Ein Osterei ist belebend und gesund
02.04.2026 OberkulmRechtzeitig auf Ostern besucht das Wynentaler Blatt die 2000 Legehennen der Familie Walti in Oberkulm. «Um Ostern sollten die Hühner gleich zwei Mal am Tag legen», scherzen die engagierten Bauersleute. Pro Woche verlassen um die 13’000 Eier ihren Biohof.
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Rechtzeitig auf Ostern besucht das Wynentaler Blatt die 2000 Legehennen der Familie Walti in Oberkulm. «Um Ostern sollten die Hühner gleich zwei Mal am Tag legen», scherzen die engagierten Bauersleute. Pro Woche verlassen um die 13’000 Eier ihren Biohof.
Der Gesamtbedarf an Eiern in der Schweiz betrug im letzten Jahr 1918 Millionen Stück. Laut den neusten Zahlen des Bundesamtes für Landwirtschaft umfasst der einheimische Marktanteil für Konsumeier 69,9 Prozent. Die Schweizer Eierproduzenten steigerten ihre Produktion 2025 gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent. Rund 48 Millionen zusätzliche Eier gelangten in den Verkauf. Schweizer Bio-Eier machten 18,7 Prozent der gesamten Schweizer Eierproduktion aus. Die wachsende Bevölkerung und ein geändertes Konsumverhalten begründen den in den letzten Jahren höheren Eierbedarf in unserem Land. Der Pro-Kopf-Konsum stieg seit 2012 von 175 auf 209 Stück.
An zwei Standorten
Kurz vor Ostern also die beste Gelegenheit, einen vielseitigen Landwirtschaftsbetrieb mit Legehennen zu besuchen. «Mit viel Freude, Motivation und noch viel mehr Ideen bewirtschaften wir 42 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche», strahlt das Bauernpaar Reto und Veronika Walti in Oberkulm. Zu ihren Betriebszweigen gehören 2000 Legehennen, Acker- und Futterbau und eine vielfältige Direktvermarktung im Hofladen. An ihrem zweiten Betriebsstandort in Zetzwil halten sie eine kleine Mutterkuhherde aus Rätischem Grauvieh.
René Fuchs
Im Weiler Seeberg, ob Leimbach, ist Reto Walti (41) auf einem Bauernhof aufgewachsen. Nach seiner Ausbildung zum Landwirt EFZ am landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg arbeitete er 21 Jahre lang als Standortleiter der Getreidesammelstelle und des Agrarhandels in der Landi Aarau West in Oberkulm. In der Freizeit half er auf dem elterlichen Bauernbetrieb mit. Veronika Walti (38), gelernte Pflegefachfrau und Bauerntochter, stammt aus Goldiwil bei Thun. 2015 heiratete das Paar.
Zu ihrer grossen Freude wurden ihnen drei Kinder geschenkt.
Kieselsteine helfen dem Magen
«Mit der Legehennenhaltung habe ich immer schon etwas geliebäugelt», berichtet Reto Walti. Ende 2021 ergab sich die Gelegenheit, einen konventionellen Betrieb in Oberkulm zu übernehmen. Öfters hatte er dort schon ausgeholfen. Einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen und davon zu leben, war der Traum der Bauernfamilie. Direkt nach der Betriebsübernahme startete die zweijährige Bio-Umstellungsphase. Der bestehende Legehennenstall wurde nach Bio-Suisse-Vorgaben umgebaut. Somit konnten im Herbst 2022 erstmals 2000 Bio-Legehennen der Rasse Lohmann Sandy im Alter von 17 Wochen eingestallt werden. Eine Geflügelrasse, die äusserst robust ist und das Futter ausgezeichnet verwertet. Die weissbefiederten Tiere legen cremefarbige Eier mit einer guten Schalenstabilität. Neben zum Teil gedeckten Aussenplätzen und einem grosszügigen Stall mit vielen Legenestern, Futterplätzen, Tränken, Sitzstangen auf verschiedenen Höhen und Sandbädern steht ihnen ein grosser Freilandbereich zur Verfügung. Insgesamt ist es eine Hektare Wiesland mit Weiden, Sträuchern, eingerichteten Schattenplätzen bis zu kleinen Haufen mit Kieselsteinen und Splitt. Denn Hühner haben keine Zähne und schlucken ihre Nahrung unzerkaut herunter. Diese landet zuerst im Kropf und dann im Muskelmagen. Die aufgepickten Steinchen wirken bei den kräftigen Muskelbewegungen des Magens wie ein Mahlwerk.
