«Die WSB gehört zum Alltag vieler Menschen»
20.08.2026 RegionUm die 19’000 Fahrgäste sind jeden Wochentag auf den WSB-Strecken unterwegs. Die anfängliche Aarau-Schöftland Bahn und die Wynentalbahn haben schon Jahrzehnte vor ihrem Bau für Diskussionsstoff bei der Streckenführung gesorgt. Nun, 125 Jahre ...
Um die 19’000 Fahrgäste sind jeden Wochentag auf den WSB-Strecken unterwegs. Die anfängliche Aarau-Schöftland Bahn und die Wynentalbahn haben schon Jahrzehnte vor ihrem Bau für Diskussionsstoff bei der Streckenführung gesorgt. Nun, 125 Jahre nach der Eröffnung der Strecke Aarau – Schöftland, zieht Aargau Verkehr zum Jubiläumsfest am 5./6. September ein erfreuliches Fazit.
Im vergangenen Jahr benutzten rund 6,9 Millionen Fahrgäste die WSB und legten damit insgesamt über 50 Millionen Personenkilometer zurück. Die Fahrleistung in Kilometern betrug 1’504’754, rund 37,5mal um die Erde. Mit 32 Haltstellen und sechs bedienten Reisezentren leistet Aargau Verkehr einen wichtigen Beitrag für den Nahverkehr.
«Mit dem 125-Jahre-Jubiläumsfest unterstreichen wir die enge Verbundenheit der WSB mit der Region und bedanken uns bei den Fahrgästen sowie Partnern für das Vertrauen», sagt Dr. Severin Rangosch, CEO von Aargau Verkehr. «Mit diesem Fest möchten wir etwas zurückgeben und den Dialog mit der Bevölkerung stärken.» So werden exklusive Einblicke hinter die Kulissen der Bahn sowie ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm am Wochenende vom 5./6. September für die ganze Familie angeboten. Seien es Führungen durch die Zugleitstelle in Aarau, Simulatorenfahrten im Führerstand eines WSB-Triebwagens oder Einblicke ins rollende Bahnmuseum. Dazu gehört am Streckenende auch das «offene Tor» in der WSB-Werkstatt in Schöftland. Ein besonderes Highlight werden die ersten öffentlichen Extrafahrten des aufwendig restaurierten «Salonwagen WSB» sein.
René Fuchs
Aus dem ersten Betriebsjahr der Aarau-Schöftland Bahn (AS), 1901, lässt er uns in die spannende und oft verzwickte Geschichte der WSB eintauchen: Aller Anfang ist schwer. So auch mit dem Beginn des Eisenbahnzeitalters im Aargau am 3. Juli 1845. Der Grosse Rat in Aarau hatte an diesem Tag dem «Eisenbahndekret» zugestimmt, das die Grundlagen dafür schaffen sollte. Trotz des aufkommenden schweizerischen Eisenbahnfiebers verging vorerst ein halbes Jahrhundert mit Komitee-Gründungen, Resolutionen, unzähligen Sitzungen mit Wortgefechten und Leserbriefen. Schon die Frage, ob Normal- oder Schmalspur liess die Köpfe rauchen. Obwohl 1872 und darauf 1893 die Bundesversammlung eine Konzession für eine Bahnlinie zwischen Aarau und Sursee mit Anschluss an die Gotthardlinie ausgesprochen hatte. «Phantasiebegabte Leute sahen bereits Schnellzüge mit Kurswagen Hamburg-Rom und Venedig-Amsterdam an den Strohdachhäusern von Hirschthal und Holziken vorbeisausen», schrieb Chronist Paul Erismann.
Erst als 1896 die Konzession der Bundesversammlung für eine «elektrische Schmalspur-Strassenbahn» im nördlichen Teil des Suhrentals eintraf, ging es zügig voran. In Zusammenarbeit mit der Firma Geissberger, der nachmaligen Waggonfabrik Schlieren, entwickelte die BBC in Baden einen auf elf Tonnen reduzierten Motorwagen. Die Firma Bertschinger verlegte die Geleise. Das Aufstellen der Masten, oftmals auf Privatgrundstücken am Rand der Strasse, sorgte für heisse Gemüter. Am 19. November 1901 war es dann so weit. Zwei beflaggte Motorwagen fuhren vom Aarauer Rathausplatz die gutgelaunte Festgesellschaft nach Schöftland. «Willkommen sei im Tal der Suhr, die längst ersehnte Schienenspur. Es komm jetzt nur, wir wünschen all, die Schwester auch im Wynental», hielt eine Inschrift fest.
Weniger als die Kutschenfahrt
Drei Jahre später erfüllte sich der Wunsch. Doch vorerst sorgte auch hier die geplante Streckenführung für rote Köpfe. Die Talstrasse von Suhr nach Oberkulm war vorgegeben. Doch würde sie weiter der Strasse nach Zetzwil folgen, wäre Gontenschwil ohne Bahnanschluss. Und die Reinacher fragten sich, ob die Durchfahrt auf der engen Dorfstrasse nicht für Schwierigkeiten sorgen könnte. In Unterkulm und Reinach fanden «Eisenbahnversammlungen» statt. Nationalrat Zschokke setzte sich mit Herzblut für das Tram ein und beschwichtigte die Bauern, dass die Schienenanlagen in die Strasse vertieft würden. Auch hielt man fest, dass die Bahnfahrt von Aarau nach Menziken weniger als die Hälfte einer dreieinhalbstündigen Kutschenfahrt kosten sollte: 1.10 Franken statt 2.60 Fanken und erst noch in einer Fahrzeit von 70 Minuten. Mit dem Aufruf: «Nur mit vereinten Kräften kommen wir ans Ziel,» stiessen die Kompromisslösungen auf guten Boden. Gontenschwil erhielt einen Bahnhof und derjenige von Zetzwil sollte nur rund 300 Meter von der Dorfmitte entfernt sein. Zu reden gab es allenthalben, als 1903 bereits Probefahrten auf dem Streckenabschnitt Aarau-Suhr durchgeführt wurden. Gespött drohte wegen Bauverzögerungen im Oberwynental. An einem herrlichen Frühlingstag am 8. Mai 1904 folgte das Einweihungsfest.
