Schlachten

  13.05.2026 Region

Als ich kürzlich im Ort, in dem ich aufgewachsen bin und meine Schulzeit absolvierte, am Schulhaus vorbeifuhr, sah ich den roten Tartanplatz. Was haben wir damals auf diesem Platz für grosse Schlachten ausgetragen! Die Jungs von westlich der Bahnlinie gegen die Jungs von östlich der Bahnlinie, die unser Dorf teilte. Grosse Kämpfe führten wir. Im Fussball, Handball, Hockey, im Winter in Form von epischen Schneeballschlachten. Angriff um Angriff, Tor um Tor, Mann gegen Mann. Ja, ein paar Mädchen waren auch dabei. Und nach geschlagener Schlacht war klar, wer die Macht hat, der König im Revier. Das galt dann so lange, bis wir uns wieder für so einen Kampf verabredeten und das Ganze von vorne losging.

Plötzlich kam mir ein Gedanke: Warum geben sich verschiedene Länder zerstörerisch mit Unmengen von Waffen und unter Einsatz von Tausenden von Menschenleben, wenn man doch Konflikte auch so friedlich und unschuldig wie wir damals mit Fussball oder Hockey, vielleicht sogar mit Schneeballschlachten austragen könnte? Das wäre doch wesentlich klüger, ressourcenschonender und würde zu viel weniger Hunger und Elend führen. Für die wenigen Spielverderber, die das Gefühl haben, ihre Ziele doch nur mit Waffengewalt erreichen zu können, fordere ich einen Sandkasten, in welchem sie mit Spielzeugpänzerli ihre Kriege ausfechten können.

«You may say, I'm a dreamer», sang John Lennon in seinem legendären «Imagine». Ja, nennen Sie mich einen Träumer! Aber ich finde, die Welt wäre eine bessere, wenn wir unsere «Schlachten» im friedlichen Spiel austragen würden.

So lassen Sie uns diese Woche damit beginnen! Am Samstag wird in Wien klangvoll der König oder die Königin Europas für ein Jahr gewählt. Bis 31. Mai suchen wir die Herrscher der Eishockey-Welt, und vom 11. Juni bis 19. Juli wären Kanada, die USA und Mexiko die Austragungsorte zahlreicher Duelle um Tore, Punkte, einen Pokal und letztlich den Königstitel im Weltfussball − oder ist und bleibt das nicht sowieso Gianni Infantino?

Russland soll doch seine Militärparade auf dem Roten Platz täglich abhalten und dafür immer drei Tage lang die Waffen ruhen lassen. Ausser an Tagen, an denen der rote Platz von der Jugend fürs Tschutten gebraucht wird.

Roland Marti


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