Die Schuhmacherei in Schlossrued
20.08.2026 Suhren-/Rueder-/Uerkental, SchlossruedSeit dem Jahre 1955, als Walter Bühlmann in Schlossrued eine Schuhmacherei einrichtete, werden hier Schuhe repariert. Walter Bühlmann war eidg. dipl. Schuhmacher. 1993 machte sein Sohn Heinz die Meisterprüfung und übernahm 1995 den väterlichen Betrieb. Er ...
Seit dem Jahre 1955, als Walter Bühlmann in Schlossrued eine Schuhmacherei einrichtete, werden hier Schuhe repariert. Walter Bühlmann war eidg. dipl. Schuhmacher. 1993 machte sein Sohn Heinz die Meisterprüfung und übernahm 1995 den väterlichen Betrieb. Er erweiterte sein Berufswissen auf die Orthopädie und ist eidg. dipl. Schuhmacher und Orthopädie-Schuhmacher. Dessen Sohn, Lucien, ist inzwischen Orthopädie-Schuhmacher – die Bühlmanns besitzen zweifellos das entsprechende Gen.
Ein Blick in die Werkstatt von Heinz Bühlmann in Schlossrued erinnert an alte Zeiten. Da stehen verschiedene, währschafte und offensichtlich oft benutzte Maschinen und Hilfsmittel, die zum grossen Teil noch aus der Zeit von Walter Bühlmann stammen, jedoch nach wie vor präzise Millimeterarbeit leisten können. «Selbstverständlich haben wir uns der Neuzeit angepasst und inzwischen einige Geräte angeschafft, ohne die es heute kaum noch geht. Aber was sich bewährt hat, kommt auch weiterhin zum Einsatz», so Heinz Bühlmann. Ihm ist es wohl in dieser «alten» Bude, er hat alles, was er braucht, und sein Beruf ist für ihn die Erfüllung.
Frieda Steffen
Er ist ein Schuhmacher mit Herz und viel Talent. Am Anfang seiner Karriere hat er auch Prüfungen abgenommen, sein Fachwissen an Lehrlinge weiter gegeben und aktiv mit dem Schweizerischen Schuhmachermeister-Verband zusammen gearbeitet. Regelmässige Fort- und Weiterbildung sind bei ihm eine Selbstverständlichkeit, zumal er von den Krankenkassen und Unfallversicherungen anerkannt ist. Was vielen nicht bekannt sein dürfte ist die Tatsache, dass Orthopädie-Schuhmacher und -Schuhmacherinnen sich auch medizinische und anatomische Kenntnisse aneignen und sich in diesem Bereich auch stetig weiterbilden müssen. Manchmal braucht es auch noch ein bisschen Psychologie, denn Füsse reflektieren sehr oft den seelischen und körperlichen Zustand des Menschen. «Während der Gespräche rund um die Füsse kommen meine Kundinnen und Kunden oft ins Plaudern und erzählen mir aus ihrem Leben. Dabei denke ich oft: ’Eigentlich kein Wunder, dass die Füsse da nicht mehr richtig mitmachen’», so Heinz Bühlmann.
Massschuhe sind fast unbezahlbar
Selbstverständlich ist Heinz Bühlmann in der Lage, einen Schuh nach Mass von Grund auf selbst herzustellen. «Aber heute kommt kaum noch wer und verlangt so etwas. Spätestens wenn echtes Interesse da ist und der Kunde den Preis hört, sieht er davon ab», erklärt Heinz Bühlmann. Der Orthopädieschuhmacher gehört zu den medizinisch-technischen Handwerksberufen im Gesundheitshandwerkbereich. Konfektionsschuhe werden nach den individuellen Bedürfnissen verändert, angepasst und, wo nötig, mit den entsprechenden Einlagen versehen, bis hin zur Herstellung von orthopädischen Massschuhen. Hinzu kommen die umfassende Beratung und Problemlösungen bei Schuh- und Fussproblemen im prophylaktischen und akuten Bereich. Dabei kann der Orthopädie-Schuhmacher mit seinen Geräten Grösse und Druckstellen genau ermitteln und so, dank seinen profunden Kenntnissen der Anatomie, den Füssen Erleichterung verschaffen und sogar die Körperhaltung positiv beeinflussen – allfällige Hüftschmerzen können in der Folge verschwinden. Zu seiner Kundschaft gehören vor allem Unfallopfer und an Diabetes Erkrankte oder auch Menschen mit Geburtsschäden oder mit unnatürlich verformten und schmerzenden Füssen.
