Herausforderung bewältigt
06.08.2026 Region, Suhren-/Rueder-/UerkentalDas Team «Suhrental» trotzt Wetter und Grenzen. Am Ende steht ein 7. Rang am Eiger Ultra Trail E250 in 50 Stunden 26 Minuten über 206 Kilometer und unzählige Emotionen zu Buche.
Das Abenteuer Eiger Ultra Trail E250 bleibt ein unvergessliches Erlebnis. ...
Das Team «Suhrental» trotzt Wetter und Grenzen. Am Ende steht ein 7. Rang am Eiger Ultra Trail E250 in 50 Stunden 26 Minuten über 206 Kilometer und unzählige Emotionen zu Buche.
Das Abenteuer Eiger Ultra Trail E250 bleibt ein unvergessliches Erlebnis. Eigentlich sollte er über 261 Kilometer und knapp 18'000 Höhenmeter gehen. Durch ungünstige Wetterprognosen musste die Strecke zweimal angepasst werden. Bei monatelanger Vorbereitung auf die Originalstrecke machte sich zunächst Enttäuschung bei Fabian Hauri und Lukas Morgenthaler breit. Die auf rund 206 Kilometer verkürzte Distanz mit Spitzkehren und Richtungswechseln zeigte eindrücklich, welche Dimension das alpine Gelände bereithielt. Im Ziel wiesen ihre GPS-Uhren 211 Kilometer mit 11'500 überwundenen Höhenmetern aus.
Alfred Weigel
Der Startschuss fiel um 3 Uhr morgens in Kandersteg. Der Auftakt gelang perfekt, nach 17 Kilometern und 1'650 überwundenen Höhenmetern 2 Stunden und 46 Minuten erreichten sie, den Lötschenpass, den höchsten Punkt des ersten Abschnitts. In Jeizinen nahm das Supportteam die Beiden in Empfang. Aufgrund eines Bahnausfalls fuhr es mit dem Auto hoch. Der Abstieg nach Gampel verlief so schnell, dass die Betreuer die Ankunft beinahe verschlafen hätten. Entlang der historischen Südrampe Richtung Finnen war der Weg nie extrem steil, doch die hohen Temperaturen von über 30 Grad, die pralle Mittagssonne und die absolvierten Kilometer machten diesen Abschnitt zur ersten Kraftprobe. Angekommen wartete frisches Raclette und selbstgebackener Kuchen, verbunden mit einem herzlichen Empfang der Einheimischen. Im Bärgbeizli «Rarnerchumma» hatten sie nochmals Kontakt zu den Supportern bevor es weiterging. Ein Regenschauer sorgte für angenehme Abkühlung. Mit 44 Kilometern und 2'700 Höhenmetern lag ab Belalp ein «Nachtmarathon» vor dem Suhrentaler Team. Die Strategie, konservativ die nächtliche Herausforderung anzugehen, zahlte sich aus.
Unerwarteter Unterbruch
Mit konstanter, aber ambitionierter Renneinteilung behaupteten sich Fabian Hauri und Lukas Morgenthaler in den Top 15. Die Konstanz war ein stiller, aber zuverlässiger Wegbegleiter und Erfolgsgarant. Stündlich Energie zuführen, Salztabletten, regelmässiges Trinken und Nahrungsaufnahme an jeder Life Base entwickelten sich als zielführend, ohne dabei in Hektik zu geraten oder Zeit liegen zu lassen. Das Betreuungsteam leistete fürsorgliche Arbeit. Ersatzkleidung, Verpflegung, geladene Akkus und Material lagen wie bei einem Formel-1-Boxenstopp bereit. Ein Stopp dauerte nie länger als 20 Minuten. Zwischen der Riederalp und der Fiescheralp änderte sich die Situation schlagartig. Starkregen, Dunkelheit, Kälte und heftige Gewitter machten das Schalten in den «Überlebensmodus» notwendig. Geschwindigkeit spielte keine Rolle mehr. Konzentriert Navigieren, sichere Entscheidungen treffen und als Team funktionieren war angesagt. Oft genügte ein blöder Spruch oder gemeinsames Lachen zur Motivation, um neue Hoffnung zu schöpfen.
