Das Tabak- und Zigarrenmuseum in der ehemaligen Chrischona-Kapelle in Menziken öffnete am vergangenen Sonntag anlässlich des internationalen Museumstags seine Türen. Margrit Gautschi sowie Markus Widmer führten die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung zum ...
Das Tabak- und Zigarrenmuseum in der ehemaligen Chrischona-Kapelle in Menziken öffnete am vergangenen Sonntag anlässlich des internationalen Museumstags seine Türen. Margrit Gautschi sowie Markus Widmer führten die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung zum regional bedeutenden Wirtschaftszweig der Tabak- und Zigarrenindustrie.
Bereits am Eingang werden die Besucherinnen und Besucher mit einem herzlichen Lächeln von Margrit Gautschi willkommen geheissen. Im Gebäude wartet bereits der Historiker und Präsident des Vereins Museum Schneggli, Markus Widmer, um die Teilnehmenden in die Welt der Tabakindustrie zu entführen. In chronologischem Aufbau zeigt die Ausstellung von der Zigarrenherstellung bis zu namhaften Firmen, wie Hediger, Villiger oder Weber, die das Wynental durch die Tabakindustrie geprägt haben. Widmer verrät: «Bevor die Zigarren aufkamen, wurde Tabak bereits in der Pfeife geraucht.»
Eine Zigarre entsteht
Vom Ausrippen der getrockneten Tabakblätter, was oft Heimarbeit war, führt die Ausstellung weiter zur Rupfmaschine, welche die Blätter zerkleinerte. «Die Blattrippen konnten auch noch gebraucht werden. Diese wurden zermahlen und für die Pfeife genutzt», erklärt Markus Widmer. Die nächste Maschine diente dazu, den losen Tabak einzuwickeln. Dazu kamen vorgefertigte Schablonen zum Einsatz, damit eine einheitliche Grösse der Zigarren gewährleistet werden konnte. «Das war allerdings noch nicht das sichtbare, schöne Tabakblatt», sagt Widmer. Mit der Zeit wurden die einzelnen Maschinen stetig weiterentwickelt und teilweise automatisiert. Nach dem zweiten, sichtbaren Tabakblatt fehlte noch die Banderole um die Zigarre. Diese wurde mit einer Etikettiermaschine gefertigt. Die prunkvoll verzierten Banderolen der Zigarren liessen darauf schliessen, dass diese Produkte nicht für die Arbeiterschicht bestimmt waren. «Das einfache Volk rauchte Stumpen», sagt Widmer.
Ob Pfeife, Stumpen oder Zigarren – die Wände voller alter Werbeschilder zeigen, dass damals alles beworben wurde. Auf einem Schild steht etwa: «Beruhigt die Nerven, fördert die Arbeit, hebt das Wohlbefinden, deshalb raucht Zigarren.» Aus heutiger Sicht wirken solche Aussagen beinahe skurril, doch einst gehörten sie ganz selbstverständlich zur Werbung der Tabakindustrie dazu. Trotz der heute kaum mehr vorstellbaren Botschaften beeindrucken die kunstvollen Zeichnungen und dekorativen Schriften als einzigartige Handwerkskunst. «Wir erhalten ein Kulturgut, das die Region über 100 Jahre geprägt hat», sagt Markus Widmer.
Die umfangreiche Sammlung im Tabak- und Zigarrenmuseum sowie die fachkundige Führung von Widmer, ergänzt mit erfrischenden «Sidefacts», liessen die Besucherinnen und Besucher an diesem Sonntagnachmittag fasziniert nach Hause gehen.
Janine Flückiger