Ein Ferienort für verschiedenste Bedürfnisse
20.08.2026 GontenschwilIn Gontenschwil wurde vergangenes Wochenende das neue Ferienzentrum der Stiftung Altried eröffnet. Gemeinsam mit der Lämmli Architektur AG aus Aarau hat die Zürcher Stiftung damit etwas nahezu Einmaliges in der Schweiz realisiert: Der 11 Millionen Franken teure Bau, welcher ...
In Gontenschwil wurde vergangenes Wochenende das neue Ferienzentrum der Stiftung Altried eröffnet. Gemeinsam mit der Lämmli Architektur AG aus Aarau hat die Zürcher Stiftung damit etwas nahezu Einmaliges in der Schweiz realisiert: Der 11 Millionen Franken teure Bau, welcher allein durch Spenden finanziert wurde, ermöglicht es Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen, dank seiner durchdachten Infrastruktur, unbeschwert Ferien zu geniessen.
Das neue Ferienzentrum ist schon vor der offiziellen Eröffnung gut mit Reservationen ausgelastet. «Am Sonntag reist bereits die erste Gruppe an», erzählte der Geschäftsleiter der Stiftung Altried, Wayne van Rooyen, erfreut. Dies zeigt, wie gross die Nachfrage nach Ferienangeboten ist, die auch Menschen mit Beeinträchtigungen ermöglichen, dem Alltag für eine gewisse Zeit zu entfliehen. Die Bedeutung und den Bedarf eines solchen Angebots erkannten offenbar auch die zahlreichen Spenderinnen und Spender. Mit Beiträgen von 50 Franken bis hin zu einer Million Franken – letztere steuerte die Stadt Zürich bei – konnte die Realisierung des Projekts ermöglicht werden.
Janine Flückiger
Auch die Gemeinde Gontenschwil steht der Stiftung wohlwollend gegenüber. Beinahe der gesamte Gemeinderat sowie Frau Gemeindeammann Renate Gautschy waren bei der Eröffnung vor Ort und unterstrichen damit ihre Wertschätzung gegenüber der Stiftung und ihrer Arbeit. Dazu gesellten sich zahlreiche geladene Gäste, die gespannt die beiden Gebäude erkundeten.
In der Ansprache vom Geschäftsleiter der Stiftung, Wayne van Rooyen, betonte er die wertschätzende Zusammenarbeit mit der Lämmli Architektur AG, welche bereits über Generationen hinweg besteht. Denn Ernst Lämmli, der Vater des Architekten Dieter Lämmli, bewahrte einst das ältere Gebäude vor dem Abriss und verkaufte es der Stiftung. Diese Verbundenheit gab auch Dieter Lämmli in seiner Ansprache zu spüren. «Wir sind stolz, dass es wieder in der Familie lag», betonte er in seiner Rede. Auch Gemeindeammann Renate Gautschy hielt wertschätzende Worte für die Stiftung sowie auch das Architekturbüro bereit. Schliesslich ist auch die Gemeinde bei solch grossen Projekten stark involviert und auf eine gute Kommunikation allerseits angewiesen. Gestärkt durch die lobenden Worte, wurde im Anschluss das Grillbuffet eröffnet.
Die Infrastruktur
Der Architekt Dieter Lämmli wies auf die Spezialräume hin. «Das Timeout-Zimmer habe ich letztens selbst getestet. Es funktioniert, kann ich Ihnen sagen», sagte Lämmli zur Zuhörerschaft. Das Time-out-Zimmer ist reizarm gestaltet und mit Matten ausgestattet, um die Verletzungsgefahr möglichst ausschliessen zu können. Der Geschäftsleiter Wayne van Rooyen erklärte, dass das Ferienzentrum für zwei Personengruppen konzipiert wurde: einerseits für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, andererseits für Personen, die mental und emotional stark belastet sind.
Ruhe finden die Gäste auch im «Snoezelraum». Der Raum ist mit weichen Sitz- und Liegemöglichkeiten ausgestattet. Lichteffekte und Blubbergefässe laden die zukünftigen Gäste zum Träumen ein. «Auch Kindergeburtstage kann man hier gut feiern», fügte der Geschäftsleiter schmunzelnd hinzu. Nicht zum Verweilen, aber ebenso liebevoll gestaltet ist auch die Einstellhalle. Grosse Parkplätze für die Kleinbusse, helle Räume und farbenfrohe Kunstwerke an den Wänden, die von Klientinnen und Klienten der Stiftung Altried gestaltet wurden, lassen bereits bei der Ankunft erste Feriengefühle aufkommen.
Komfortabel auch für die Betreuungspersonen
Bei der Besichtigung wird deutlich, an wie viele Details gedacht wurde, um möglichst vielen Menschen eine komfortable Ferienzeit im Wannental zu ermöglichen. Der gesamte Komplex ist barrierefrei gestaltet. Selbst scheinbare Kleinigkeiten, wie tiefer montierte Kleiderhaken, ermöglichen es Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern, ihren Aufenthalt möglichst selbstständig zu gestalten.
In einigen Zimmern lässt sich beispielsweise die Stromzufuhr gezielt ausschalten. Auch bestimmte Verhaltensweisen können durch bauliche Massnahmen unterbrochen werden. Öffnet ein Gast beispielsweise immer wieder den Wasserhahn, kann ein Rollladen vor dem Waschbecken heruntergelassen werden. Dadurch bleibt das Zimmer trocken und gleichzeitig wird ein Reizunterbruch geschaffen, der den Gästen helfen kann, schneller zur Ruhe zu kommen. «Erst bei der Besichtigung wurde mir bewusst, dass für uns selbstverständliche Dinge für Menschen mit Einschränkungen Ferien in gewöhnlichen Hotels unmöglich machen», sagte eine Besucherin nachdenklich. Alle Zimmer sind mit Pflegebetten ausgestattet. Eine weitere Besonderheit ist der Alarmknopf, der in jedem Zimmer vorhanden ist. Dadurch behalten die Betreuungspersonen stets den Überblick und können bei Bedarf rasch reagieren.
Die Ausstattung der Zimmer entspricht einem Spitalstandard und erleichtert so auch den Betreuungspersonen die Arbeit während des Aufenthalts in Gontenschwil. Ebenso erfüllt es damit auch für Alterszentren die optimalen Bedingungen, um im oberen Wynental einen Tapetenwechsel zu erleben. So bietet das Ferienzentrum nicht nur seinen Gästen möglichst viel Komfort und Selbstständigkeit, sondern schafft auch für die Begleitpersonen optimale Voraussetzungen für erholsame und unkomplizierte Ferientage.




