Die Spannung zwischen Licht und Dunkelheit
20.08.2026 RegionHimmelsgeschehnisse faszinierten die Menschen wahrscheinlich schon vor Kopernikus oder Galilei. Und auch wenn sich die technischen Geräte seither mehr als ein bisschen verbessert haben, sind längst nicht alle Rätsel gelöst. Mitarbeitende des Wynentaler Blattes erinnern ...
Himmelsgeschehnisse faszinierten die Menschen wahrscheinlich schon vor Kopernikus oder Galilei. Und auch wenn sich die technischen Geräte seither mehr als ein bisschen verbessert haben, sind längst nicht alle Rätsel gelöst. Mitarbeitende des Wynentaler Blattes erinnern sich an ihre Erlebnisse mit einer Sonnenfinsternis.
Roland Marti, Redaktionsleiter
Die erste Sonnenfinsternis, die ich bewusst wahrgenommen habe, muss jene vom 29. Apr. 1976 um 10:24:18 Uhr gewesen sein. SoFi-Brillen gab es damals noch nicht. ich erinnere mich, wie unsere Lehrerin ein Becken mit grossen Fensterglas-Stücken in die Schule brachte. Diese mussten wir dann so lange über die Flamme einer Kerze halten, bis das Glas völlig verrusst war. Bewaffnet mit diesem «Werkzeug» standen wir schliesslich fasziniert an der breiten Fensterfront und schauten, wie der Mond die Sonne verdeckte. Ob unsere Russ-Gläser BfU-konform waren, weiss ich nicht, aber es hat funktioniert. Und immerhin haben meine Augen die folgenden 50 Jahre einigermassen schadlos überstanden.
Janine Flückiger, Redakteurin
Ich war knapp 7 Jahre alt, als ich die Sonnenfinsternis im Jahr 1999 miterleben durfte. In der Schule erklärte uns die Klassenlehrerin auf spielerische Weise, was uns erwartet. Doch wirklich vorstellen konnte ich es mir dennoch nicht. Ist es dann stockdunkel? Warum braucht man eine Spezialbrille? Doch meine offenen Fragen wurden überdeckt von der Aufregung. Es war Mittwoch und wir hatten am Nachmittag schulfrei. Zuhause angekommen, war es auch am Mittagstisch Thema Nummer eins. Mein grosser Bruder und ich bekamen von meiner Mutter die Spezialbrillen. Natürlich dauerte es nicht lange und wir spielten damit. Meine Mutter ermahnte uns, dass sie bis zum Ereignis am frühen Abend noch ganz bleiben muss. Ich war ohnehin schon ein ungeduldiges Kind und so wurde es ein langer Mittwochnachmittag. Dann war es so weit: Wir fuhren auf den Geissberg, um eine gute Sicht zu haben. «Nun müsst ihr die Brille aufsetzen und anlassen», sagte meine Mutter mit etwas ernsterer Stimme zu uns. Da mein Bruder sowieso gut darin war, mir Angst einzuhauchen und auch diese Chance nicht ausliess, hielt ich meine Brille schlussendlich so fest, dass meine Hände danach vom Kartonabdruck gekennzeichnet waren. Naja, wenigstens bewirkte seine Geschichte, dass meine Augen geschützt blieben. Als es dann so weit war, konnte ich meinen mein Blick nicht mehr davon abwenden. Von der ersten Überschneidung an wurde ich von diesem Spektakel gefesselt. Es wurde immer dunkler und dunkler, bis nur noch ein Feuerring zu sehen war. Obwohl die Finsternis nur wenige Minuten währte, habe ich selbst heute in meiner Erinnerung noch das Gefühl, dass es viel länger andauerte.»
Graziella Jämsä, Redakteurin
Im Sommer 1999 war die totale Sonnenfinsternis vom 11. August das Thema in allen Medien. Ich lebte zu dieser Zeit bereits in Karlsruhe und erwartete zu diesem Ereignis Besuch aus der Schweiz. Für die passende Aussicht planten wir ein Picknick auf dem nahegelegenen Turmberg. Obwohl wir kurz nach 11 Uhr vor Ort waren, tummelten sich die Menschenmassen bereits. Es wurde gegessen, parliert, Schutzbrillen wurden herumgereicht. Diese stammten übrigens nicht von einem Optiker. Damals fand man sie als Werbegeschenk in verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften. Sie sahen aus, als hätten Kinder mit Glitzerfolie gespielt. Um 12.30 Uhr wurde es für einen kurzen Moment ruhiger. Der Mond verdarb der Sonne die Aussicht auf die Erde. Wie genau es aussah, weiss ich ehrlich gesagt nicht mehr. Ich erinnere mich vor allem an das Gefühl der gemeinsamen Neugier.
Karin Fässler, Medienberaterin
Eigentlich sind mein Mann und ich 1999 eher zufällig zur Sonnenfinsternis gekommen. Wirklich verfolgt haben wir keine der Vorberichte in den Medien. Dafür sind wir spontan Richtung Süddeutschland gefahren, haben uns dort in einem Stück Natur niedergelassen und gewartet. Um 12.30 Uhr herum wurde es plötzlich leiser. Man hörte noch ein wenig Vogelgezwitscher, spürte leichten Wind, dann wurde es dunkel. Wir setzten die Brillen auf und sahen in den Himmel.
Cornelia Bruhin, Medienberaterin
Ich erinnere mich vor allem an jene Sonnenfinsternis in den 70er Jahren. Damals hat unser Lehrer kleine Glasscheiben verteilt, die wir mit einer schwarzen Farbe abdunkelten. Dann haben wir neugierig in den Himmel gesehen. Die Brillen für die Sonnenfinsternis kamen erst später. Die habe ich 1999 für die Familie besorgt. Aber im Gedächtnis geblieben ist mir der Moment als Kind.
Remo Conoci, Geschäftsleiter
Meine erste Sonnenfinsternis erlebte ich wahrscheinlich im Jahr 1999. Das ist so lange her, dass meine Erinnerungen daran auch etwas hinter dem Mond geblieben sind. In einer Kiste mit Dingen, die wir lieber nicht wegwerfen, man könnte sie irgendeinmal noch brauchen, fand ich eine Sonnenfinsternis-«Brille», die damals in der Migros verschenkt wurde. Eigentlich ist es mehr eine Scheibe mit Karton darum. Gross aufgedruckt das Datum: 11.08.99. Damals wie heute fasziniert mich die Präzision, mit welcher Astrophysiker auf die Sekunde genau berechnen können, wo sich die Sonne und der Mond genau befinden. Sie schaffen es auszurechnen, wo sich die Fixsterne des «Sommerdreiecks», Vega, Altair und Deneb hin bewegen, obwohl sie Trilliarden Kilometer auseinander liegen, während es uns hier auf der Erde nicht einmal gelingt, das Verhalten von Elektro-Trotti-Fahrenden einzuschätzen. Seither schweift mein Blick immer wieder gerne in den Nachthimmel, der uns einen Blick in die Vergangenheit gewährt, auf Sterne, deren Licht Jahrtausende braucht, um hier anzukommen und die vielleicht gar nicht mehr existieren. Und dann denke ich, wie klein wir doch sind, hier unten, und doch nehmen wir uns so wichtig.






