Virtuose Klänge verzaubern den Löwensaal
22.10.2026 Beinwil am SeeTrotz des ungemütlichen Herbstwetters fanden sich am vergangenen Samstagabend zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer im Löwensaal Beinwil am See ein. Kein Wunder, denn der Abend «Klang der Elemente» mit vier aussergewöhnlich talentierten Solistinnen ...
Trotz des ungemütlichen Herbstwetters fanden sich am vergangenen Samstagabend zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer im Löwensaal Beinwil am See ein. Kein Wunder, denn der Abend «Klang der Elemente» mit vier aussergewöhnlich talentierten Solistinnen versprach musikalische Virtuosität ganz im Stil des Barocks.
Unter der Leitung von Ruben Jais läuteten die Musikerinnen und Musiker den Abend mit einem Stück von Georg Philipp Telemann ein. Die Orchestersuite «Hamburger Ebb und Fluth» ist ein Werk, welches das Publikum in zehn Sätzen in eine abwechslungsreiche Wasserwelt entführte. Wie der Name bereits verrät, zeichnet Telemanns Komposition ein musikalisches Bild der Gezeiten der Elb-Mündung. Von einem ausgewogenen Auftakt, der in die Ebbezeit führte, wandelt sich die Dynamik hin zu stürmischeren Phasen. Dabei übernehmen die Instrumente die Rolle der Meergottheiten und erzählen die Mythologie von Thetis und dem in sie verliebten Neptun. Ein Blick in die Reihen liess erahnen, wie sehr die Zuhörenden den musikalischen Moment genossen. Auch ohne Kenntnis der Mythologie entstanden beim Zuhören eindrucksvolle Bilder vor dem inneren Auge. Die sanften Töne von Oboe und Streichern liessen die Wasseroberfläche vor dem inneren Auge glitzern, als würden Sonnenstrahlen darauf tanzen. Später verwandelte sich die musikalische Landschaft: Die Wellen schienen immer höher zu schlagen, bis sie mit voller Wucht gegen die Hafenmauern prallten und in tausend Wasserperlen zersprangen.
Der anhaltende Applaus zeigte die Begeisterung des Publikums im Löwensaal. Mit dem ersten Ton des nächsten Stücks kehrte Ruhe im Saal ein. Gespannt warteten die Zuhörenden auf die nächsten musikalischen Höhepunkte. Weiter ging es mit Georg Friedrich Händel und dem «Concerto grosso», bevor bereits die Pause eingeläutet wurde. «Die barocke Musik passt gut in diesen Saal, findest du nicht auch?», fragte ein Herr seine Begleitung. «Ja sie spielen aber auch grossartig», fügt sie hinzu, während sie zustimmend nickte.
Die Solistinnen
«Wir sind gespannt auf die Solistinnen», erzählte ein Ehepaar, das gerade noch den letzten Schluck seines Pausengetränks zu sich nahm, bevor es wieder Richtung Saal ging. Die Rede war von den vier Violinistinnen Simone Roggen, Agata Lazarczyk, Felizia Bättig und Cosima Weidmann. Die vier Musikerinnen treten auf nationalen und internationalen Bühnen auf und können bereits beachtliche Erfolge verzeichnen. So spielte Simone Roggen unter anderem im Barbican Centre in London, als Konzertmeisterin des London BBC Symphony Orchestra. Die gebürtige Polin Agata Lazarczyk war über viele Jahre Mitglied des Verbier Festival Orchestra und beim Lucerne Festival Academy Orchestra tätig. Felizia Bättig aus Zofingen gewann an Musikwettbewerben diverse Preise. 2025 gewann sie beim Aargauer Solo-Musikwettbewerb den ersten Preis mit Auszeichnung. Auch Cosima Weidmann, die wie Felizia Bättig 17 Jahre alt ist, konnte bereits mehrere Preise gewinnen. So auch den 1. Preis beim Aargauer Musikwettbewerb.
Die Zuhörenden hatten wieder ihre Plätze eingenommen, als sich beim Werk von Antonio Vivaldi, dem «Konzert für vier Violinen», die vier Virtuosinnen zum Orchester auf die Bühne gesellten. Mit Feingefühl und präzisem Zusammenspiel zogen sie die Zuhörerschaft in ihren Bann. Dabei wechselten sich die vier im Duo ab und erzeugten eine spannende Dynamik. Dieses Konzert sowie zahlreiche andere Violinenkonzerte, genauer gesagt rund 230 weitere, schrieb Vivaldi für das Orchester des «Ospedale della pietà», ein Heim für Waisenmädchen. Er selbst leitete das Orchester und unterrichtete hochbegabte Mädchen. Dabei entwickelten sich einige der mittellosen Mädchen zu wahren Virtuosinnen.
Nach dem nur zehnminütigen Auftritt belohnte das Publikum die Künstlerinnen mit einem noch kräftigeren Applaus als zuvor. Mit mehreren «Bravo»-Rufen liess ein Zuhörer seiner Begeisterung freien Lauf.
Doch das war noch nicht alles von den vier Solistinnen. Mit einem Überraschungsstück liessen sie die Zuhörerschaft nochmals träumen, bevor sie so elegant, wie sie erschienen waren, auch wieder die Bühne verliessen. Georg Friedrich Händels «Feuerwerksmusik» sorgte schliesslich für einen schwungvollen Ausklang. Mit dem kraftvollen und fröhlichen Werk versprühte die Argovia Philharmonic erneut gute Laune. Ein durchwegs passender Abschluss, bevor sich die Zuhörenden für den Heimweg wieder in die kühle und trübe Herbstnacht begeben mussten.
Janine Flückiger


