Spital Menziken: Gedanken zur Schliessung
03.09.2026 Wynental, Menziken1990 wurde ich im Spital Menziken geboren. Mein Bruder folgte zwei Jahre später. Wir wuchsen die kommenden Jahre im Oberwynental auf und für mich ist und bleibt das Spital Menziken eine Institution. Auch wenn ich glücklicherweise aufgrund meiner guten Gesundheit das Spital sehr ...
1990 wurde ich im Spital Menziken geboren. Mein Bruder folgte zwei Jahre später. Wir wuchsen die kommenden Jahre im Oberwynental auf und für mich ist und bleibt das Spital Menziken eine Institution. Auch wenn ich glücklicherweise aufgrund meiner guten Gesundheit das Spital sehr selten besucht habe, bin ich mit dem Spital verbunden. Heute wohne ich rund 200 Meter oberhalb des Spitals und ich fahre auf dem Weg in mein Büro oder für den Einkauf täglich daran vorbei. Meine heute fünfjährige Tochter musste vor rund 1 ½ Jahren aufgrund einer Platzwunde am Kopf notfallmässig ins Spital. Den sehr kurzen Weg und die kinderfreundliche Behandlung habe ich natürlich geschätzt.
Der Entscheid über die Schliessung des Spitals per Ende Oktober macht mich tief betroffen. Bereits mit der Schliessung der Geburtenabteilung im Jahr 2018 hatte ich Mühe und ich erachte dies rückblickend als strategischen Fehler. Mit dieser Schliessung hat man die Chance auf zukünftige Patienten vergeben. Bei einer bevorstehenden Geburt war man vorher unter Umständen jahrelang nicht mehr in einem Spital. Werden bei einer Geburt, einem solch emotionalen Ereignis, positive Erfahrungen gemacht, geht man wieder in das gleiche Spital. Die Tatsache, dass die Fallzahlen im Akutspitalbereich in Menziken im Zeitraum 2018-2026 um 20 Prozent gesunken sind, unterstreicht meine Einschätzung.
Zur Tatsache gehört auch, dass das Spital Menziken in den letzten Jahren hochdefizitär war – mit steigender Tendenz. Ich erinnere an folgende Jahresabschlüsse: 2023 Verlust von 2.5 Mio. Franken, 2024 Verlust von 3.7 Mio. Franken, 2025 Verlust von 6.0 Mio. Franken.
Die Fehlbeträge konnten aufgrund der starken Eigenkapitalbasis und dem Spitalverein aufgefangen werden, aber es ist sonnenklar, dass das Spital – notabene als privatrechtliche Aktiengesellschaft organisiert – unter diesen Umständen nicht mehr aufrechterhalten werden konnte.
Ich kann nachvollziehen, dass kommunikativ seitens Spitalleitung nicht alles optimal lief. Was auch hinter den politischen Kulissen abging, war gelinde gesagt unschön. Mehrmals wurde ich von Journalisten um eine Stellungnahme gebeten. Sei es wegen der Schliessung selbst oder den darauffolgenden Gerüchten um die frühere Schliessung der Notfallabteilung. Dass jeweils auf meine Nachfrage hin immer bereits Stellungnahmen von SP-Grossrätinnen, insbesondere von Lelia Hunziker aus Aarau, vorlagen, brachte mich zum Grübeln. Wurden und werden interne Informationen aus dem Haus selbst bewusst an politische Mandatsträger weitergegeben? Weshalb müssen diese Mandatsträger auf dem Rücken der Patientinnen und der Angestellten diese Informationen den Medien weitergeben, um es dermassen medial auszuschlachten? Das stiftete Unruhe beim Personal und in der gesamten Region. Es gibt keine gesetzliche kantonale Grundlage, ein Regionalspital finanziell retten zu müssen. Mir sind auch keine politischen Bemühungen in den Gemeinden – auch nicht in der Wohngemeinde von Lelia Hunziker – bekannt, das Spital Menziken jährlich subventionieren zu wollen. Die obenerwähnten Zahlen sind öffentlich zugänglich und die finanzielle Schieflage war bekannt. Da irritiert mich das Verhalten einiger Grossratskolleginnen sehr. Aber bekanntlich stehen irgendwann wieder Wahlen an und man oder frau möchte wiedergewählt werden. Ein Schelm, wer Böses denkt.
Für die Abwicklung der Schliessung des Spitals erwarte ich nun von der Spitalleitung eine klare Kommunikation, einerseits gegenüber den Angestellten und andererseits gegenüber der Öffentlichkeit, wie was ab sofort bis Ende Oktober und anschliessend ab November gilt. Ich bin davon überzeugt, dass die Gesundheitsversorgung im Wynen- und Seetal auch in Zukunft gewährleistet ist. Der Weiterbetrieb eines reduzierten Notfall- und Rettungsdienstes in Menziken selbst wie auch der Aufbau einer neuen Rettungsorganisation in Seengen lassen mich hoffen. Die Weiterführung der Hausarztpraxis und der Langzeitpflege in den Räumlichkeiten des Spitals sind für die Gesundheitsversorgung als Ganzes wichtig. Den gekündigten Angestellten wünsche ich eine gute und zeitnahe Anschlusslösung und von der Spitalleitung den Respekt, welchen sie für die geleistete Arbeit in den vergangenen Jahren verdient haben.
Adrian Meier, Grossrat FDP, Menziken

