«Die positive Lebenseinstellung prägt mich»
13.05.2026 ReinachLebenswege sind variantenreich, überraschend, herausfordernd, erfüllend und nicht immer planbar. Abzweigungen, Sackgassen, Marathonstrecken und Brückenschläge gehören ebenso dazu wie Erfolgswege und Zieleinläufe. In lockerer Folge berichten ...
Lebenswege sind variantenreich, überraschend, herausfordernd, erfüllend und nicht immer planbar. Abzweigungen, Sackgassen, Marathonstrecken und Brückenschläge gehören ebenso dazu wie Erfolgswege und Zieleinläufe. In lockerer Folge berichten Persönlichkeiten von ihren Lebenswegen. Heute ist es Dany Häfliger (65), Oberstufenlehrer im Centralschulhaus, der nach 41 Berufsjahren kurz vor seiner Pensionierung steht.
Mit zwei jüngeren Schwestern ist Dany Häfliger im See- und Wynental aufgewachsen. «Meine ersten Lebensjahre waren von der Fabrikarbeit meiner jungen Eltern geprägt. Oft wurde ich von meinen Grosseltern und zahlreichen Geschwistern meines Vaters in Mosen betreut», erzählt er lebhaft. Seine Mutter Delia war als 17-Jährige aus dem Dorf Ormelle in der Provinz Treviso in Venetien als Gastarbeiterin in die Schweiz gereist. Zuerst in einer Stickerei in Arth-Goldau und dann in Hitzkirch erhielt sie eine Anstellung als Fabrikarbeiterin. Vater Beat war in einer zwölfköpfigen Familie in Mosen aufgewachsen. Im Drahtwerk Merz in Leimbach ging er zur Abeit. Kaum zwanzigjährig heirateten die beiden. «Als halber Secondo musste ich mich hie und da gegen die abwertende Bezeichnung «Tschinggeli» für eine italienische Familie wehren», erinnert sich Dany Häfliger.
René Fuchs
Die ersten beiden Schuljahre besuchte er die Gesamtschule in Leimbach. Seine Schwester Patricia war im gleichen Klassenzug. Eine glückliche Kindheit, die von Spiel und Spass draussen mit Schulfreunden, auch im Wald, und beim Skifahren am Homberg geprägt war. Zuhause galt es der Mutter aber auch bei der Heimarbeit, dem Entrippen von Tabakblättern, mitzuhelfen.
In einer Genossenschaftswohnung fand die junge Familie 1970 in Reinach eine neue Bleibe. Das war aber nicht die einzige Veränderung. Mit der Nachzüglerin Tamara erblickte eine weitere Schwester das Licht der Welt. Doch die Anfahrt mit dem Velo von Leimbach aus endete mit einem Fiasko. «Mit dem von den Eltern zu Weihnachten geschenkten Fahrrad geriet ich in die WSB-Schienen», erinnert sich der Reinacher Oberstufenlehrer. «Totalschaden und viele Tränen waren die Folge.» Dafür war später die einmalige Mitfahrgelegenheit im VW-Käfer der Klassenlehrerin Lilly Reck in der 3. Klasse vom Centi zum Neumattschulhaus ein besonderes Highlight. Die Käferliebe blieb darauf zeitlebens bestehen.
40 Skilager und 13 Klassenlager
Einen immer höheren Stellenwert genoss der Fussball in der Freizeit beim FC Reinach. Die italienische Nationalmannschaft mit dem offensiven Mittelfeldspieler Gianni Rivera hatte es ihm besonders angetan. Doch für Streiche reichte die Zeit immer noch aus. Der Forschungstrieb führte dazu, dass unterirdische Regenwasserzuläufe zur Wyna ausgekundschaftet wurden. Als die Einlaufgitter entfernt waren, galt es unterwegs Schachtdeckel anzuheben, um zu sehen, wo man sich befand. Brennende Kerzen sorgten für genügend Licht und die Sicherheit, dass es nicht an Sauerstoff mangelte… Ebenso aufregend waren die traditionellen Sommerferienfahrten im vollbeladenen Auto über den Gotthardpass zu den Grosseltern an die Adria.
In der Reinacher Bezirksschulzeit lösten die Skilager unter der Leitung von Abwart Hans Gautschi bei Dany Häfliger eine solche Euphorie aus, dass er in seiner Lehrerzeit an 40 Skilagern und 13 Klassenlagern mit nimmermüdem Engagement als Haupt- oder Hilfsleiter teilnahm. Wohl standen zuerst andere Berufswünsche wie Bordmechaniker und Kinderarzt an. Doch Sportlehrer zu werden, gewann immer mehr an Bedeutung. «Meine Eltern hätten es aber lieber gesehen, wenn ich einen «richtigen Beruf» erlernt hätte, statt ein langes Studium an die Hand zu nehmen», erinnert er sich. «Doch ich rückte nicht von meinem Ziel ab. Während der Kantizeit in Aarau betrieb ich viel Sport und spielte Fussball beim FC Aarau.» Eine Knieverletzung beendete aber abrupt den Berufstraum.
1980 entschloss er sich, die Höhere Pädagogische Lehranstalt in Zofingen zu besuchen. Unbedingt wollte er mit Menschen zusammenarbeiten und beim Unterrichten selbst viel dazulernen. Um die Eltern nicht länger finanziell zu belasten, arbeitete er in den Ferien auf dem Bau oder in Fabriken, wie etwa der Alu Menziken während der Nacht am Fliessband. In die Studienzeit fielen auch die Panzergrenadier-RS in Thun und die Unteroffiziersschule.