Gegen zwei Uhr morgens klingelte das Telefon. Die Rennleitung informierte, dass das Rennen aus Sicherheitsgründen zu unterbrechen sei und im Hotel Alpina auf der Fiescheralp Schutz gesucht werden müsste. Nach und nach füllte sich der Vorraum des Hotels. Fünf Teams warteten gemeinsam auf bessere Bedingungen. Komplett durchnässt und frierend schliefen die «Suhrentaler» eine Stunde mit Zeitungen als Unterlage auf dem Plattenboden. Um fünf Uhr morgens erteilte die Rennleitung die Freigabe. In erbärmlichen Zustand ging es hinauf auf 2'300 Meter zum Märjelensee, bevor der Abstieg nach Bellwald begann, wo sie das Team mit trockener Kleidung, Schuhen und einer warmen Suppe empfing. In solchen Momenten zeigte sich, wie wertvoll gegenseitiges Vertrauen und Teamarbeit sind. Kaum der Kälte entronnen, folgte bis Oberwald bei 30 Grad mit einem sonnenexponierten Südhang die nächste Herausforderung. Nach der nassen und kalten Nacht war dies körperlich wie mental stark belastend. Mit guter Verpflegung kehrte jedoch Fitness und Motivation zurück. Den Aufstieg von rund 1'000 Höhenmetern zum Grimselpass absolvierten sie in weniger als zwei Stunden. Nachdem sie zwei Teams überholten, verbesserten sie sich vom achten auf den sechsten Rang. In Guttannen schien das Ziel greifbar nah, noch rund 34 Kilometer und 1'500 Höhenmeter trennten sie von Grindelwald. Die letzten Reserven mobilisierend stand der lange Anstieg zur Grossen Scheidegg bevor. Erneut zeigte das Wetter sich von seiner unangenehmen Seite. Drei Stunden kämpften sie sich durch Regen, Kälte und Dunkelheit den Berg hinauf.
Berauschender Empfang
Auf der Schwarzwaldalp überholte sie ein anderes Team. An einen Konter war nicht zu denken, der Tank war leer. Auf den letzten zehn Kilometern bergab nach Grindelwald kamen Läuferinnen und Läufer des E101 Ultratrails entgegen, feuerten sie an und sorgten für den letzten Motivationsschub. Mit Fanshirts, Fahnen, Plakaten und tosendem Applaus empfingen beim Zieleinlauf Freunde und treue Fans die Suhrentaler als bestklassiertes Team in ausschliesslich Schweizer Besetzung als Lohn für Monate der intensiven Vorbereitung. «In fünfzig Stunden spricht man weniger, als die meisten erwarten, die meiste Zeit herrschte Schweigen», so die beiden erfolgreichen Ultratrailer. Steinige Wege, Navigation, Wetter und Müdigkeit verlangen höchste Konzentration. Humorvolle Wortwechsel halfen, schwierige Momente zu überwinden und die positive Stimmung aufrechtzuerhalten.
Ohne Unterstützung kein Erfolg
Ein riesiges Dankeschön galt dem Supportteam, bestehend aus Carmen Müller, Helen Morgenthaler, Nadia Bucher, Jasmin, Lian, Markus und Tom Hauri sowie der Familie Hunziker für die Gastfreundschaft während des Rennens. Am Ende bleibt weit mehr als ein hervorragender 7. Rang. Es bleiben Erinnerungen an unzählige gemeinsame Trainingsstunden, an Sonne und Regen, Hitze und Gewitter, stille Momente und gemeinsames Lachen sowie an ein Supportteam, das während zwei Tagen und zwei Nächten jeden Wunsch von den Augen der Extremsportler ablas. «Grenzen sind nicht da, um sie zu akzeptieren, sondern um sie zu verschieben, das macht den Eiger Ultratrail unvergesslich», Fabian Hauri und Lukas Morgenthaler sind sich darin absolut einig.




