«Es ist für unsere Region eine Katastrophe»
02.07.2026 MenzikenDie Teilschliessung des Asana Spitals Menziken löste Reaktionen aus und wirft viele Fragen über die Zukunft der Gesundheitsversorgung im Wynental auf. Das Wynentaler Blatt hat Lokalpolitikerinnen und Lokalpolitikern zugehört.
Es ist vor allem Bedauern, ...
Die Teilschliessung des Asana Spitals Menziken löste Reaktionen aus und wirft viele Fragen über die Zukunft der Gesundheitsversorgung im Wynental auf. Das Wynentaler Blatt hat Lokalpolitikerinnen und Lokalpolitikern zugehört.
Es ist vor allem Bedauern, welches aus den Reaktionen der Politikerinnen und Politiker hervorgeht, aber auch das Unerwartete des Entscheids, Teile des Spitals Menziken zu schliessen. So Ursula Friederich, Gemeindeammann von Menziken: «Die Mitteilung hat mich sehr überrascht. Zwar war die schwierige Situation des Spitals Menziken und der damit verbundene Handlungsbedarf seit Längerem erkennbar, mit diesem Entscheid zum jetzigen Zeitpunkt habe ich jedoch nicht gerechnet.» Der Gemeinderat selbst habe 2 Stunden vor der Mitarbeiterorientierung davon erfahren. «Es haben schon länger Vorzeichen bestanden, dass sich eine Veränderung abzeichnet. Dennoch kam die Meldung auch für mich überraschend», sagt Jules Giger, Gemeindeammann von Reinach auf Anfrage. Die ehemalige Grossrätin Karin Faes hingegen sah die Schliessung des Akutspitals kommen: «In den letzten Jahren habe ich gesehen, wie mit sehr viel Engagement um Lösungen für den Erhalt gekämpft worden ist. Dafür gebührt der Leitung und allen Mitarbeitenden unser Respekt und Dank. Dass es dennoch nicht gelungen ist und nun viele Kündigungen ausgesprochen werden mussten, macht mich betroffen.»
Für Grossrat Adrian Meier steht das Mitgefühl mit den Angestellten im Vordergrund: «Ich hoffe sehr, dass für alle der 150 Personen eine gute und zeitnahe Anschlusslösung gefunden wird.» Dies ist eine Hoffnung, die geteilt wird. «Auch ich bedaure ausserordentlich, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Das heisst, wir brauchen aufgrund der demografischen Entwicklung in den nächsten Jahren in verschiedenen Bereichen kompetente Fachkräfte», erklärt Renate Gautschy, Gemeindeammann von Gontenschwil «Das Oberwynental verliert dadurch weiter an wirtschaftlicher Stärke und Attraktivität», erklärte Anton Bättig, Präsident der Menziker Ortspartei Die Mitte. Hans-Heinrich Leuzinger, Präsident der SVP Menziken-Burg, äussert sich noch deutlicher: «Die Schliessung des Spitals Menziken ist für unsere Region eine Katastrophe. Als einer der grössten Arbeitgeber der Region hinterlässt das Spital eine Lücke, die weitreichende Folgen haben wird.»
Keine Finanzhilfe
Michel Hassler, Leiter Kommunikation des Departements Gesundheit und Soziales (DGS) des Kantons betont, dass man alles getan habe, um den Verwaltungsrat zu unterstützen. «Alle Spitäler müssen selbsttragend sein und sich selbst finanzieren (inkl. Bauprojekte). Für Finanzhilfen besteht keine gesetzliche Grundlage. Eine Ausnahme liegt nur vor, wenn eine Systemrelevanz für die Versorgung besteht, wie es bei der Kantonsspital Aarau AG der Fall war.» Auch den Verlust von rund 150 Arbeitsplätzen spricht er an: «Das LUKS und die Falkenstein Asana AG übernehmen je einen Teil der Mitarbeitenden. Für die Lernenden hat das ASM Nachfolgelösungen gefunden. Gesundheitspersonal ist grundsätzlich gesucht. Dennoch stellt der Verlust der Arbeitsstelle einen Einschnitt dar und löst Unsicherheit aus.»
