«Gemeinsames Ziel war, das Licht nicht zu löschen»
10.09.2026 MenzikenAb 1. November übernimmt das Luzerner Kantonsspital (LUKS) Teile des bisherigen Angebots am Spital Menziken. Yvonne Neff, Standortleiterin des LUKS Sursee und selbst im Wynental wohnhaft, erklärt, wie es zur Zusammenarbeit kam, was künftig angeboten wird und weshalb sie ...
Ab 1. November übernimmt das Luzerner Kantonsspital (LUKS) Teile des bisherigen Angebots am Spital Menziken. Yvonne Neff, Standortleiterin des LUKS Sursee und selbst im Wynental wohnhaft, erklärt, wie es zur Zusammenarbeit kam, was künftig angeboten wird und weshalb sie beim Rettungsdienst Entwarnung gibt.
Yvonne Neff, Sie selbst wohnen im Wynental. Ist das für Ihre Rolle ein Vorteil?
Für mich ist wichtig, nicht einfach von aussen zu kommen. Ich wohne in Zetzwil und habe 18 Jahre in der Asana-Gruppe gearbeitet. Mir sind die Region, das Spital Menziken und dessen Mitarbeitende bekannt. Ich bin zudem ein Teil dieser Bevölkerung, für die sich das Angebot verändert.
Wie kam es überhaupt zur Zusammenarbeit zwischen dem Spital Menziken und dem LUKS?
Der Erstkontakt war vor gut einem Jahr. Damals gab es einen Chefarztwechsel in der Chirurgie. Für ein Spital wie Menziken mit einem kleinen Leistungsangebot ist es schwierig, einen qualifizierten Chefarzt zu finden. Für jemanden, der aus einem grossen Haus kommt, kann ein solches Umfeld nicht mehr das gleiche Spektrum bieten. Ich bin dann eher durch Zufall auf Thomas Staub zugegangen. Ich kenne ihn aus meiner Zeit bei der Asana-Gruppe und habe gefragt: «Wie wäre eine Zusammenarbeit zwischen Asana und dem LUKS?» Ich rannte offene Türen ein. So hat sich relativ schnell die Kooperation in der Chirurgie ergeben, die im Juni 2025 gestartet hat. Unser Chefarzt Alessandro Wildisen hat in Menziken Sprechstunden gemacht, operiert und mit dem Team zusammengearbeitet. Wir hatten das Gefühl, wir können die Chirurgie stabilisieren. Die Zahlen konnten wir auf einem tiefen Niveau halten, aber nicht steigern.
Wie ging es weiter?
Im November 2025 haben wir in Menziken mit einer Sprechstunde für Gynäkologie und Schwangerschaftskontrollen begonnen. Die Region ist unterversorgt, es gibt fast keine Gynäkologen. Die Entwicklung der Zahlen dieser Sprechstunde hat unsere Erwartungen übertroffen, im ersten Quartal kam eine erneute Anfrage aus Menziken. Man sah, dass die wirtschaftliche Situation nicht mehr lange tragbar sein kann. Das gemeinsame Ziel aller war, dass das Licht nicht erlischt. Darum hat es auch so pressiert. Es braucht eine nahtlose Versorgung für die Region – Rettungsdienst, Notfallpraxis und die ambulanten Angebote.
Was wird ab dem 1. November konkret weitergeführt?
Das, was damals kommuniziert worden ist. Das Akutspital Menziken schliesst per Ende Oktober. Falkenstein führt die Langzeitpflege, die Physiotherapie und gewisse gastronomische Angebote weiter. Das LUKS übernimmt das Ambulatorium, die Notfallpraxis, die Hausarztpraxis und den Rettungsdienst.
In der Hausarztpraxis hat sich einer der Hausärzte entschieden, an einem anderen Ort zu praktizieren. Die Öffnungszeiten bleiben aber gleich.
Auch beim Notfall gibt es bereits eine Veränderung.
Ja. Vorgesehen war, dass der Notfall bis Ende Oktober normal weiterläuft. Aus personellen Gründen musste das Spital Menziken den Nachtdienst bereits ab September reduzieren. Ab dem 1. November ist das LUKS für die Notfallpraxis verantwortlich. Diese wird täglich von 8 bis 17 Uhr und auch am Wochenende und an Feiertagen geöffnet haben. Wichtig ist: Das ist keine Notfallstation, wie sie bisher bestanden hat. Wir bieten das Gleiche wie eine Hausarztpraxis – ein Basisröntgen und ein kleines Labor, aber beispielsweise keine CT-Abklärungen. Das ist wahrscheinlich die grösste Veränderung für die Bevölkerung. Auch die Hausärzte werden niemanden mehr für eine weitere Abklärung dorthin schicken können, wie das bis jetzt möglich war. Darum informieren wir die Hausärzte der Region auch darüber, was sie ab dem 1. November erwarten können – und was nicht vor Ort, aber in Sursee angeboten wird.
Viele Menschen fragen sich, ob der Notfall in Sursee dadurch stärker belastet wird.
