe sich sehr stark gewandelt und die Herausforderungen für eine Lehrkraft hätten zugenommen, denn die Digitalisierung, die Sozialen Medien und neu die künstliche Intelligenz forderten enorm. Die Schulkinder und auch die Lehrkräfte müssten besonders lernen, mit den hilfreichen, aber auch herausfordernden neuen Mitteln umzugehen.
Auch Emma Glanzmann, Tochter der Moderatorin, im Oberstufenalter und auf Lehrstellensuche, bestätigte eine gewisse Gefahr. Sie wünsche sich im Schulalltag klare und gerne strenge Regeln. Während der Lehrzeit und im Berufsleben helfe ihr das.
Mehr Individualität
Vorbei ist aber sicher die Zeit der strengen Bestrafung. Der passionierte Lehrer und Ex-Polizist, Tee Peterson ist auch Vater, der seine Kinder auf ihrem Weg begleitet und unterstützt. Doch gehen müssten sie schliesslich selber. Auf die gleiche Weise behandelt er seine Schülerinnen und Schüler.
«Haben die Schulkinder heute noch Respekt?», nahm Moderatorin Rebekka Glanzmann ein Stichwort der Talk-Runde auf. Die Fachkräfte betonten, dass es klare Regeln erfordere, die Ausdauer gefördert werden müsse und Verantwortung für das eigene Verhalten zu tragen sei.
Das Pflegen einer Fehlerkultur sei ein weiterer wichtiger Punkt. Man dürfe zwar Fehler machen, sollte aber lernen daraus. Hans-Peter Urech betonte, dass ein Schulkind auch sehen darf, dass auch eine Lehrkraft nicht alles kann. Emma meinte, es sei manchmal schwierig, bis zu sechs Lehrpersonen zu haben. Dem stimmten auch die weiteren Gesprächspartner zu, doch nicht alle Lehrkräfte sind in allen Fächern begabt. Dem könne man heute als Schulleiterin mit einer individuelleren Planung begegnen.
«Die Zukunft der Schule läuft auf noch mehr Individualität und Spezialisierung heraus», sind sich die Fachkräfte einig. Die digitale Entwicklung ist nicht zu stoppen und es gilt diesbezüglich, vorsichtig kritisch zu sein. Es ist wichtig, auch die Eltern in die Entwicklung einzubeziehen, unter anderem auch durch Schulungen und Informationen, denn sie haben immer noch den wichtigsten Teil der Verantwortung für ihr Kind. Ein Votant rief zu mehr Solidarität für die Lehrpersonen als Respektspersonen auf. Es sei gewaltig, was sie täglich leisten.
Cornelia Forrer