Die Aarau-Schöftland-Bahn startete erfolgreich. Anders sah es bei der Wynentalbahn aus. Da sich bei ihr der Bau wesentlich komplexer und kostenintensiver gestaltet hatte, rutschte sie in die roten Zahlen. Auch das Rollmaterial, vier vierachsige Personenmotorwagen, war um 57 Prozent teurer geworden als budgetiert: 380’000 statt 242’000 Franken. In den ersten zehn Betriebsmonaten transportierte man mit 74-prozentiger Auslastung um die 388’000 Passagiere. Doch man hatte sich mehr erhofft. In den folgenden Jahren galt das Augenmerk den Finanzen, bis sich nach den «Rekonstruktions»-Wirren wieder ein Silberstreifen bei den Geldgebern am Horizont anzeigte.
Der Anschluss ging verloren
1924 nahm die WTB einen eigenen Bahnhof südlich der SBB-Gleisanlagen in Aarau in Betrieb. Dadurch ging der direkte Anschluss an die Suhrentalbahn verloren, die weiterhin durch die Aarauer Innenstadt verkehrte. Die Streckenführung mitten im Autoverkehr erwies sich als unfallträchtig und nicht mehr zeitkonform. 1938 führten die beiden Verwaltungsräte der Suhren- und Wynentalbahn die Geschäfte fortan in Personalunion. Ab 1945 wurden die beiden Schmalspurbahnen auf ein eigenes Trassee verlegt.
1958 fusionierten die beiden Unternehmen zur Wynental- und Suhrentalbahn (WSB). Sieben Jahre darauf wurden die beiden Gleisstränge auch real miteinander verbunden. Zu einem wichtigen Meilenstein wurde 1967 die Inbetriebnahme des 260 Meter langen Tunnels, der das nördlichste Teilstück der Suhrentalbahn durch die Aarauer Innenstadt aufhob.
Die Eigentrassierung der beiden Strassenbahnen wurde verkehrstechnisch immer dringender. Das Gesetz zur Förderung des öffentlichen Verkehrs vom 2. September 1975 hielt fest: «Die Eigenterrassierung ist im Interesse der Verkehrssicherheit und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der Nebenbahnen weiterzuführen.» So erfolgte 1985 eine neue Streckenführung in Gränichen. Vor allem der Abschnitt durch die Dörfer Reinach und Menziken bereitete Sorgen. Morgenrot leuchtete auf, als 1991 auf der parallel verlaufenden normalspurigen Linie Beinwil am See der Personenverkehr eingestellt wurde. Planungen zur Verlegung der WSB-Strecke waren nun angesagt. Nach der Einstellung des Güterverkehrs 1999 konnte das neue Teilstück Reinach Nord – Menziken 2002 eröffnet werden. Zwei Jahre darauf war die Verlegung der Suhrentalbahn in Muhen Tatsache. 2004 schlossen die SBB die von der Nationalbahn 1877 gebaute Strecke Aarau-Suhr. 2006 beschloss der Grosse Rat einstimmig die Verlegung der WSB auf das SBB-Trassee. Seit dem 22. November 2010 ist die neue Streckenführung in Betrieb.
Inzwischen hatte sich auch geschäftlich einiges getan: 2018 fusionierten die Betreiberin der Bremgarten-Dietikon-Bahn, die BDWM Transport AG und die Wynental- und Suhrentalbahn AG zur Aargau Verkehr AG (AVA). Seit 2019 stehen moderne, dreiteilige Saphir-I-Kompositionen und seit 2025 die zweiteiligen Saphir II im Einsatz. Total sind 22 Züge im Linienverkehr der WSB unterwegs. An Ideen für die Zukunft mangelt es nicht: So etwa die Bahnhöfe nach und nach für 120 Meter lange Züge umzurüsten. Denn seit je ist die Aarau-Schöftland-Bahn (AS) in ihrer 125-jährigen Geschichte, mit der Fusion 1958 zur WSB, an den Herausforderungen gewachsen.
Quellen:
«Wynental- und Suhrentalbahn», von Jakob Heer, AT Verlag,
«Vom Gotthardzubringer zur S-Bahn», von Thomas Eichenberger, Chronos Verlag
«Aus der Entstehungszeit der Wynentalbahn» von Raoul Richner.
Infos zum Fest
Festareal: WSB-Bahnhof, Hintere Bahnhofstrasse Aarau.
Tag der offenen Tür: WSB-Werkstatt in Schöftland
Öffnungszeiten: Samstag, 5. September 2026 von 11 – 22 Uhr Sonntag, 6. September 2026 von 10 – 18 Uhr
Eintritt: Kostenlos
www.aargauverkehr.ch/wsbfest






