Ein turbulentes Zusammenleben
27.08.2026 Seetal, Beinwil am SeeBereits zur Premiere am vergangenen Samstag füllte sich das Zirkuszelt auf dem Chrosihusplatz in Beinwil am See mit zahlreichen schaulustigen Besucherinnen und Besuchern jeden Alters. In ihrer anderthalbstündigen Show entführten die sechs jungen Artistinnen der Zirkusschule ...
Bereits zur Premiere am vergangenen Samstag füllte sich das Zirkuszelt auf dem Chrosihusplatz in Beinwil am See mit zahlreichen schaulustigen Besucherinnen und Besuchern jeden Alters. In ihrer anderthalbstündigen Show entführten die sechs jungen Artistinnen der Zirkusschule Capriola das Publikum in das bunte WG-Leben. Die Mischung aus Theatralik und Adrenalin, gepaart mit humorvollen Szenen und viel Geschick, hielt die Zuschauerschaft auf Trab und begeisterte restlos.
«Darf ich bitte eine rosafarbige Zuckerwatte haben?», fragte eine junge Besucherin am Essensstand vor dem Zelt. Auf dem Chrosihusplatz war bereits vor Showbeginn einiges los. Verschiedene Verpflegungsangebote, wie dieses von «Anker Bojü», luden dazu ein, sich in gemütlicher Atmosphäre auf den Abend einzustimmen. «Es ist schön, wenn in ‹Bojü› etwas los ist», sagte ein Ehepaar erfreut.
Nach der Show ist vor der Show
Die Gruppe der Compagnia Capriola trainiert das ganze Jahr über. Steht eine neue Show auf dem Kalender, werden die Einheiten intensiviert und die einzelnen Nummern entwickelt.
Die Artistinnen bringen dabei längst nicht nur akrobatisches Geschick auf die Bühne. Von Tanz und Kunststücken über Theater bis hin zu Gesang – die jungen Talente zeigen ein vielseitiges Können. «Jede der Artistinnen hat eine Disziplin und einen eigenen Charakter, den sie in der Show spielt», erzählte die Zirkuskünstlerin Juna vor der Show. «Ich habe einen Soloauftritt am Vertikaltuch und spiele eine verträumte Macherin.» Vor dem Soloauftritt sei sie schon etwas nervös, besonders beim «Airtrack», verriet die fröhliche Darstellerin.
Juna ist bereits seit fünf Jahren dabei. «Sie ist quasi ein Gründungsmitglied», erzählte Claudia Kaspar, während sie herzlich zu ihrem Zirkusschützling hinüberblickte. Claudia Kaspar leitet die Compagnia Capriola zusammen mit ihrem Mann Sandro.
Auch wenn es – wie im Zirkus üblich – darum geht, die Darbietungen stetig weiterzuentwickeln und zu steigern, steht für die Zirkusschule und ihre Schülerinnen und Schüler vor allem die Freude an der persönlichen und künstlerischen Entwicklung im Vordergrund. Sei es bei akrobatischen Kunststücken oder in der persönlichen Entwicklung: «Das Selbstvertrauen wächst auf jeden Fall», sagte Juna überzeugt. Auch der Zusammenhalt wächst durch das gemeinsame Training. «Man wächst wie eine Familie zusammen», sagte die Leiterin. Juna nickte zustimmend.
Das Zusammenleben
Nach Wochen intensivem Training zeigten die sechs jungen Zirkuskünstlerinnen an diesem Samstagabend das erste Mal die neue Show «zäme läbe». Bereits beim Betreten des Zirkuszeltes stach das liebevoll gestaltete Bühnenbild ins Auge. Eine Reihe von verschiedenen Zimmereinrichtungen liess das Publikum von Beginn an ins WG-Leben eintauchen und unterstützte visuell die verschiedenen Charaktere, welche darin wohnten. Da gab es zum Beispiel die Schlafmütze, die es sich mit ihrer Kuscheldecke und Kissen gemütlich machte oder die Ordentliche, welche hübsche Blumen vor ihrem Zimmer hatte und selbst beim Szenenwechsel den anderen hinterher räumte. Die Künstlerinnen zeigten ab dem ersten Moment eine fesselnde Bühnenpräsenz und es dauerte nicht lange, bis die ersten faszinierten Gesichter im Publikum zu entdecken waren.
Dass der Zusammenhalt bei der Compagnia Capriola stark ist, wurde während der Show deutlich spürbar. Kurze Blicke reichten den Mädchen, um sich abzustimmen und die Nummer «on point» zu präsentieren. Eine bunte Mischung aus ruhigen, theatralischen Momenten, fröhlich pulsierenden Szenen, kombiniert mit fesselnden Choreografien, sorgten stets für unvorhersehbare Momente.
Wie eingespielt die Truppe ist, zeigte sich besonders bei Szenen wie beim Jonglieren oder auch dem gemeinsamen Einradfahren. Doch die Höhepunkte waren die Darbietungen, bei denen es hoch hinaus ging. Die jungen Zirkusartistinnen bewiesen nicht nur Mut, sondern auch enorme Fertigkeit am Vertikaltuch, am Luftring oder auch an den Strapaten. Hoch oben unter dem Zeltdach posierten die Jugendlichen in kunstvollen Positionen, wie zum Beispiel einem Spagat. Das Publikum beobachtete die Szenen mindestens genauso konzentriert, wie es die Artistinnen selbst waren. Nach gelungener Position und einem Lächeln applaudierten die Gäste erleichtert über das gezeigte waghalsige Geschehen.
Alles in allem präsentierte sich den Zuschauern eine bunte Mischung verschiedener Darbietungen, die in einer rührenden Geschichte erzählt wurden. Die Zirkusshow «zäme läbe» begeisterte das Publikum, ob Jung oder Alt, was der tosende Applaus zum Ende deutlich zeigte.
«Es ist ein unterstützungswürdiges Projekt», sagte ein Zuschauerpaar.
Wer neugierig ist, was es mit dem «Airtrack» von Juna auf sich hat oder wer herausfinden möchte, ob die Truppe sich im turbulenten WG-Leben zusammenraufen kann, hat am Sonntag, den 30. August, um 17 Uhr die nächste Chance dazu. Ebenso hält der Verein Kultur im Zelt bis zum 19. September noch viele weitere Programmpunkte, wie zum Beispiel Yoga, Disco, Zaubershows und Konzerte bereit. Das ganze Programm ist auf www.kizelt.ch ersichtlich.
Janine Flückiger




