Der Verein Abenteuer Zeitreise hat am vergangenen Wochenende mitten im Dorf seine Zelte aufgeschlagen und das Mittelalter erlebbar gemacht. Der Verein befasst sich mit längst vergangenen Zeiten, denkt aber in die Zukunft.
Gackernde Hühner, weidende Schafe, dazu ...
Der Verein Abenteuer Zeitreise hat am vergangenen Wochenende mitten im Dorf seine Zelte aufgeschlagen und das Mittelalter erlebbar gemacht. Der Verein befasst sich mit längst vergangenen Zeiten, denkt aber in die Zukunft.
Gackernde Hühner, weidende Schafe, dazu Laute, Flöte und Dudelsack mit «alter» Musik: Wer durch «Gundolds Hof» auf dem Gelände vor dem Gemeindehaus Gontenschwil schlenderte, fühlte sich tatsächlich um Jahrhunderte zurückversetzt. In zahlreichen Zelten gingen zeitgemäss gekleidete Handwerkerinnen und Handwerker ihrer Arbeit nach, erklärten ihre Techniken und liessen die Besucherinnen und Besucher auch gerne selbst Hand anlegen. Rund 25 Vereinsmitglieder standen als Darstellende im Einsatz.
So authentisch wie möglich
Hier schlug ein Schmied Kerben in einen Eisenkern, aus dem später eine Feile werden sollte. Ein paar Schritte weiter wurde aus Hanf ein Seil gedreht, während aus frisch geschorener Schafwolle zunächst ein Faden und daraus schliesslich ein Stück Stoff entstand. Ein Vater zeigte seinen Söhnen, wie sich aus Lehm, Stroh und Wasser in hölzernen Formen Ziegel herstellen lassen. An den Kleidern war zu erkennen, dass sie aus der «heutigen» Zeit kommen, was dem Interesse keinen Abbruch tat. Korbflechterinnen fertigten Gefässe, Kinder drehten zwei Mühlsteine gegeneinander und konnten das frisch gemahlene Mehl anschliessend fasziniert in ein Schüsselchen wischen. In der Küche köchelte Gerstensuppe mit reichlich Gemüse. Und zwei Zimmermänner sägten aus einem dicken Baumstamm mit einer beeindruckend grossen Zweimannsäge Bretter.
Das Interesse der Bevölkerung war offensichtlich gross. Auf dem Parkplatz standen Autos aus dem Aargau und den umliegenden Kantonen. Familien mit Kindern, aber auch Erwachsene und ältere Semester liessen sich auf die Zeitreise ein. Die insgesamt mehrere Hundert Besucher verteilten sich gut auf dem überblickbaren Areal. Am Ausgang konnten sie ihre Meinung mit Kirschkernen kundtun: Weiss für «interessant», schwarz für «weniger interessant». Im Abstimmungsglas lagen am Ende fast ausschliesslich weisse Kerne.
«Man fühlt sich tatsächlich wie im Mittelalter», war denn auch ein Eindruck, der sich aufdrängte – obwohl es keine festen Bauten gab. Besonders eindrücklich war die Einfachheit vieler Techniken. Was heute selbstverständlich ein Elektromotor erledigt, funktionierte damals mit Muskelkraft, geschickten Händen und erstaunlich ausgeklügelten mechanischen Lösungen.
Ziel: Begreifbare Geschichtsvermittlung
Mittendrin war Silvia Aeschimann, Initiantin und Präsidentin des Vereins Abenteuer Zeitreise. Wenn sie nicht gerade Besucher begrüsste und Fragen beantwortete, setzte sie sich mit ihrem breiten Strohhut und dem Leinen- und Wollgewand zu den Korbflechterinnen und arbeitete mit.
Gontenschwil war bewusst gewählt. Einer der favorisierten Standorte für die Vision des Vereins: Eine mittelalterliche Siedlung, wie sie um 1200 bestanden haben könnte. «Wir wollten uns hier zeigen und die Besucher selbst erleben lassen, was die Projektidee dem Dorf und der Region bieten könnte», erklärt Aeschimann. In den kommenden Wochen möchte der Verein mit dem Gemeinderat Kontakt aufnehmen. Die Vision bleibt dabei gross – ebenso wie der Anspruch, eine wissenschaftsnahe und erlebbare Form der Geschichtsvermittlung zu schaffen. «Es ist uns ein Anliegen, die Bevölkerung und die Bedürfnisse des Dorfes und der Region in eine mögliche Umsetzung mit einzubeziehen. Wir wollen, dass sich hier Menschen begegnen können, teilhaben an etwas, das Identität stiftet und Freude macht.»
So wurde «Gundolds Hof» nicht nur zu einem Ausflug ins Mittelalter, sondern auch zu einem vorsichtigen Blick in die Zukunft.
Roland Marti