Das haben wir uns auch gefragt. Als wir gehört haben, dass Menziken wegen Personalmangels den Notfall nachts schliesst, habe ich mir Zahlen geben lassen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres gab es in Menziken zwischen 22 und 7 Uhr durchschnittlich drei Patientenkontakte pro Nacht. Natürlich sagt das noch nichts darüber aus, wie viel Aufwand ein Patient verursacht oder wie viele Ressourcen er braucht. Aber zum Vergleich: Wir haben in Sursee aktuell rund 60 Patienten pro 24 Stunden im Notfall und 17 Behandlungsplätze. Wir haben den Notfall erst vor kurzer Zeit räumlich und personell erweitert. Es gibt immer weniger Hausärzte, und damit auch Menschen, die keinen Hausarzt mehr haben und deshalb auf den Notfall gehen.
Wie aufwendig ist es, den Betrieb innerhalb weniger Wochen zu übernehmen?
Ein Spital ist ein komplexes Gebilde mit IT, Logistik, Pharmazie und vielem mehr. Das Projekt ist anspruchsvoll, aber wir sind daran. Ich glaube, die Botschaft ist: Es nimmt jetzt Konturen an.
Wir installieren IT-Systeme, unsere Logistik wird angebunden und auch die Pharmazie muss organisiert werden. Das alles, während Teile des Betriebs nahtlos weiterlaufen. Wir arbeiten deshalb eng mit den bleibenden Mitarbeitenden zusammen, beispielsweise im Ambulatorium. Auch mit dem Spitalverein als Vermieter und mit dem Falkenstein stehen wir in engem Kontakt.
Welche ambulanten Angebote wird das LUKS in Menziken anbieten?
Es wird Sprechstunden in verschiedensten Fachrichtungen geben, wobei wir uns mit den niedergelassenen Ärzten abstimmen wollen. Ein wichtiger Punkt ist, dass etablierte Ärzte aus Menziken oder Reinach ihre Patienten weiterhin betreuen und am LUKS Sursee als Belegärzte tätig sein können. Sie können künftig zwar nicht mehr in Menziken operieren, aber die Patienten können weiterhin zu ihnen in die Abklärung und Nachsorge gehen.
Ist das nicht genau der Punkt, den viele Menschen als Verlust empfinden?
Es verändert sich etwas. Aber schlussendlich muss die Qualität der Treiber sein und nicht, wo es stattfindet. Die Medizin wird immer spezialisierter. Die Chirurgen, die vom Ohr bis zum Fuss alles machen, gibt es nicht mehr. Deshalb braucht es auch viel mehr verschiedene Fachpersonen. Das können wir im LUKS aufgrund unserer Grösse bieten.
Wie sieht es mit dem Personal aus?
Im Ambulatorium werden wir die Mitarbeitenden übernehmen. Die Ärzte kommen künftig aus dem LUKS. Die Hausarztpraxis geht mit dem bisherigen Team weiter, mit Ausnahme der erwähnten personellen Veränderung. Beim Rettungsdienst ist bekannt, dass ein Grossteil der Mitarbeitenden sich entschieden hat, nicht zum LUKS überzugehen. Sie wechseln zum Rettungsdienst Neeser, der auf den 1. November neben seinem Standort in Wohlen einen zusätzlichen Standort in Seengen eröffnet (siehe Wynentaler Blatt vom 27. August 2026, Seite 3). Hier kann ich aber sagen, der Rettungsdienst in Menziken ist sichergestellt. Wir haben genügend Mitarbeitende und die November-Dienstpläne sind gemacht.
Was bedeutet das für die Bevölkerung?
Wir können Entwarnung geben, was das Gefühl einer Verschlechterung betrifft: Die rettungsdienstliche Versorgung ist am Tag gleich und in der Nacht sogar besser.Es gibt dann zwei Standorte beziehungsweise zwei Stützpunkte mit zwei Fahrzeugen in dieser Region.
Wie funktioniert die Alarmierung künftig?
Die Disposition bleibt genau gleich. Die Sanitätsnotrufzentrale Aarau bietet das LUKS-Fahrzeug am Standort Menziken wie bisher auf. Wenn dieses unterwegs ist, kommt einfach das nächste Fahrzeug, das in der Nähe ist, wie bisher.
Das LUKS hat insgesamt 14 Ambulanzen, zwei Notarztfahrzeuge und zehn Spezialfahrzeuge sowie rund 160 Mitarbeitende. Das ist ein ganz anderes Volumen. Wenn einmal jemand fehlt, hat man einen viel grösseren Pool zum Aushelfen, Einspringen und Rotieren. Die bisherigen Fahrzeuge aus Menziken werden zunächst an den LUKS-Standard angepasst und dann in den Fahrzeugpark integriert. Sie sind nicht fix einem Standort oder einem Team zugeordnet.
Was ist Ihnen im Hinblick auf den 1. November besonders wichtig?
Bezüglich des Rettungsdienstes können wir Sicherheit vermitteln. Ich glaube, das ist das Thema, das die Bevölkerung am meisten beschäftigt. Die Versorgung ist gewährleistet. Gleichzeitig sagen wir ehrlich, dass das LUKS das bisherige Angebot nicht eins zu eins zu übernehmen wird. Wir sind aber überzeugt, dass das, was wir planen, langfristig tragfähig ist und der Bevölkerung vor Ort auch in Zukunft ein gutes Gesundheitsangebot bietet.
Interview: Roland Marti