Die Eleganz kommt zurück
Ein Orthopädie-Schuh mit Einlagen kann kaum mehr von einem herkömmlichen modernen Schuh unterschieden werden. Er kann durchaus elegant und modisch daher kommen. Von seinem heilenden, stützenden und schützenden Inhalt ist kaum mehr etwas zu sehen. Bei Heinz Bühlmann kann die Beratung bereits beim Kauf von Schuhen beginnen, denn seiner Schusterwerkstatt ist ein Verkaufsladen für Schuhe angegliedert, wo qualitativ hochstehende Marken im Angebot stehen. Der Laden wird vorwiegend durch seine Frau Doris betrieben, wobei Heinz Bühlmann jederzeit zur eingehenderen Beratung beigezogen werden kann. Wenn aber die Tür zu seiner Werkstatt offensteht, kommen die Kunden mit ihren kaputten Schuhen – oder auch anderem Lederwerk – direkt zu ihm hoch und können eine stets freundliche und kompetente Beratung erwarten. Bei kleineren Reparaturen kann er sogar auf den Franken genau voraussagen, was die Reparatur kosten wird. Bei einem hochwertigen Schuh, zum Beispiel einem Arbeitsschuh, kann die Reparatur gut und gern einiges mehr kosten als ein «normaler» Schuh im Laden kostet. «Aber dann ist der Schuh ein Werkzeug und hat neu vielleicht vier- oder fünfhundert Franken gekostet. Da lohnt sich auch eine teure Reparatur längst, denn gerade bei harter Arbeit ist bequemes und vor allem zweckmässiges Schuhwerk unabdingbar», so der Fachmann. Auch Reitstiefeln widmet er beispielsweise besondere Aufmerksamkeit, denn diese müssen in Form gehalten werden und perfekt sitzen.
Ein Familienunternehmen
Nach dem allzu frühen Tod von Walter Bühlmann damals – er starb ein Jahr nach der Übergabe des Geschäftes an seinen Sohn – hiess es für Heinz zupacken. Er gönnte sich kaum Freizeit, war stets für seine Kundschaft da. Umso mehr freute es ihn, dass Lucien in seine Fussstapfen treten will. Dieser liess sich im Nachbardorf von einem renommierten Orthopädie-Schumacher ausbilden, und es sieht ganz danach aus, dass er später mal das Werk seines Grossvaters und Vaters weiterführen könnte. Heinz Bühlmann, heute 58-jährig, wird sich, «so Gott will», auch nach der Pensionierung nicht vom Berufsleben zurückziehen. «Was soll ich denn sonst machen? Zum Däumchen drehen bin ich nicht geboren. Ich werde allenfalls meinem Sohn beistehen, solange es irgendwie geht. Aber bereits heute freue ich mich darauf, die Verantwortung abzugeben und nicht mehr Tag für Tag präsent sein zu müssen, sondern spontan mal was unternehmen.» Die karge Freizeit füllt er heute aus mit seinen Hunden, mit Velofahrten und dem familiären Zusammensein.
Schusterei im Museum
Nicht vergessen werden darf sein Engagement im Weberei- und Heimatmuseum Ruedertal in Schmiedrued, wo er die Schusterwerkstatt von Reinhard Aerni übernommen und mit originellen Ausstellungsstücken ergänzt hat. An den offiziellen Öffnungszeiten, aber auch bei Führungen führt er die Besucher mit seinem enormem Fachwissen ein in die Welt der Schusterei. Er kann den Interessierten vor Augen führen, wieviele Arbeitsgänge ein guter, nachhaltiger Qualitätsschuh benötigt, was sich schliesslich auch auf den Verkaufspreis auswirkt. Und er kann den frappanten Unterschied zum Billigschuh sichtbar machen. Bei dieser Gelegenheit erklärt er auch die verschiedenen, speziell für diesen Beruf kreierten Werkzeuge und Hilfsmittel. Und er weiss, wozu die ominöse Glaskugel dient – nämlich nicht zum Zukunftlesen. Mit seinen Demonstrationen bereichert er die Ausstellung im Weberei- und Heimatmuseum auf spezielle Art.








