«Ich will den Bären zu neuem Leben erwecken»
01.10.2026 ReinachDer vor Jahren geschlossene «Bären» ist ein Stück Reinacher Geschichte. Seit vergangenem Jahr ist er in neuen Händen. Das traditionsreiche Gasthaus gehört heute Pierre Droigk und seinem Geschäftspartner Lazar Dordic. Schon in wenigen Wochen soll der ...
Der vor Jahren geschlossene «Bären» ist ein Stück Reinacher Geschichte. Seit vergangenem Jahr ist er in neuen Händen. Das traditionsreiche Gasthaus gehört heute Pierre Droigk und seinem Geschäftspartner Lazar Dordic. Schon in wenigen Wochen soll der Bären zu neuem Leben erweckt werden.
Wer in Reinach am «Bären» vorbeikommt, sieht zurzeit vor allem ein Baugerüst. Dahinter verbirgt sich ein Gebäude mit einer langen Geschichte. Nun beginnt für das traditionsreiche Haus ein neues Kapitel. Im vergangenen Jahr wechselte der «Bären» den Besitzer und gehört heute der Aurelian Properties Holding AG. Hinter der Gesellschaft stehen Pierre Droigk und Lazar Dordic.
Droigk ist in der Schweizer Wirtschaft kein Unbekannter. Als Gründer des Onlinehändlers Apfelkiste.ch baute er ein erfolgreiches Unternehmen auf, das kürzlich an Mobilezone verkauft wurde. Heute konzentriert sich Droigk unter anderem auf Immobilien und Beteiligungen. Mit der Aurelian Properties Holding AG ist er dabei auch im Wynental angekommen.
Was die neuen Eigentümer mit dem «Bären» verbindet, welche Pläne sie für das historische Gebäude haben und wie sie den Standort Reinach sehen, erzählt Pierre Droigk im Gespräch mit dem Wynentaler Blatt.
Wynentaler Blatt: Warum gerade der Bären? Wie sind Sie auf dieses Objekt gekommen?
Wir konnten den Bären im Juni 2025 von der Immora AG erwerben. Der Hinweis, dass dieses Gebäude zum Verkauf steht, ist über einen Kontakt aus unserem Netzwerk entstanden.
Was haben Sie bei der ersten Besichtigung vorgefunden?
Als wir den Bären das erste Mal besichtigt haben, war das Gebäude bereits teilweise entkernt. Damals konnte man sich nur mit viel Fantasie vorstellen, welches Potenzial in diesem Gebäude steckt.
Was hat Sie trotz der Probleme überzeugt?
Überzeugt hat uns die Lage und die lange Historie des Gebäudes. Der aufgerufene Preis hat eine grössere Investition begünstigt. Die Immora AG hatte bereits einen Grossteil der behördlichen Abklärungen erledigt, was einen schnellen Baustart ermöglichte.
Was ist heute der Stand der Arbeiten?
Kürzlich wurden die Fenster ersetzt. Im Anschluss starteten die Arbeiten an den Bädern sowie an den Oberflächen. Der gesamte Bären verfügt über eine Fussbodenheizung und dreifachverglaste Fenster. Zusätzlich wurde ein Lift eingebaut. Auch das Dach wurde bereits vollständig mit Biberschwanzziegeln erneuert. Auf Vorgabe des Kantons musste auch der nachträglich erstellte Anbau mit Biberschwanzziegeln eingedeckt werden, damit sich ein einheitliches Erscheinungsbild ergibt. Aufgrund des höheren Gewichts der Ziegel war hierfür eine zusätzliche Verstärkung der Dachkonstruktion erforderlich. Da ursprünglich teilweise eine andere Ausführung vorgesehen war, mussten zudem mehrere bereits gelieferte Paletten Ziegel zurückgegeben werden. Dies führte zu zusätzlichen Aufwendungen und belastete die Baukosten entsprechend. Das äussere Erscheinungsbild des Gebäudes ist nun jedoch einheitlich und fügt sich harmonisch in den historischen Charakter des Bären ein.
Wie viel wird investiert?
