Eine gelungene Hommage an Ruedi Lehnherr
10.09.2026 ReinachDie reformierte Kirche Reinach war bis auf den letzten Platz gefüllt, als das Vormittagskonzert «Musig us aargauSüd» des Verkehrsvereins Reinach die Besucher in die facettenreiche Welt der Musik entführte. Ein Konzert zu Ehren von und mit Ruedi ...
Die reformierte Kirche Reinach war bis auf den letzten Platz gefüllt, als das Vormittagskonzert «Musig us aargauSüd» des Verkehrsvereins Reinach die Besucher in die facettenreiche Welt der Musik entführte. Ein Konzert zu Ehren von und mit Ruedi Lehnherr.
Peter Siegrist, Präsident der reformierten Kirchgemeinde Reinach und Hanspeter Urech, Präsident des Verkehrsvereins Reinach und zugleich Organisator dieses musikalischen Leckerbissens, begrüssten das zahlreich erschienene Publikum. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt.
«Musig us aargauSüd» ist nicht einfach Musik von Interpreten und Bands aus dem südlichen Teil des Aargaus. Nein. Die tiefere Bedeutung liegt darin, die Vielfalt der Musik in ihren Klangräumen und -farben zu zeigen. «Der Anlass soll begeistern und Freude machen», sagte Lehnherr bei seiner Begrüssung. Nebenbei bemerkt: Ruedi Lehnherr ist nicht nur ein begnadeter Musiker, Dirigent, Musikschullehrer und Gründer unter anderem von zwei Schulchören. Seine musikalische Vielfalt zeigt sich besonders als Komponist und Arrangeur mit einem Wirkungsfeld zwischen Symphonik, Jazz/Funk, Pop, Blas- und Chormusik. Weltweit. Musik aus aargauSüd.
Der in Reinach geborene und im Oberwynental lebende Vollblutmusiker wurde schon im Alter von 28 Jahren mit einem Werkjahr durch das Kuratorium des Kantons Aargau zur Förderung des kulturellen Lebens ausgezeichnet. Lehnherr komponierte für namhafte Blasorchester und Brassband. Besonders erwähnenswert war die Eröffnungsmusik für die europäische Umweltministerkonferenz in Luzern 1993 oder zum 200-Jahre-Jubiläum des Kantons Aargau. Dort komponierte er er die Festfanfare.
Unbekanntes und Bekanntes
Mit dem Konzert und der Hommage an Ruedi Lehnherr konnten auch unbekanntere Werke aufgeführt werden. Eines seiner ersten Kompositionen aus der Studienzeit war das Stück «Tricky» – eine rockig-jazzige Blasmusikkomposition mit einem bewusst gesetzten kleinen Misston. Gerade diese zeigen sich oft als besonders spannend.
Auch das Stück «Quo vadis Helvetia», aufgeführt vom Musikverein Oberwynental, unter der Leitung von Peter Streit, war brandaktuell. Das Werk wurde im Rahmen des 700-Jahre-Jubiläums der Eidgenossenschaft für einen der Beiträge des Bezirks Kulm aufgeführt.
Einen besonderen Platz an diesem Konzert nahmen die Chansonetten unter der Leitung von Sabine Geiger ein.
Das Stück «Rägeboge», komponiert von Ruedi Lehnherr, wurde mit tiefer Empathie vorgetragen. Damit nicht alles ein «Lehnherr» wäre, wie der Komponist während der Moderation lachend sagte, gaben die versierten Sängerinnen auch ein Stück von Bette Midler – «From a Distance» – zum Besten.
L’Arlecchino
Sven Bachmann brillierte mit seiner Klarinette in «L’Arlecchino», einem Werk aus Lehnherrs tiefem Archiv, komponiert 1983 während seiner Studienzeit. Ein experimentelles Werk aus der Moderne des 20. Jahrhunderts, dreisätzig, mit einer eigenständigen Klangsprache – frei, intensiv, virtuos und weit entfernt von klassischen Formbegriffen.
Sven Bachmann interpretierte das Stück mit absolutem Können. Sein Holzblasinstrument und er verschmolzen zu einer Einheit. Die musikalische Erzählung erinnerte an eine tanzende Leichtigkeit. So als wäre man Alice – nicht im Wunder-, sondern im Musikland, wo das Leben in Notenwäldern spielt. Dieses Stück, brillant komponiert und virtuos vorgetragen, war sicher einer der Höhepunkte des Konzerts.
Uraufführungen
Nach dem tosenden Applaus folgte die Uraufführung «Profondità» von Jack Säuberli. Der 78-jährige, weltweit erfolgreiche Musiker mit Aargauer Wurzeln entführte die Zuhörer mit seinem gefühlvollen Stück, uraufgeführt mit vier Streicherinnen der Camerata aargauSüd, Evi Lehnherr am Solo Cello, Sabine Bachmann Frey am Klavier, Sven Bachmann an der Klarinette und Ruedi Lehnherr an der Bassposaune, in eigene Klangräume, von denen man kaum wusste, dass man sie in sich trägt. Das gefühlvolle Stück widmete Säuberli dem Ehepaar Lehnherr.
Funky Swing Band
Mit der Funky Swing Band wurde Ruedi Lehnherrs Liebe zu Jazz, Funk und Pop sichtbar. Ab ging die Post mit dem Stück «Emergency», dessen Ursprung wohl eine schmerzhafte Erfahrung des Komponisten im Spital war. Die Komposition wäre aber auch durchaus passend als musikalische Interpretation für die ebenfalls schmerzhafte, beinahe nierensteinkolikartige Schliessung des Akutspitals Menziken.
Mit «Blues in the Shoes», ebenfalls aus der Feder von Ruedi Lehnherr, verabschiedete sich die Funky Swing Band von den Zuhörern. Den Schluss bildeten Hanspeter Urech und Ruedi Lehnherr mit «Rag for Two». Ein begeistertes Publikum, lachende Gesichter und Rhythmus in der Luft. Der Spass und die Freude an der Musik übertrugen sich wie ein Funke aufs Publikum. Nach grossem freudigen Applaus gings vor der Kirche genussvoll weiter. Die Hobbyköche «Das Goldene Fenchelblatt» verzauberten nach dem Konzert mit einem spitzenmässig gekochten Chili die Gaumen der Gäste und rundeten diesen wunderschönen Anlass stilvoll ab.
Dominique Rubin

