Die offiziellen Verabschiedungen liegen hinter ihnen. Und das Wynentaler Blatt ist nicht die erste Publikation, die nach einem Interview gefragt hat. «Eigentlich muss man doch gar nichts über uns schreiben», findet Susi Lehner. Zum Glück für die Journalistin nimmt ...
Die offiziellen Verabschiedungen liegen hinter ihnen. Und das Wynentaler Blatt ist nicht die erste Publikation, die nach einem Interview gefragt hat. «Eigentlich muss man doch gar nichts über uns schreiben», findet Susi Lehner. Zum Glück für die Journalistin nimmt sich das Paar trotzdem Zeit.
Wie soll das Leben nach der Pensionierung aussehen? Markus und Susi Lehner schauen sich kurz an, bevor sie schallend loslachen. «Die Frage hören wir nicht zum ersten Mal», erläutert Markus Lehner. «Aber die Antwort ist gänzlich unspektakulär. Wir freuen uns aufs Velofahren und Wandern.» «Zum Beispiel ein Städteausflug nach Zürich oder Bern», wirft Susi Lehner ein. Mit dem Velo nach Bern? Sie nicken unisono. «Wir fahren die Strecke ja nicht zum ersten Mal. Das ist unser Vorteil», findet er. «Wir kennen Wege abseits vielfrequentierter Routen.» Kurz vor Bern gebe es ein wunderbares Waldstück. «Verlässt man es, hat man eine tolle Aussicht auf die Stadt.» Diese kleine Momentaufnahme sagt einiges über die zwei Menschen aus. Im Juni 1992 startet Markus Lehner als Hauswart im Neubau des Schulhauses Färberacker 2 sowie dem alten Kindergarten-Pavillon und dem Anbau der Bezirksschule. «Hinzu kam, dass ich mich als gelernter Landschaftsgärtner auch um die Grünanlagen wie die Sportplätze mit Hecken und Rabatten kümmerte.» Das sei ihm ein wichtiges Anliegen gewesen. «Weil es eine Art Visitenkarte ist.» Susi Lehner und ein kleines Team an Reinigungsfrauen managten den Innenbereich.
War die stetige Zusammenarbeit nicht nervig? Die Frage scheint das Paar noch nicht gehört zu haben. «Nein», antworten sie einstimmig. Susi Lehner sinniert einen Moment: «Eigentlich war es ein Vorteil. Wir wussten, wie der andere tickt und dass wir uns aufeinander verlassen können.»
Diese unverkrampfte Haltung pflegte das Paar auch gegenüber den Kindern. Markus Lehner erklärt: «Ich denke, da sind mehrere Aspekte wichtig. Man sollte mit gutem Beispiel vorangehen und sich auch selbst an Vorschriften, wie das Stossen der Velos über den Platz, halten.» Wer absichtlich Chaos zu verursachen probierte, von dem habe er sich am Mittwochnachmittag bei der Arbeit unterstützen lassen. «Aber meistens galt, «wie man in den Wald ruft…» und es kam gut zurück.» Die Lehners lächeln, immer mehr Erinnerungen tauchen auf. «Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die unsere Arbeit geboten hat», sagt Susi Lehner. Wohnen in der gleichen Gemeinde bedeutete, schnell reagieren zu können, wenn die eigenen Kinder zuhause ein Anliegen hatten. «Man konnte immer alles organisieren.» Markus Lehner nickt.
Fällt der Abschied schwer? «Die Begegnungen im Rahmen der Verabschiedungsfeiern waren emotional», sagt Markus Lehner. «Aber grundsätzlich ist es ein guter Moment, die Verantwortung abzugeben», fügt Susi Lehner hinzu. «Als Grosseltern hat man schliesslich auch seine Aufgaben.» Langeweile ist kein Thema, weil die Lehners das normale Leben auf ihre eigene Weise gestalten. Sie lacht: «Viele haben vergessen, wie viel Schönes wir direkt vor uns haben, die Schönheit liegt uns praktisch vor den Füssen. Es gibt so viel zu geniessen.»
Graziella Jämsä