Spitzmäuse – keine echten Mäuse
29.10.2026 WynentalIn der Umgangssprache ist der Begriff «Maus» nicht exakt. Wir bezeichnen damit kleine, flinke, graubraune Säugetiere, die helles Licht meiden. Beim genauerem Hinschauen sehen diese Mäuse unterschiedlich aus. Sie gehören verschiedenen Säugetiergruppen (Ordnungen) an, ...
In der Umgangssprache ist der Begriff «Maus» nicht exakt. Wir bezeichnen damit kleine, flinke, graubraune Säugetiere, die helles Licht meiden. Beim genauerem Hinschauen sehen diese Mäuse unterschiedlich aus. Sie gehören verschiedenen Säugetiergruppen (Ordnungen) an, zum Beispiel die Insektenfresser mit Spitzmäusen, Maulwurf und Igel und die Nagetiere mit den echten Mäusen wie Langschwanz- (z. Bsp. Hausmaus, Wanderratte) und Wühlmäusen (z. Bsp. Feld- und Schermaus) und den Schlafmäusen (z. Bsp. Haselmaus, Siebenschläfer). Da alle zu der Klasse der Säugetiere gehören, wie der Mensch, besitzen sie ein Haarkleid, sind Warmblüter und ernähren die Jungen mit Milch, was eine enge Beziehung zwischen Mutter und Jungtier schafft.
Die Insektenfresser sind keine Pflanzenfresser wie die echten Mäuse und Schläfer, was man an den spitzhöckrigen Zähnen erkennt. Mit ihren pinzettenartigen Zähnen können sie die gepanzerten Insekten knacken. Typisch sind auch der langgestreckte Schädel und die lange, rüsselartige Schnauze mit der beweglichen Nase, die dem Aufstöbern der tierischen Nahrung dient.
Spitzmäuse sind eher Einzelgänger, die ausserhalb der Paarungszeit den Kontakt zu Artgenossen meiden und gehören zu den kleinsten Säugetieren, die zwischen 2 und 20 g wiegen.
Sie haben hervorragend entwickelte Sinne (Geruchs-, Gehör- und Tastsinn), die dem Kontakt der Tiere untereinander, dem Sexualverhalten, der Nahrungssuche oder der Feindvermeidung dienen. Beim Geruch spielen Drüsen oder drüsenartige Organe eine entscheidende Rolle. Sie besitzen Hautdrüsen mit unangenehm riechendem Sekret, was sie für Fressfeinde ungeniessbar macht. Auch besitzen sie einen giftigen Speichel, um auch grössere Beutetiere wie Mäuse, Frösche und kleine Fische zu überwältigen. Spitzmäuse haben neben Fledermäusen und Walen eine Besonderheit: Sie senden Quietschtöne im Ultraschallbereich (Echoortung) aus, die für uns nicht hörbar sind und dem Aufspüren der Beute dienen. Tasthaare am Rüssel unterstützen die Orientierung im Dunkeln oder beim Auffinden von Nahrung. Der Sehsinn ist schlecht ausgebildet und für die Nacht weniger bedeutsam.
Kleine Säugetiere haben einen sehr hohen Aufwand, um die Körpertemperatur aufrecht zu halten, da die Körperoberfläche zu der Körpermasse (Volumen) ungünstiger ist als bei grossen Säugern (Wale, Eisbär). Sie verlieren mehr Körperwärme durch die grosse Oberfläche und haben deshalb einen hohen Stoffwechsel. Mit einem Puls bis 1000 Herzschlägen pro Minute verschlingen sie je nach Nährgehalt die Nahrungsmenge des eigenen Körpergewichts und mehr pro Tag. Nur wenige Stunden ohne Nahrung sind für sie lebensbedrohlich.
In der Winterzeit wird das Nahrungsangebot knapp, was zu unterschiedlichen Überlebensstrategien führt. Die Schläfer und der Igel fallen in einen echten Winterschlaf, wodurch die Körpertemperatur und der Puls stark gesenkt werden und damit auch der Energieverbrauch. Spitzmäuse machen keinen Winterschlaf. Sie legen sich Nahrungsvorräte an oder suchen sich einen geschützten, wärmenden Platz. Sie können bei Nahrungsmangel (Winter, Trockenheit) auch kurzfristig die Körpertemperatur und den Puls senken (Kurzzeit-Torpor). Bei den Waldspitzmäusen schrumpfen während der Winterzeit die Organe, um Energie zu sparen. Im Frühjahr wachsen diese wieder nach.
Die Vermehrungsrate ist hoch. Spitzmausweibchen bringen ein- oder mehrmals im Jahr fünf oder mehr nackte und blinde Junge in einem sorgfältig gebauten Nest zur Welt und können gleich nach der Geburt wieder trächtig werden. Dass sie nicht zur Mäuseplage werden, liegt an den vielen Feinden, der hohen Sterblichkeit und der Verarmung ihres Lebensraumes. Ihre Lebensspanne beträgt in der freien Natur nur wenige Monate bis maximal 2 Jahre.
Ernst Hofmann,
Unterkulm

