«Das Spital Menziken darf nicht lautlos sterben»
10.09.2026 MenzikenEine Region ohne Spital und ohne durchgehenden Notfalldienst – wie konnte es so weit kommen? Diese und weitere kritische Fragen wurden vergangenen Dienstagabend anlässlich einer «Volksversammlung» gestellt. Antworten blieben jedoch weitgehend aus.
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Eine Region ohne Spital und ohne durchgehenden Notfalldienst – wie konnte es so weit kommen? Diese und weitere kritische Fragen wurden vergangenen Dienstagabend anlässlich einer «Volksversammlung» gestellt. Antworten blieben jedoch weitgehend aus.
Die Stimmung in der Halle5737 in Menziken war von Fassungslosigkeit geprägt. Anwesend waren Angestellte des Betriebs, auch ehemalige, und Interessierte aus der Bevölkerung. Was sich an diesem Abend abspielte, kann man als Protokoll verstehen, warum sich sowohl Personal wie auch die Bevölkerung der Region im Stich gelassen fühlen. Etwa wurde bei Wortmeldungen bemängelt, dass kein Mitglied des Gemeinderats Menziken an der Versammlung teilnahm. Nicht einmal der eigene Gemeindesaal sei der Versammlung zur Verfügung gestellt worden.
Verhärtete Fronten zwischen Gewerkschaft und Spitalleitung
Bei Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft VPOD, der Spitalleitung und dem Verwaltungsrat sei kein echtes Interesse an Gesprächen oder Härtefall-Lösungen auszumachen gewesen, führte Regionalleiter Dariyusch Pour Mohsen gegenüber der Versammlung aus. Im Anschluss sei von der Asana Gruppe eine Medienmitteilung verschickt worden, die man «als gezielter Tiefschlag» wahrgenommen habe. Darin heisst es, die Forderungen nach Abfindungszahlungen in Millionenhöhe seien finanziell nicht verkraftbar. Höhere Zahlungen würden das Spital in die sofortige Zahlungsunfähigkeit treiben. Die Schliessung des Akutspitals per Ende Oktober 2026 sei aufgrund sinkender Fallzahlen unausweichlich. Während die Führung sich auf den Standpunkt stellt, die Neuorganisation verlaufe «professionell», empfindet das Personal das Vorgehen auch an diesem Abend als Versuch, Widerstand im Keim zu ersticken.
Überrumpelt und im Stich gelassen
Das Personal sei überrumpelt worden von der Kündigung, führte Mohsen weiter aus. Daraufhin erzählten Mitarbeitende und ehemalige Patienten ihre persönliche Geschichte. Immer wieder hiess es, das Spital Menziken sei das Herz einer ganzen Region. Die Kommunikation des Verwaltungsrats und der Spitalleitung seien mehr als schlecht. Man fühle sich im Stich gelassen. Auch die gesetzliche zweiwöchige Konsultationsfrist reiche nirgends hin. Viele sprachen im Zusammenhang mit der Schliessung von einem «Bubentrickli», das man kurz vor den Sommerferien durchgezogen habe, um die Belegschaft zu schwächen.
Dem Narrativ seitens der Führung, der Arbeitsmarkt werde alle Gekündigten auffangen, wurde widersprochen. Absagen auf Bewerbungen bei den Kantonsspitälern in Aarau und Luzern wurden teilweise wegen angeblich «unzureichender Ausbildung» abgewiesen. Für eine «gewisse Altersgruppe», so wurde gesagt, gebe es in der Region schlicht keine Stellen mehr.
War die Umwandlung des Spitals in eine Aktiengesellschaft der Fehler?
Einer der zentralen Kritikpunkte des Abends war dieser: Die Umwandlung des Spitals in eine Aktiengesellschaft. Eine Aktiengesellschaft müsse gewinnorientiert arbeiten, doch die Frage sei, wie gewinnbringend eine Gesundheitsversorgung sein kann, hiess es aus den Reihen der Veranstaltungsteilnehmenden. Mit der Umwandlung des Spitals in eine AG habe sich die gesamte Logik des Betriebs verändert. Die regionale Gesundheitsversorgung sei plötzlich nach betriebswirtschaftlichen Kriterien beurteilt worden. Viele Stimmen erhoben wiederholt den Vorwurf, das Spital Menziken sei bewusst heruntergewirtschaftet worden. Ein Vorwurf, zu dem sich beschuldigte Personen an diesem Abend nicht wehren konnten.
«Wo bleibt die medizinische Versorgung»?
Die Voten aus der Versammlung waren emotional geprägt, einige Mitarbeitende stellten ernüchtert fest, dass vielen Wynentalern noch gar nicht bewusst sei, was auf sie zukommt. «Wo sonst gibt es das in der Schweiz, dass für eine Region mit knapp 50’000 Einwohnern keine ausreichende Notfallversorgung mehr besteht?» war eine der Fragen, oder: «Was bedeutet diese Lücke für jene Menschen, die nicht mehr Auto fahren können, die allein leben, die zu Fuss ins Spital gehen, weil es die einzige erreichbare medizinische Anlaufstelle ist?»
Weil niemand, der diese Fragen hätte beantworten können im Saal war, blieben auch weitere Fragen offen, die gestellt wurden. Fragen zur Kostendeckung durch die Krankenkasse. Das Fehlen des Luzerner Kantonsspitals in Sursee auf der neuen Spitalliste des Kantons Aargau. Aber auch Fragen über die Finanzierung bei geplanten Eingriffen, die künftig nicht mehr gesichert seien. Müssen Patientinnen und Patienten die Differenz zu den höheren Luzerner Tarifen künftig selber bezahlen?»
Aufruf zum «grossen Protest»
Angesichts der grossen Unzufriedenheit und der vielen offenen Fragen blieb den Anwesenden zum Schluss der Veranstaltung nur der gemeinsame Aufruf zum deutlich hörbaren Protest: «Das Spital Menziken darf nicht lautlos sterben!»
Dominique Rubin