Hierzu möchte ich mich nicht äussern, natürlich mussten wir einen hohen Betrag bereitstellen. Es ist keine klassische Sanierung, sondern eine Restaurierung. Der Bären hat rund 1400 Quadratmeter, welche wir komplett erneuert haben.
Was soll aus dem Restaurant werden?
Wir haben mit einigen Interessenten gesprochen und stehen mit dem zukünftigen Restaurantbetreiber wohl kurz vor dem Abschluss. Die Fläche des Restaurants ist sehr gross, weshalb es jemanden braucht, der entsprechend investieren kann. Aber wenn Sie fragen, ob das Restaurant weiterhin Bestandteil des neuen Bären ist: Ja!
Was macht den Bären für einen Pächter attraktiv?
Die zentrale Lage, es hat direkt visà-vis einen grossen Parkplatz. Es fahren täglich rund 20’000 Fahrzeuge vorbei. Für einen geeigneten Gastronomen liegt hier eine grosse Chance, einen guten Betrieb aufzubauen, wir suchen einen langfristigen Mieter. Wir beteiligen uns auch am Innenausbau und geben Starthilfe. Zudem werden ab November/Dezember 20 Wohnungen vermietet.
Welche Rolle soll der Bären künftig in Reinach spielen?
Der Bären soll künftig wieder ein lebendiger und wichtiger Bestandteil von Reinach sein. Neben der Schaffung von zusätzlichem, zentral gelegenem Wohnraum, der sich aufgrund der Lage und des vorhandenen Lifts auch sehr gut für ältere Menschen eignet, soll insbesondere die Gastronomie zur Belebung des Ortes beitragen. Das Restaurant mit Bar soll sowohl über Mittag als auch am Abend einen attraktiven Treffpunkt für die Menschen aus Reinach und der Umgebung schaffen – einen Ort für Begegnungen, gemeinsames Essen und gemütliches Verweilen. Damit soll der Bären nicht nur als historisches Gebäude erhalten bleiben, sondern wieder zu einem Ort werden, an dem Menschen zusammenkommen und der aktiv zum gesellschaftlichen Leben in Reinach beiträgt.
Warum beschäftigen Sie als Unternehmer sich nach dem Verkauf von Apfelkiste mit einem solchen Projekt?
Ich liebe neue Herausforderungen und vor allem Projekte, bei denen ich selbst wieder etwas Neues lernen kann. Immobilien und insbesondere die Entwicklung eines historischen Gebäudes wie des Bären sind für mich ein spannendes neues Feld. Gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Lazar Dordic bauen wir derzeit die Aurelian Properties Holding AG auf und unser Immobilienportfolio wächst ziemlich rasant. Beim Bären muss ich allerdings auch sagen, dass mein Geschäftspartner deutlich mehr Zeit und Arbeit in das Projekt investiert hat als ich. Gleichzeitig bin ich nach wie vor bei Apfelkiste beziehungsweise Mobilezone tätig. Für mich ist der Bären deshalb kein klassischer Neustart nach dem Verkauf von Apfelkiste, sondern vielmehr eine zusätzliche unternehmerische Herausforderung, die mir die Möglichkeit gibt, mich mit neuen Themen auseinanderzusetzen und dazuzulernen.
Ihr persönlicher Bezug zum Bären?
Ich bin grundsätzlich kein Mensch, der besonders an materiellen Dingen hängt. Viel mehr bedeutet es mir, gemeinsam mit unserem Team etwas zu schaffen und ein Gebäude wie den Bären wieder zu neuem Leben zu erwecken. Wir beschäftigen uns nun seit rund 16 Monaten intensiv mit diesem Projekt und haben in dieser Zeit viel Arbeit und Energie investiert. Wenn am Ende das Restaurant eröffnet ist, die Wohnungen vermietet sind und wieder Leben im Bären herrscht, werde ich vor allem stolz darauf sein, was wir gemeinsam erreicht haben. Für mich ist deshalb weniger das Gebäude an sich entscheidend, sondern das, was wir daraus gemacht haben.
Wann kann man wieder im Bären einkehren?
Ich hoffe im ersten Quartal 2027. Ich bin immer ambitioniert, was die Timeline angeht.
Interview: Roland Marti



