Vom Zelt ins Haus
13.05.2026 KolumneIch habe gezügelt. Meine Verlobte und ich haben letzten Samstag unsere Haushaltsgegenstände in das neue Haus transportiert und sind nun am Auspacken. Jede freie Minute waren wir in den letzten Wochen am Sortieren, Einpacken, Wegwerfen … Und nun haben wir den Umzug unter Mithilfe ...
Ich habe gezügelt. Meine Verlobte und ich haben letzten Samstag unsere Haushaltsgegenstände in das neue Haus transportiert und sind nun am Auspacken. Jede freie Minute waren wir in den letzten Wochen am Sortieren, Einpacken, Wegwerfen … Und nun haben wir den Umzug unter Mithilfe vieler tatkräftiger Hände geschafft und freuen uns an unserem neuem Daheim.
Zwei ganz unterschiedliche Texte sind mir beim Zügeln in den Sinn gekommen: einmal die bekannte herzige Geschichte von Franz Hohler, die so beginnt: «Wüsset dir, wie s d’Igle mache, wenn si zügle? Si stecken ihri Sächeli uf ihri spitze Stächeli!» und dann zählt der Kabarettist lustig auf, was sie alles mitnehmen wollen und dichtet dann gegen Schluss: «So göh si is neue Hüsli – tripp trapp! Und strychen ihre Hushalt a de Wänden ab! Oh, wäre mir doch Igle, de chönntemer besser zügle!» Unsere Züglete war sicher schweisstreibender, aber dank der vielen Helfer erfolgreich. Ich bin dankbar, dass alles reibungslos lief.
Der andere Text steht im Neuen Testament im 5. Kapitel des 2. Korintherbriefes und gehört zu meinen Favoriten für Trauerpredigten. Ich zitiere Vers 1 nach der «Guten Nachricht»: «Wir wissen: Wenn das irdische Zelt, in dem wir jetzt leben, nämlich unser Körper, abgebrochen wird, hat Gott eine andere Behausung für uns bereit: ein Haus im Himmel, das nicht von Menschen gebaut ist und das in Ewigkeit bestehen bleibt.»
Auch hier ist von einem Umzug die Rede, vom Umzug vom irdischen Haus ins himmlische! Paulus spricht hier von unserem Körper und vergleicht diesen mit einem Haus bzw. mit einem Zelt. Dass er das Bild des Zeltes verwendet, macht klar, wie vorläufig und gefährdet unser irdisches Leben ist. Erst das Haus im Himmel, das Gott für uns baut, wird beständig sein. Auf diesen Umzug können und sollen wir uns ebenso gut vorbereiten wie auf eine Züglete. Man muss gut überlegen, was man braucht, was wirklich wichtig ist im Leben. In Vers 5 in diesem Abschnitt ist davon die Rede, dass Gott uns als eine Art «Anzahlung» für dieses himmlische Haus seinen Geist gegeben hat, der uns führt und leitet und letztlich die Brücke ist, die uns mit Gott verbindet. Vertrauen wir Gott, so werden wir, wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, uns in einem himmlischen Haus wiederfinden. Auf die Züglete ins himmlische Haus dürfen wir uns freuen!
Daniel Hintermann,
Pfarrer, Schöftland