Lösungsansätze und Chancen
Die Politikerinnen und Politiker haben Lösungsvorschläge, um die durch die Teilschliessung entstehende Lücke zu schliessen oder wenigstens zu verkleinern. Ursula Friederich: «Die Gemeinden haben den Auftrag, bis 2030 Versorgungsregionen zu bilden. Da sind wir bereits mit AargauSüd Regio intensiv dran. Dabei werden Aufgaben entstehen, bei denen wir durchaus eine grosse Chance für das Spital sehen.» Alfred Merz, Präsident SP Menziken und ehemaliges Mitglied der Gesundheitskommission des Grossen Rats äusserte sich ebenfalls: «Es muss geprüft werden, ob ein kleineres, vernetztes Akutspitalmodell möglich ist, mit reduzierter Bettenzahl, klarer Anbindung an ein Zentrumsspital und starker ambulanter Versorgung. Damit könnten die weniger komplexen Fälle in der Region und vor der Haustüre behandelt werden, statt dass sie ins teurere Zentrumsspital transportiert werden müssten.»
Grossrätin Lucia Lanz ist bereits aktiv an der Arbeit, um Lösungsoptionen zu finden. «Wir arbeiten an einer überparteilichen Motion und wollen den Regierungsrat beauftragen, die rechtlichen, planerischen und finanziellen Rahmenbedingungen für die Regionalspitäler verbindlich auszuarbeiten. Darin können andere Grundlagen geschaffen werden, um beispielsweise ein attraktives, ambulantes Spitalsetting in Kooperation mit dem KSA entwickeln zu können.»
Die Verantwortung des Kantons
Weiter ist die Frage nach der Verantwortung des Kantons gegenüber der Region mehrfach Thema. So fragt sich Jacqueline Widmer, Vizeammann von Beinwil am See: «Was mich sehr erstaunt ist, dass ein ausserkantonaler Dienstleister Angebote übernimmt. Da stellt sich mir die Frage, ob der Kanton Aargau die Verantwortung für unsere Region genügend wahrnimmt.» Auch Grossrat Severin Lüscher zeigt sich überrascht und schockiert: «Das wird die Politik aufarbeiten müssen, es müssen Fragen gestellt werden.» Lucia Lanz findet klare Worte: «Der Regierungsrat negiert die Verantwortung aus dem Entwicklungsleitbild für den Kanton Aargau, indem er unsere Region verhökert und damit gegen das Entwicklungsleitbild verstösst.»
Neben den Politikerinnen und Politikern gab es auch auf den Sozialen Medien zahlreiche Reaktionen. «Sehr schade, nicht mehr in der Nähe vom Zuhause versorgt werden zu können», schreibt eine Frau beispielsweise auf Facebook. Eine andere Person kritisiert: «Ich bin Angehöriger einer Betroffenen, der gekündigt wird, sie hat keine Ahnung wie weiter. Schande über diese Kaderleute.» Man entdeckt viele Mitgefühlsbekundungen mit den Angestellten, die entlassen werden. Wobei hier besonders die Kommunikation der Asana Gruppe Fragen aufwirft. Scheinbar wurden die Angestellten sehr kurzfristig über die Schliessung des Standorts informiert. Bis vor kurzem suchte das Asana Spital Menziken sogar mit Werbeanzeigen auf den Sozialen Medien nach neuen Mitarbeitenden, weshalb die Ankündigung für viele noch viel überraschender kommt. Es gibt aber auch jene Kommentarverfasser, die nicht überrascht waren, so lautete einer: «Das habe ich mir schon seit längerer Zeit gedacht. Anzeichen dafür gab es genug, wenn man genau hinschaute.»
Die Schliessung des Akutspitals ist auf den 30. Oktober 2026 geplant. Ab dann wird ein Teil des Angebots durch das Luzerner Kantonsspital (LUKS Gruppe) und die Falkenstein Asana AG übernommen (siehe Artikel S. 3).
Melanie Köchli

