Bei prächtigem Herbstwetter fand in Schlossrued ein Waldumgang statt, erstmals mit Leon Gsell, dem neuen Betriebsleiter des Forstbetriebes Suhrental Ruedertal sowie mit dem Versprechen, einem Holzrücken per Pferd zuschauen zu können. Diese beiden Programmpunkte schienen auf ...
Bei prächtigem Herbstwetter fand in Schlossrued ein Waldumgang statt, erstmals mit Leon Gsell, dem neuen Betriebsleiter des Forstbetriebes Suhrental Ruedertal sowie mit dem Versprechen, einem Holzrücken per Pferd zuschauen zu können. Diese beiden Programmpunkte schienen auf grosses Interesse zu stossen.
Erfrischend kurz war die Strecke, die die Schlossrueder Bevölkerung am vergangenen Samstag auf dem Waldumgang zurückzulegen hatten, zudem gab es kaum grosse Steigungen zu bewältigen. Trotzdem war es hoch interessant, mit den beiden Förstern Leon Gsell und Michael Jakob unterwegs zu sein. An den ersten beiden Posten orientierten die beiden über die Organisation des Forstbetriebes Suhrental Ruedertal, welchem insgesamt acht Gemeinden angeschlossen sind. Zu den Aufgaben rund um den Holzschlag und die Pflege des Waldes werden auch Drittarbeiten ausgeführt, und in den Bächen im ganzen Kanton wird, wo erforderlich, durch die Spezialisten des Forstbetriebes professionell abgefischt.
Der Forstbetrieb ist effizient strukturiert. Pro Jahr werden zwei bis drei Waldeinheiten intensiv bewirtschaftet. Das Galgenmoos, dort wo der Waldumgang stattfand, wurde in den Jahren 2024 und 2025 bearbeitet. Zum Teil wird hier das Holz auch mit Pferden aus dem Wald gezogen, mit Pferden gerückt, wie es im Fachjargon heisst.
Über einen bestimmten Teil dieses Galgenmooses referierte Leon Gsell besonders intensiv, denn hier stehen prächtige Kerle Bergahorn. «Dies ist meine Lieblingsecke im Schlossrueder Wald!», erklärte er. «Wer weiss, wenn alles gut läuft, kann ich in 20 bis 30 Jahren hier noch Holz ernten», dies sein Blick in die Zukunft und gleichzeitig die Feststellung, dass es im Wald mehr Geduld braucht als im übrigen Leben, denn die Bäume lassen sich Zeit beim Wachsen.
Klimawandel sichtbar
Waldbau und Klimawandel war das Thema am vierten Posten, nach der Rekordhitze mit 59 Hitzetagen. Der Durchschnitt lag bisher bei 14 Hitzetagen. Dazu kam viel zu wenig Regen. Insbesondere die Buchen leiden darunter, aber auch dem restlichen Wald sieht man den Wassermangel an. Im Galgenmoos ist das Ausmass noch relativ bescheiden, denn hier herrscht Mischwald. 20 verschiedene Baumarten hat Michael Jakob gezählt, ideal für das Klima, denn einige Baumarten kommen mit solchen Sommern ganz gut zurecht. Zudem herrscht Naturverjüngung vor. Die jungen Bäumchen gewöhnen sich sehr früh an die aktuellen Umstände.
Dann kam der Posten, den alle mit Ungeduld erwarteten: Das Holzrücken mit Ilton, einem 1000 Kilo schweren Percheron-Kaltblut, dem sanften, liebenswerten und freundlichen Riesen unter den Pferden. Seine Kraft ist enorm und etwa vergleichbar mit 14 Pferdestärken eines «normalen» 1 PS-Pferdes. Besitzer ist Michi Burgherr, früher in Zetzwil, heute in Gontenschwil beheimatet. Neben Ilton besitzt er ein weiteres Prachtsexemplar namens Sandro. Mit diesen beiden Pferden geht er auf Anfrage Holz rücken in der Region, daneben unternimmt er damit auch Kutschenfahrten. Das Holzrücken mit Pferden schont den Waldboden, und darauf legen Leon Gsell und sein Team grossen Wert. Rückegassen vermeiden sie, wenn immer möglich, auch wenn es mit modernen Mitteln schneller und vielleicht auch günstiger ginge.
Nach dieser eindrücklichen Demonstration ging es schnurstracks zum Brätliplatz Galgenmoos, wo einem gemütlichen Ausklang bei Wurst, Brot, Getränken und Dessert nichts im Wege stand.
Frieda Steffen