Grosse Verbundenheit mit der Region
Im Frühling 1985 war es so weit: «Meine Lehrerzeit begann mit einem Vikariat an der 1. Sek. im Centralschulhaus. Zu stark war ich mit der Region verbunden, als dass ich in Birr oder in Fislisbach die angebotene Stelle angenommen hätte. Doch dann war plötzlich alles anders», sagt er nachdenklich. «Mein Vater verunglückte mit dem Mofa tödlich auf dem Weg zur Arbeit. Ich war froh, in der Nähe meiner Familie zu sein.»
Freud und Leid sind oft nahe beieinander. So auch in dieser aufwühlenden Zeit, als er seine zukünftige Frau Marina, eine erfolgreiche Modedesignerin, im legendären Waag-Pub in Menziken kennenlernte. 1988 heiratete das Paar. Zur grossen Freude wurden ihnen die beiden Kinder Rilana und Mitja geschenkt. In einem kleinen Haus mit grossem Garten am Homberg fanden sie ihr Familienglück. Die Gartenarbeit inspirierte den Reinacher Lehrer zur Arbeit in der Natur. Nur während seiner intensiven vierjährigen Rektoratszeit mit 37 Abteilungen vom Kindergarten bis zur Oberstufe, neben dem Vollzeitjob als Klassenlehrer, blieb kaum mehr Zeit dafür.
1993 kaufte das Paar sein erstes Eigenheim am Stierenberg. 2009 bezog es ein schmuckes Bauernhaus in Wauwil.
41 Reinacher Lehrerjahre zogen ins Land. Die Hälfte zuerst auf der Mittelstufe und darauf als Sekundar- und Reallehrer im Centralschulhaus. Zwölf Jahre lang betreute Dany Häfliger in der Freizeit die D- und C-Junioren des FC Menzo-Reinach. «So lernte ich einige meiner Lernenden auch von einer ganz anderen Seite her kennen», sagt er mit einem Schmunzeln.
Und wie blickt er heute, wenige Wochen vor seiner Pensionierung als Klassenlehrer auf unsere heutige Schule? «Ich geniesse es, bevor ich nach einem halben Jahrhundert von der Schule Reinach Abschied nehmen werde», sagt er mit einem Augenzwinkern. Wissensdurstig, motiviert und frisch von der Leber weg habe er 1985 hier zu unterrichten begonnen. Mit einer wohlwollenden Elternschaft im Rücken, die auch Anfängerfehler verzieh. «Ich hatte das Glück – bis heute – im Grossen und Ganzen mit verständnisvollen Eltern und flotten Schülerinnen und Schülern zusammenarbeiten zu können.» Doch die Umstellung von vier auf drei Oberstufenjahre findet er ungünstig: «Kaum sind heute die Jugendlichen in der Oberstufe, beginnt schon die Berufsfindung und die Stellenbewerbung. Obwohl man sie noch nicht richtig einschätzen kann.» Auch ist Häfliger ein klarer Verfechter der Kleinklasse, die an der Reinacher Oberstufe erhalten geblieben ist. In einer integrativen Oberstufenklasse kämen leistungsbereite Kinder oft zu kurz, da die Lehrperson viel Zeit für Problemfälle einsetzen müsse. Sorgen bereitet ihm das sinkende Leistungsniveau: «Oft haben Jugendliche an der Realschule Mühe, das Textverständnis aufzubringen, um eine Aufgabenstellung selbstständig zu verstehen und darauf in verständlichen Sätzen zu beantworten.» Selbst im Turnunterricht könne man nicht mehr dieselben Fertigkeiten wie früher abrufen. Zum Beispiel hat in seiner Klasse niemand mehr ein Fahrrad. Die Freizeitgestaltung der Jugend sei digitaler geworden. «Viele gesellschaftliche Probleme spiegeln sich heute im täglichen Unterricht wider. Oft ist man mit der Heterogenität gefordert und überfordert, da jeder Schritt auch noch verschriftlicht werden müsse. Immer mehr erzieherische Inhalte fallen in den Bereich der Schule», hält er klar fest.
Jederzeit würde er wieder Lehrer werden, wenn der administrative Aufwand nicht so zunehmen würde. Obwohl mit der Pensionierung auch viel Wehmut mitschwingt, freut er sich auf die kommende Zeit. In Sessa (Malcantone) wird er zukünftig den Südzipfel zwischen Luganersee und Lago Maggiore mit seiner Frau geniessen. Dennoch wird er jeden Monat als leidenschaftlicher Hobbykoch den Kochclub «goldenes Fenchelblatt» im Wynental besuchen und mit seiner Mutter, den beiden Kindern und drei Grosskindern in der Region eng verbunden bleiben.
Und vielleicht ergibt sich ja die Gelegenheit, wieder einmal eine Velotour, wie damals mit der Tochter nach Budapest, zu unternehmen. – Doch eine Lebensweisheit gehört bewusst zum Schluss: Der Einfluss eines guten Lehrers kann niemals ausgelöscht werden. Der grosse Dank samt Anerkennung sei Dany Häfliger, wie allen engagierten Lehrpersonen, die im Sommer pensioniert werden, gewiss.






