Nach dem bitteren Scheitern im letzten Meisterschaftsspiel gegen Yverdon Sport, als der Direktaufstieg verpasst wurde, musste der FC Aarau den Gang in die Barrage antreten. Das torlose Hinspiel fand schon statt und lässt für das Rückspiel wieder etwas Hoffnung ...
Nach dem bitteren Scheitern im letzten Meisterschaftsspiel gegen Yverdon Sport, als der Direktaufstieg verpasst wurde, musste der FC Aarau den Gang in die Barrage antreten. Das torlose Hinspiel fand schon statt und lässt für das Rückspiel wieder etwas Hoffnung aufkeimen.
Eine eigenartige Stimmung herrschte vor dem Anpfiff im Heimsektor des Brügglifelds. Nach dem verpassten Direktaufstieg beim 2:2 gegen Yverdon Sport, wähnten sich viele Fans in der Wiederhohlung eines schlechten Films. Zum fünften Mal seit dem Abstieg im Jahr 2015 fehlte dem FC Aarau nur wenig, um sich selber in die Super League zu hieven. Weil die Leistung der Aarauer gegen Yverdon unbefriedigend war, rechnete nun kaum einer mit einem Aufbäumen des Challenge-League-Vertreters.
Zumal sich GC, der Krösus aus Zürich sich im Vorfeld erneut unfairer Mittel bediente, um sich in der Barrage einen Vorteil zu verschaffen. Vor einem Jahr klappte das ja sehr gut, indem man den FC Aarau wochenlang im Dunkeln darüber liess, wo das «Heimspiel» der Grasshoppers stattfinden würde, nämlich im Tessin. Dieses Jahr war sich der frühere Nobelclub nicht zu schade, die Meisterschaft der 1. Liga zu verfälschen, indem er eine Forfait-Niederlage seines Nachwuchsteams provozierte, und dadurch den FC Courtételle benachteiligt. Profiteur von der Sache ist der FC Langenthal, dessen Vizepräsident eine GC-Vergangenheit hat. Ein Schelm, wer Böses denkt.
Genutzt hat die Moglerei den Grasshoppers vorderhand nichts. Trotz der längeren Erholungszeit, wirkten die Zürcher im Hinspiel im Brügglifeld müde und ideenlos. Jonathan Asp Jensen war auf Zürcher Seite gerade noch der aktivste Posten, der Rest des Teams scheint sich der dramatischen Lage des Klubs nicht bewusst zu sein. Nicht nur sportlich läuft es GC schlecht. Der Club ist im Vergleich vergangener Zeiten organisatorisch und finanziell ein Schatten seiner selbst, befeuert wird die Situation von Fans, die regelmässig für Negativschlagzeilen sorgen.
Ganz anders der FC Aarau. Nach dem Nackenschlag vom Freitag, dem verpassten Aufstieg trotz 2:0-Führung gegen Yverdon, erholte sich das Team erstaunlich gut, sowohl körperlich, wie auch mental. Besonders in der zweiten Spielhälfte gegen GC trat das Team von Brunello Iacopetta dominant auf, generierte die besseren Chancen und sorgte mit seinem Auftritt dafür, dass sich die Stimmung im Heimsektor zum Positiven wandelte. Plötzlich keimte Hoffnung auf, so offensichtlich war das Defizit der Zürcher erkennbar. Das 0:0 ist für Aarau auf den zweiten Blick ein sehr positives Resultat, selbst ein Sieg, so hat man das Gefühl, wäre für das Rückspiel eher ein Nachteil gewesen.
So wird man heute Donnerstag nämlich zwei Teams sehen, die vorsichtig ans Machwerk gehen. Keiner muss schon beim Anpfiff einem Rückstand nachrennen oder einen Vorsprung verwalten. Dass das Spiel offen ist, sieht man auch im Staff der Grasshoppers so. Am Montag sagte der frühere FCA-Torhüter und heutige Torhütertrainer bei GC, Andreas Hilfiker, die Sache sei vollkommen offen. Ebenso zurückhaltend blieb Aaraus Captain Marco Thaler: «Wir haben es nur zu einem 0:0 geschafft, aber die zweite Halbzeit in Zürich steht noch an.»
Letztlich wird das Spiel am Donnerstagabend (20.15 Uhr, Letzigrud) wohl durch die Tagesform entschieden, vielleicht durch einen Sonntagsschuss, einen zufälligen Abpraller, aber eher nicht, weil eines der Teams deutlich stärker wäre. Dennoch darf sich der FC Aarau als vorläufiger Gewinner sehen, weil er es geschafft hat, die Stimmung zu seinen Gunsten kippen zu lassen. Soviel ist sicher: Mindestens 4000 FCA-Fans haben sich ein Ticket gesichert und pilgern mit einer leisen Hoffnung nach Zürich.
Remo Conoci