Eines der Lächeln fehlt …
28.05.2026 ReinachIm Januar 2025 trat Schauspieler und Familienvater Daniel Hölzinger offiziell in die Fussstapfen von Clo Bisaz und übernahm die Betriebsleitung im Theater am Bahnhof in Reinach. Wer zurzeit eine Vorstellung im blauen Kulturhaus besucht, merkt schnell: Ein bestimmtes Lächeln ...
Im Januar 2025 trat Schauspieler und Familienvater Daniel Hölzinger offiziell in die Fussstapfen von Clo Bisaz und übernahm die Betriebsleitung im Theater am Bahnhof in Reinach. Wer zurzeit eine Vorstellung im blauen Kulturhaus besucht, merkt schnell: Ein bestimmtes Lächeln fehlt.
Daniel Hölzinger ist vielseitig in der Theaterszene engagiert. Auch als Betriebsleiter im TaB Reinach begegnete er seinen Gäsen stets mit einem herzlichen Lächeln und sorgte mit der Programmzusammenstellung für eine abwechslungsreiche Theatersaison für Gross und Klein. Doch wie in der emotionsreichen Theaterwelt, die stets für eine spannende Abwechslung sorgt, geschehen auch in der Realität Wendungen, welche dazu führen, dass der Plan kurzerhand geändert werden muss. Was bei Daniel Hölzinger zur Planänderung führte, das Theater am Bahnhof bereits wieder zu verlassen, verrät er dem Wynentaler Blatt im Gespräch:
Was führte zum Entscheid, das TaB zu verlassen?
«In erster Linie die bevorstehende Geburt unseres zweiten Kindes. Mir ist es wichtig, mich wieder stärker dem Familienleben zu widmen, Verantwortung in der Care-Arbeit zu übernehmen und für meine Partnerin und unsere Kinder präsent zu sein. Die aktuellen Strukturen im TaB liessen sich für mich nicht mehr mit diesem Wunsch vereinbaren, weshalb die Entscheidung klar zugunsten der Familie ausfiel.»
Wie hast du die Zeit im TaB erlebt?
«Die Zeit im TaB war für mich sehr lehrreich und bereichernd. Ich durfte spannende Einblicke in die freie Theaterszene im Kanton Aargau gewinnen und erleben, wie stark das kulturelle Interesse im See- und Wynental ist. Ich wurde in meiner Haltung bestärkt, dass Theater immer Gemeinschaftsarbeit ist – getragen von engagierten Menschen vor, hinter und auf der Bühne.»
Gibt es etwas, das du aus heutiger Sicht anders machen würdest?
«Sowohl die Programmgestaltung als auch die Umsetzung haben mir sehr grosse Freude bereitet. Besonders dankbar bin ich für die zuverlässige, respektvolle und engagierte Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Diese Menschen, ihre Stimmen, Wünsche und Entscheidungen möchte ich in Zulunft gerne mehr im Vereinsleben des TaB vorfinden dürfen.»
Was wird dir besonders in Erinnerung bleiben?
«Unvergesslich bleiben die ausverkauften Abende mit Künstlerinnen und Künstlern wie Gardi Hutter, Martin O. oder Bela B. Felsenheimer. Ebenso berührt hat mich die Begeisterung junger KünstlerInnen wie Zarina Tadjebaeva, Duo Dua oder Studierender der Zürcher Hochschule der Künste, die in diesem historischen Theaterhaus vor einem so wohlwollenden Publikum auftreten durften. Besonders in Erinnerung bleiben mir die HelferInnen an der Bar und Kasse, die gezeigt haben, wie unverzichtbar ehrenamtliches Engagement für Vereine und Kleintheater ist.»
Was nimmst du aus der Zeit im TaB mit?
«Vor allem die Freude und Neugier darauf, bald wieder selbst auf der Bühne zu stehen. Gleichzeitig nehme ich die Erkenntnis mit, wie wichtig Kultur für unsere Gesellschaft ist – gerade in unserer schnelllebigen digitalen Zeit. Für mich bleiben Theater- und Kinoabende mit anderen Menschen ein grosser Luxus: gemeinsam Geschichten von KünstlerInnen zu erleben, miteinander zu lachen oder den Atem anzuhalten.»
Gibt es schon Pläne für die Zukunft? Wenn ja, welche?
«Zunächst freue ich mich auf viel Zeit mit meiner Familie – draussen unterwegs zu sein, am Hallwilersee und auf dem Schiff, auf Spielplätzen, im Garten oder bei Freunden und Familie zu Besuch. Gleichzeitig möchte ich mir bewusst Zeit nehmen, um herauszufinden, wie ich meine künstlerische Arbeit künftig in der Schweiz gestalten möchte.»
Welche Projekte stehen an?
«Aktuell stehen verschiedene Kooperationen mit dem ThiK Theater im Kornhaus Baden an, unter anderem das kommende «Sauser & Bärlauch» im November 2026.»
Wirst du auch wieder vermehrt selbst auf der Bühne stehen?
«Mit Sicherheit ist zu sagen, dass ich schon bald wieder auf einer Bühne stehen werde. Während meiner Zeit im TaB musste ich einige Anfragen als Schauspieler ablehnen. Umso mehr freue ich mich, welche Anfragen mich nun erreichen und welches Angebot ich annehmen darf.» Worauf freust du dich besonders?
«Auf die ersten Tage mit unserem zweiten Sohn. Ihn und seinen Bruder beim Aufwachsen begleiten zu dürfen und als Vater mit ganzem Herzen für die beiden da zu sein.»
Möchtest du den Leserinnen und Lesern noch etwas mitteilen?
«Ich möchte jedem Vater nur empfehlen, sich in den ersten Wochen und Monaten bewusst Zeit für die Familie zu nehmen. Diese Zeit stärkt die Bindung zum Kind, entlastet die Mutter und schafft eine partnerschaftliche Grundlage im Familienalltag. Davon profitieren nicht nur die Kinder, sondern langfristig auch die Beziehung und das gemeinsame Familienleben.
Eine längere, staatliche Unterstützung für Väter und Familien als die zwei Wochen Vaterschaftsurlaub empfinde ich als erstrebenswert.»
Janine Flückiger

