Fast alles ist authentisch
21.05.2026 UnterkulmVom 13. bis 16. Mai wurde der Wannenhof in Unterkulm erneut zur Westernstadt. Mehrere Tausend Cowboys, Cowgirls, Sheriffs, Handwerker und viele mehr bevölkerten während vier Tagen Longhorn Hill. Für sie alle war das Lagerfeuer mitten in der Stadt ein beliebter ...
Vom 13. bis 16. Mai wurde der Wannenhof in Unterkulm erneut zur Westernstadt. Mehrere Tausend Cowboys, Cowgirls, Sheriffs, Handwerker und viele mehr bevölkerten während vier Tagen Longhorn Hill. Für sie alle war das Lagerfeuer mitten in der Stadt ein beliebter Treffpunkt.
Wer die letzten Meter von Unterkulm zum Wannenhof hinaufmarschierte, entdeckte nicht nur die auffällige Westernstadt, die nach 2024 schon zum zweiten Mal hier errichtet wurde, sondern auch den vollbesetzten Parkplatz. Offensichtlich waren nicht alle Reenactors – Menschen, die Geschichte erlebbar machen, indem sie historische Figuren möglichst authentisch nachstellen – stilecht per Pferd oder mit Ross und Wagen nach Unterkulm gekommen. Wer aber kurz darauf ins Städtchen Longhorn Hill eintrat, staunte, was die gut 40 Mitglieder des Vereins Old West in den vergangenen Wochen in Hunderten Stunden Fronarbeit aufgebaut haben.
Das grösste Fest dieser Art schweizweit
Paddy Zeltner und Erika Linder führen den Verein Old West Unterkulm im Co-Präsidium. Zeltner war schon beim ersten Event im Jahr 2008 als Helfer dabei. Die diesjährige 9. Auflage war die erste unter diesem Präsidium. «Das Old West ist das grösste Westerndorf-Event der Schweiz. Insgesamt gibt es etwa eine Handvoll solcher Anlässe pro Jahr. Einzigartig bei uns ist aber, dass wir nicht reine Fassaden aufbauen. Wenn vorne ’Saloon’ drauf steht, dann ist auch ein solcher drin», sagt Zeltner stolz.
Eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert
Tatsächlich findet man in Longhorn Hill, benannt nach den Langhornrindern, die sich hier in einem Gehege tummeln, einen Undertaker mit Mustersarg auf der Veranda und Werkbank im Innenraum. Im Barber Shop warten zwei Stühle und der Barber auf Kundschaft. Beim Blacksmith wird tatsächlich Eisen in der Esse erhitzt und danach mit Hammer und Amboss geschmiedet. Verschiedene Stores bieten Western Wear an, hier findet jeder unbehütete Cowboy einen passenden Hut in seiner Preisklasse. Beim Photographer bietet ein Duo aus der Zentralschweiz Nassplattenfotos an. Die Apparatur ist aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das Stativ und die LED-Strahler sind moderneren Datums. Und im General Store gibt’s Süssigkeiten, Tee, Unterwäsche, Wäschestampfer, Waschbrett und Hufnägel … was man halt fürs tägliche Leben im gar nicht so Wilden Westen braucht. Hinterm Tresen stehen Yvonne Zeltner und ihr Mann Paddy, beide in passender Kleidung. «So ähnlich laufe ich auch im ’realen’ Leben herum», sagt Paddy Zeltner, der einige Zeit in den Staaten lebte und mitunter als Cowboy arbeitete. «Für mich ist das hier kein Hobby, es ist eine Philosophie.»
Das scheint er mit vielen Reenactors gemeinsam zu haben. Einige kommen von weiter her, besuchen fast jedes Wochenende irgendwo in Europa einen Western-Event und schlüpfen in ihre Rollen. Für die meisten steht die Teilnahme am zweijährlich stattfindenden Old West in Unterkulm jeweils fett in der Agenda.
Reenactors trotzten dem Wetter
Die passionierten Reenactors kommen in jedem Fall, auch bei Regen, Kälte oder gar Hagel. Die weniger ambitionierten Gelegenheits-Besucher liessen sich hingegen vom nicht idealen Wetter der letzten Woche etwas abschrecken. Deshalb schätzte Präsident Zeltner am Samstagnachmittag, dass man den Besucherrekord vom Jahr 2024 wohl nicht knacken werde. Wer aber dem Wetter trotzte und einen Abstecher nach Longhorn Hill wagte, hat nebst Lagerfeuerromantik und Karl-May-Feeling sicher einige weitere tolle Eindrücke aus dem Alten Westen gewonnen.
Roland Marti










