Es knatterten die Motoren und strahlten die Gesichter
13.08.2026 Seetal, Beinwil am SeeSelbst wer den Weg als Ortsfremder nicht kannte, am Kreisel in die Häsigasse eingebogen, konnte man nichts mehr falsch machen. Sie waren überall die Zweitakt-Fans. Die einen waren für die Teilnahme an der Zwei-Seen-Rundfahrt angereist. Die anderen waren gekommen, um in ...
Selbst wer den Weg als Ortsfremder nicht kannte, am Kreisel in die Häsigasse eingebogen, konnte man nichts mehr falsch machen. Sie waren überall die Zweitakt-Fans. Die einen waren für die Teilnahme an der Zwei-Seen-Rundfahrt angereist. Die anderen waren gekommen, um in gemütlicher Stimmung Schmuckstücke zu bestaunen.
Für den sechsjährigen Livio ist klar, dass er Töfflifahrer wird, sobald er alt genug ist. Sein Vater, der an der Zwei-Seen-Rundfahrt dabei sein wird, ist sein Vorbild. «Er hat eine ganze Garage voll.» Aber auch Enkel können Motivation sein. «Sie fahren schon eine Weile Töffli und als klar war, dass sie hier mitfahren, habe ich gesagt: De Grosspapi chunnt au mit», erzählt Res Mäder. Er verkauft seine grosse «Maschine», ersteht ein Pony GTX. «Wieder zurück zum Teenager.» Res Mäder lacht. Denn die Erinnerungen ans erste Töffli sind allesamt gut. «Es war ein Stück Freiheit. Selbstständig zum Ausbildungsplatz- und das ohne Zug. Mit Freunden unterwegs. Es ist ein Teil Lebensgeschichte.»
Die Töffli stehen bereit
Auch für Peter Bill spielen Töffli seit seiner Jugend eine wichtige Rolle. Der pensionierte Schreiner hat parallel zum Brotberuf in seiner kleinen Werkstatt gearbeitet. Jetzt muss er das vorhandene Material reduzieren und so suchen mehrere Originalmotoren auf der Auslage neue Besitzer. Für Dario hat der Spaziergang über den Gemeindehausplatz viel mit Vorfreude zu tun. In ein paar Monaten ist er 14 Jahre alt und darf sein Puch Maxi auf die Strasse bringen. Die Vorliebe für die meist zuverlässige Marke hat er aber nicht vom Vater. «Bei mir wars ein Piaggio», erinnert er sich mit einem Schmunzeln.
Lesbare Begeisterung
Während «Grannys Cheesecake» für musikalische Stimmung sorgen, stärken sich Benno Roth und seine Kollegen im Schatten eines Baumes. Er ist schon zum fünften Mal in Böju dabei. «Aber ich fahre auf allen schönen Strecken, pro Jahr ergibt das zwischen vier- und fünftausend Kilometer.» Die Begeisterung steht ihm ins Gesicht und aufs T-Shirt geschrieben: «Du bist nie zu alt zum Fahren – Du wirst alt, wenn Du aufhörst.»
Kurz nach 12 Uhr sind die über 400 Goody-Bags an die Fahrerinnen und Fahrer vergeben. «Da sich aber niemand anmelden muss, werden wahrscheinlich noch einige mehr um die Seen kurven», verrät Brigitte Müller, Präsidentin der Seckuropfer. Der Verein gestaltet die Organisation möglichst einfach. «Wir sind ein eingespieltes Team.» Nur so lasse sich die Infrastruktur an einem Samstag mit zehn Leuten aufbauen. «Und auf keinen Fall zu vergessen mit der Unterstützung der Gemeinde. Der Platz, die Toiletten in der alten Turnhalle und und und. Sie machen das Töffliträffe für uns möglich.» Noch ist es nicht 13 Uhr. Aber Pädu Gut und Brigitte Müller haben auf der Bühne die organisatorischen Details der Reise bekanntgegeben – dem Vorfreude-Motorengeknatter steht nichts im Wege. Die Glocke des Kirchturms ist kaum zu hören, die Abgase verändern das Klima in der Häsigasse zeitweise. Aber das stört weder Fahrer noch Publikum. 13.13 Uhr – endlich, Pädu fährt vorneweg – Oldtimer, Nachwuchs und neugestaltete Schönheiten erobern die Aarauerstrasse Richtung Seengen. Und wer auf dem Trottoir plötzlich den Geruch von Erdbeeren wahrnimmt, hat keine Halluzinationen. Manche Experten, die ihren Kraftstoff selber mischen, nutzen nämlich Zweitakt-Öl mit Duftstoffen. Ob rund um die Seen oder vor Ort in Böju – der Töffliträff der Seckuropfer ist eine taktvolle Entdeckungsreise.
Graziella Jämsä







