Stoffwechselerkrankung mit schmerzhaften Folgen
02.04.2026 MenzikenAm vergangenen Donnerstagabend fand im Asana Spital Menziken ein Vortrag über «Kristallgelenks-Erkrankungen» statt. Frau Dr. Madalina Nussberger führte die zahlreichen Besucher kompetent durch eine fremdartige Welt von Kristallablagerungen, verständlich erklärten ...
Am vergangenen Donnerstagabend fand im Asana Spital Menziken ein Vortrag über «Kristallgelenks-Erkrankungen» statt. Frau Dr. Madalina Nussberger führte die zahlreichen Besucher kompetent durch eine fremdartige Welt von Kristallablagerungen, verständlich erklärten Fachbegriffen und dem Aufzeigen von Möglichkeiten, die Erkrankung zu lindern.
Gicht ist nicht einfach eine Wohlstandserkrankung des Adels, wie früher oft angenommen wurde, sondern eine schmerzhafte und zum Teil auch sehr einschränkende Stoffwechselerkrankung. Gelenke, die steif, rot und geschwollen sind und schon bei der kleinsten Bewegung massive Schmerzen verursachen, betreffen heute immer mehr Menschen. Das liegt nicht an einem Überfluss wie beim damaligen Adel, sondern ist auch in der heutigen Lebensweise zu finden. In den westlichen Ländern leiden bereits etwa zwei Prozent der Erwachsenen an dieser Stoffwechselkrankheit, wobei die Tendenz im Alter steigend ist.
Warum es meist die Männer trifft
Interessanterweise ist Gicht eine Erkrankung, die bis ins mittlere Alter primär Männer betrifft. Der Grund dafür liegt in der Biologie. Östrogen fördert die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren. Erst nach den Wechseljahren, wenn der Östrogenspiegel sinkt, nimmt das Risiko auch bei Frauen deutlich zu. Ein Blick ins Tierreich zeigt ein kurioses Detail. Bei Tieren ist Gicht nahezu unbekannt.
Der eigentliche «Bösewicht» der modernen Ernährung ist die Fructose. Fruchtzucker wird oft fälschlicherweise als gesund betrachtet. Softdrinks und Fertigprodukte, aber auch der vermeintlich gesunde Orangensaft treiben den Harnsäurespiegel massiv in die Höhe. Zudem gelten rotes Fleisch, Innereien, Hering sowie versteckte Purine in Fertigsaucen als Quelle erhöhter Purine. Der Körper wandelt diese Purine in Harnsäure um. Ist das Blut gesättigt, lagern sich die Kristalle wie feiner Sand in den Gelenken ab.
Wenn Kristalle das Gelenk zerstören
Unter dem Fachbegriff Kristall-Arthropathien fassen Mediziner Erkrankungen, bei welchen Ablagerungen an Gelenken entstehen, zusammen. Der klassische Gichtanfall, medizinisch oft als «Podagra» bezeichnet, trifft in 60 Prozent der Fälle das Grundgelenk des grossen Zehs. Die Schmerzen sind so intensiv, dass schon ganz leichte Berührungen heftige Schmerzattacken auslösen. Ohne frühzeitiges Handeln durch Anpassung des Lebensstils droht die Erkrankung chronisch zu werden.
Diagnose
Um Gicht sicher nachzuweisen, nutzt die moderne Medizin Verfahren wie Ultraschall, Gelenkpunktionen oder das hochmoderne DECT. Doch Vorsicht. Nicht jeder erhöhte Harnsäurespiegel führt zwangsläufig zu Gicht. Davon abzugrenzen ist zudem die «Pseudogicht», also eine CPPD. Hier haben die Schmerzen nichts mit Harnsäure zu tun, sondern können unter anderem durch Traumata, einen niedrigen Magnesiumspiegel oder eine Eisenspeichererkrankung ausgelöst werden.
Die Behandlung von Gicht im Akutzustand sieht eine Ruhigstellung, Kühlung und ärztlich verordnete Schmerztherapie vor. Das Ziel ist, langfristig die Senkung der Harnsäure auf einen tiefen Normwert zu bringen. Sei dies mit Medikamenten und der entsprechenden Ernährung. Der Schlüssel zur dauerhaften Beschwerdefreiheit liegt im Lebensstil. Gewichtsreduktion, viel Bewegung und eine purinarme Ernährung sind essenziell. Wer viel Wasser trinkt, auf Milchprodukte, Kaffee und Vitamin C setzt, tut seinem Körper etwas Gutes. Gute Nachricht für alle Kirschenliebhaber. Bald ist Sommer und der köstlichen Frucht werden positive Eigenschaften zur Senkung des Harnsäurespiegels nachgesagt.
Dominique Rubin