Doch die drohende Vogelgrippe machte diesem idyllischen Bild in diesem Winter vom 25. November bis am 31. März einen Strich durch die Rechnung. Nach dem Nachweis des Virus bei Enten und einem Schwan auf dem Stadtweiher in Wil (SG) hatte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die Präventionsmassnahmen auf die ganze Schweiz ausgedehnt. «Um ein Übergreifen der Vogelgrippe auf das Hausgeflügel zu verhindern, durften wir unseren Legehennen nur einen mit Netzen geschützten und überdachten Aussenbereich zur Verfügung stellen», hält Reto Walti fest. Die Freude ist gross, dass kurz vor Ostern das Federvieh tagsüber wieder in den offenen Auslauf kann. «Abends um sechs Uhr sind die Hühner zu ihrer Schlafenszeit wieder im geschlossenen Stall», berichtet Veronika Walti. «Sonst ist Meister Reineke in der Dämmerung schnell zur Stelle…»
Die Tageslichtdauer ist entscheidend
Rund 330 Eier legt hier jede Henne pro Jahr. Eine gewaltige Leistung, wenn man bedenkt, dass sie täglich gut 120 Gramm Futter frisst und ihr Ei fast die Hälfte wiegt. Es enthält kostbares Protein, zwölf Vitamine sowie Mineralstoffe, ungesättigte Fettsäuren und hat einen guten Sättigungseffekt. Und nur 70 Kalorien zählt ein Ei. Da Schweizer Konsumenten dunkelgelbe Eidotter bevorzugen, wird dem Hühnerfutter ein Paprikaextrakt beigemischt, sonst wäre die Farbe leicht grünlich. Rund 24 Stunden benötigt ein Huhn, um ein Ei zu produzieren. Die Tageslichtdauer ist dabei entscheidend. Im Stall muss es 14,5 bis 15 Stunden hell sein, damit die Legeleistung konstant bleibt. Sie liegt jetzt bei sagenhaften 95 Prozent.
Die Nachfrage steigt
Ostereier sind sehr gefragt. Pro Woche werden 12’600 Eier von der Ei AG, einem Abpackbetrieb für Schweizer Eier in Sursee, abgeholt. Vorher ist auch viel Handarbeit gefragt. Es gilt, die auf dem Laufband eingesammelten Eier zu sortieren, falls nötig zu reinigen und mit einer Maschine zu datieren. Um die 400 Eier werden pro Woche direkt im eigenen Hofladen in Oberkulm verkauft.
Nach 15-monatiger Legeperiode schliesst sich der Kreislauf einer Legehenne. Die Ausstallung mit einigen Heferinnen und Helfern und der Transport zur Metzgerei Kopp im Emmental steht an. «Als Betriebsleiter sind uns nachhaltige Lebensmittel und der bewusste Umgang mit Ressourcen wichtig. Deshalb vermarkten wir alles Fleisch unserer Althennen direkt auf dem Hof», sagt Veronika Walti. Die verarbeiteten Bio-Produkte von der Bratwurst, Cipollata, «Brätkügeli» bis zu Hackfleisch und Burger erfreuen sich zunehmender Nachfrage. Es sei aber auch viel Aufklärungsarbeit und Werbung nötig.
Dass seit diesem Jahr alle männlichen Küken in den Zuchtbetrieben aufgezogen werden, freut die Bauernfamilie. Die Tierethik liegt ihr sehr am Herzen. In der Biohaltung werden die Bruderhähne, wie die Brüder der Legehennen genannt werden, nun mindestens als Fleischlieferanten 63 Tage alt. Da sie im Gegensatz zu den Masthühnern das Futter weniger effizient in Muskelzuwachs umsetzen, ist deren Aufzucht teurer. «Deshalb werden die zusätzlichen Kosten über den Verkauf der Eier der Legehennen mitfinanziert», erklärt Reto Walti. «Der damit verbundene höhere Ankaufspreis für die Legehennen fliesst über den auch leicht höheren Eierpreis wieder zurück zum Produzenten.» Die Landwirtschaft sei für sie nicht irgendein Job, sondern eine Lebenseinstellung. Dass nun auf dem Bio-Weg Hennen wie Hähne aufgezogen werden, mache ethisch gesehen einfach Sinn.
Das Ei ist ein gesundes Lebensmittel, das immer mehr an Bedeutung gewinnt. «Der Arbeitsaufwand im Verhältnis zum Verdienst hält sich gut die Waage. Der Eiermarkt ist im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Märkten sehr stabil», ziehen Veronika und Reto Walti eine positive Bilanz. Dabei streift ihr wacher Blick zu ihren Legehennen: «Es ist erfüllend, wenn die Tiere bei uns ihr natürliches Verhalten mit viel Platz ausleben können und wir sehen, dass es ihnen gut geht.»
Tipps rund ums Ei:
Mit der Spitze nach unten und an einem dunklen, kühlen Ort bleiben Eier länger haltbar. Durch die poröse Schicht dringen leicht Fremdgerüche ein. Darum besser nicht direkt neben Zitronen und Zwiebeln aufbewahren.
Rohe Eierspeisen erfordern strikte Hygiene. Also immer gut die Hände waschen und die leeren Eierschalen nicht mit dem Finger ausstreichen – sonst kann die Eimasse leicht mit Keimen infiziert werden. Die fertige Mousse au chocolat oder Mayonnaise gut kühlen und rasch essen. Haltbarkeit ab Legedatum Mindestreife: 3 Tage Geschmacksentwicklung: 7 bis 14 Tage Kaum Qualitätsveränderung bei richtiger Lagerung im Kühlschrank: 4 bis 5 Wochen.





