«PFAS sind nicht per se gefährlich»
17.09.2026 Wynental, MenzikenPFAS sind ein Thema, das derzeit in aller Munde ist. Darum organisierte die SP Bezirk Kulm einen Vortrag rund um die sogenannten Ewigkeitschemikalien.
«Ich kenne die Angst, die entsteht, wenn man über etwas nichts weiss», sagte die stellvertretende ...
PFAS sind ein Thema, das derzeit in aller Munde ist. Darum organisierte die SP Bezirk Kulm einen Vortrag rund um die sogenannten Ewigkeitschemikalien.
«Ich kenne die Angst, die entsteht, wenn man über etwas nichts weiss», sagte die stellvertretende Kantonschemikerin Olga Miller den über 35 Personen, die sich am Donnerstagabend in der Bar des Alu-Hochhauses in Menziken einfanden. Genau deswegen wolle sie die Anwesenden über PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) informieren. Sie entwarnte gleich zu Beginn: «PFAS sind nicht per se gefährlich.» Die Chemikalien kämen in Bereichen zur Anwendung, in denen ihr Nutzen bei fachgerechter Verwendung gegeben sei.
Die menschengemachten Chemikalien seien aber trotzdem ein Problem. «Sie sind weit verbreitet.» Aber das Bewusstsein über die mögliche Schädlichkeit der PFAS sei seit den 70er-Jahren gestiegen. Inzwischen befinde man sich in einer Phase des Umdenkens, in der Alternativen gesucht und getestet werden. «Wenn wir den PFAS eine gewisse Zeit nicht ausgesetzt werden, erholen wir uns», betonte die Chemikerin.
In Lebensmitteln und dem Wasser werden die Ewigkeitschemikalien seit Jahren nachgewiesen. «Der Ursprung der PFAS liegt dabei immer in der Industrie.» Von dort aus gelange es über die produzierten Waren in den Lebensmittelkreislauf und in die Umwelt. Und wenn die PFAS in der Umwelt sind, landen sie über pflanzliche und tierische Lebensmittel wieder im Menschen, wo es zu möglichen Komplikationen für die Gesundheit kommen kann. «Wichtig ist aber, dass die gesundheitlichen Probleme nicht zwingend sind», erläuterte Miller.
Keine Höchstwertüberschreitungen im Wasser
In der Schweiz sei man mit Regelungen in Bezug auf PFAS vergleichsweise früh dran gewesen. «Bereits 2017 wurden in der Schweiz Höchstwerte für das Trinkwasser durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) eingeführt. In der EU war dies erst später der Fall, dafür wurden die Höchstwerte tiefer angesetzt. «Nun warten wir alle auf den Zeitpunkt, wo die Höchstwerte verschärft werden.» Dann hätte die Schweiz die gleichen Vorschriften wie die EU. In den Lebensmitteln wurden in der Schweiz 2024 Höchstwerte eingeführt.
«Aktuell laufen verschiedene Aktivitäten zu PFAS und in den vergangenen Jahren haben wir verschiedene Untersuchungen gemacht», führte Miller aus. So wurde das Trinkwasser 2023 auf 20 verschiedene PFAS untersucht. «Schweizweit wurden 564 Proben genommen. Keine einzige wies eine Höchstwertüberschreitung auf.» Würde man auf die genommenen Proben die EU-Höchstwerte anwenden, so seien lediglich fünf über den Höchstwerten. «Wir können also sagen, dass die PFAS-Belastung im Trinkwasser weniger schlimm ist als angenommen.» Im Jahr 2025 wurden Lebensmittel untersucht. Aus den 889 Proben gab es in sieben Fällen Überschreitungen des Grenzwertes. «Fünf davon waren in Rind, das aus St. Gallen kam. Es gab dort ganz klar einen Hotspot. Aus den Proben aus dem Aargau waren alle in Ordnung», entwarnte Olga Miller. Milch wurde im vergangenen Jahr ebenfalls untersucht, und hier gab es aus 276 Proben zwei, die PFAS enthielten. «Für Milch gibt es momentan noch keine Höchstwerte», führte die Kantonschemikerin aus.
Achtung bei Wildfischen
Anders sieht es bei Wildfischen aus. In diesem Jahr gab das aargauische Amt für Verbraucherschutz Empfehlungen für den Verzehr von Wildfischen heraus. Betroffen waren auch Fische aus dem Hallwilersee. «Wir haben 107 Proben genommen, nur eine davon wies keine PFAS aus. 30 Prozent der Proben überschritten die Höchstwerte», erklärte sie betrübt. Deswegen wurde der kommerzielle Fischfang von Hecht aus dem Hallwilersee bis auf Weiteres verboten. Zudem werde für Hecht und Egli aus dem See Verzehrseinschränkungen empfohlen.
Woher genau die PFAS im Hallwilersee kommen, wollte ein Anwesender wissen. «Es gibt verschiedene Optionen. Spannend ist, dass die aktuellen Wasserwerte wunderbar sind. Wir können die Frage nach der Ursache momentan nicht beantworten», meinte Olga Miller. «Generell müssen wir mit den Lösungen dort anfangen, wo die Ursache ist», betonte sie. Wenn man nur das Problem behandle, bringe das nichts. «Ein Umdenken ist nötig.»
Melanie Köchli


