Brüder-Duo will eine WM-Medaille holen
01.10.2026 SportElia und Noël Seiler gehören zu den besten Unihockeyspielern des Landes. Als Buben schossen sie einst zu Hause in Schöftland Tausende von Bällen aufs Garagentor. Ihr Beispiel zeigt auf, dass nebst Talent, mit viel Ehrgeiz und Beharrlichkeit Ziele realisiert werden ...
Elia und Noël Seiler gehören zu den besten Unihockeyspielern des Landes. Als Buben schossen sie einst zu Hause in Schöftland Tausende von Bällen aufs Garagentor. Ihr Beispiel zeigt auf, dass nebst Talent, mit viel Ehrgeiz und Beharrlichkeit Ziele realisiert werden können.
Zwei Brüder – zwei Unihockey-Cracks und ein Saison-Highlight: Die Weltmeisterschaften im finnischen Tampere von Anfang Dezember (5. bis 13. Dezember). Elia ist 22-jährig und spielt heuer die zweite Saison bei Floorball Thurgau, Noël ist 25-jährig und spielt seit zwei Jahren für das schwedische Spitzenteam IBF Falun. Der Co-Captain der Nationalmannschaft wurde erst kürzlich für sein 50. Länderspiel geehrt. Für Elia standen letzte Woche noch zwei wichtige internationale Turniere an, und zwar im Champions-Cup mit den drei Top-Nationen Schweden, Finnland und Tschechien. Und auch heute steht noch ein Spiel in Tschechien an. Und im Oktober trifft Elia Seiler beim Nati-Zusammenzug auf seinen Bruder für die letzten Länderspiele. Letztere gelten als WM-Hauptprobe und ideale Vorbereitung für die Weltmeisterschaften.
Zum ersten Mal zusammen auf der Weltbühne des Unihockeys
Die beiden jungen Männer sind in Topform und motiviert für die Unihockey-WM in Tampere. Dort wollen sie beweisen, dass die Schweiz zu den fünf besten Teams der Welt gehört. Darüber hinaus liebäugeln sie mit einer Medaille, obwohl das kein leichtes Unterfangen sein wird. Beide favorisieren Teams wie Schweden und Finnland. «Es ist nicht unrealistisch», sagt denn auch Noël Seiler, aber gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass es einige Top-Teams gibt, die auch gewinnen wollen und ähnlich stark seien. (Lettland, Tschechien und Slowakei und so weiter). Der Co-Captain: «Am Tag X braucht es von jedem einzelnen Spieler 100 Prozent.»
Kathrin Aerni
Elia: «Ich freue mich darauf, auf grosser Bühne vor mehreren Tausend Zuschauern zu spielen und die Nationalhymne zu singen, erfüllt mich mit grossem Stolz.» Für den WM-Neuling geht es nicht nur um das Sportliche, sondern auch darum, die tolle Ambiance eines solch internationalen Turniers aufzusaugen. Obwohl es natürlich auch mega-cool sei, gegen die besten Teams der Welt anzutreten.
«Es ist sicher wichtig, gut ins Turnier zu starten gegen den Titelverteidiger Finnland», sagt Elia Seiler. Grundsätzlich habe aber jedes Spiel seine eigene Herausforderung. Man habe bei vermeintlich schwächeren Teams oft den Druck, unbedingt gewinnen zu müssen, so Seiler.
Das Zusammenspiel mit seinem Bruder habe schon sehr gut geklappt, erzählt Noël Seiler, weil er auf dem rechten Flügel und Elia auf dem linken Flügel auf der Mittelfeldposition spiele.
Wie die sportliche Laufbahn begann
Er sei mit sechs Jahren durch seinen Bruder und Vater zum Unihockey gekommen, blickt Elia zurück. Sein um drei Jahre älterer Bruder habe ein Schnuppertraining besucht und dann habe es ihm den Ärmel reingezogen. «Ich hatte alle möglichen Ballsportarten ausprobiert, insbesondere Handball und Fussball.» Auch sein Vater ist laut den beiden Brüdern ein Ballfanatiker und «hat uns Söhnen diese Leidenschaft weitergegeben». Zudem war ihr Vater André Seiler Coach in verschiedenen Schweizer Unihockey-Clubs. Aktuell ist er wieder bei Unihockey Mittelland und trainiert die 1. Liga der Herren. «Er hat mich und meinen Bruder immer unterstützt, aber auch mein gesamtes Umfeld.»
«Als Kind hatte ich am meisten Freude am Unihockey. Mein Bruder und ich spielten oft zusammen Unihockeybälle aufs Garagentor», schmunzelt Elia Seiler.
Mit viel Fleiss und Beharrlichkeit an die Spitze
«Ich habe fast immer den gleichen sportlichen Weg verfolgt wie mein Bruder», blickt Elia Seiler zurück. Angefangen habe er beim Unihockey Mittelland (Olten und Zofingen). Dann folgte Floorball Köniz. Das erste Jahr hatte er eine Doppellizenz: Nachher eine normale Lizenz für Köniz. Elia Seiler spielte bei den U18 Junioren bei GC und habe dort auch seine Ausbildung gemacht und viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. GC gehörte damals zu den besten Schweizer Teams, und es spielte fast die halbe Mannschaft in der Nati. Swiss Unihockey hat ihn sogar als besten Newcomer 2023/24 ausgezeichnet. Gesamthaft spielte er während fünf Jahren bei GC, ab der Saison 2020/21. Davon drei Saisons in der obersten Altersklasse und Liga (L-UPL-Team). Mittlerweile agiert der 22-jährige Mittelfeldspieler für Floorball Thurgau, das noch nicht zu den drei besten Teams des Landes zählt.
Erst kürzlich hat er seine Stelle als Primarschulassistenz angetreten. Später möchte er die Pädagogische Hochschule absolvieren und Primarlehrer werden. Elia ist sich bewusst, dass das Leben als Unihockeyspieler auf solch hohem Niveau altersbedingt begrenzt ist.
Arbeit ist wichtig als Ausgleich
Allerdings besteht auch beruflich eine Parallele zwischen den beiden ehrgeizigen, sportlichen Brüdern. Auch Noël übt in Schweden den Job eines Primarschulassistenten aus. Sein Arbeitspensum für seinen Club in Falun liegt jedoch bei 80 Prozent. «Es hilft mir, einen Ausgleich zum Unihockey zu haben», sagt der 25-Jährige. Er lebe seit zwei Jahren mit seiner Freundin im schwedischen Falun und könne nun Englisch und Schwedisch. Noël Seiler macht keinen Hehl daraus, dass es zu Beginn einige Stolpersteine zu überwinden galt: Neue Sprachen und Menschen sowie ein anderes Umfeld. «Die Arbeit in Schweden hat nicht den gleich hohen Stellenwert wie in der Schweiz, dafür das Unihockey umso mehr.» Schweden ist die gegenwärtige Weltnummer 1. Laut Noël wird dort in viel grösseren Hallen gespielt, und das vor x-Tausend Zuschauenden. «Die Aufmerksamkeit ist grösser und die Infrastrukturen sind besser, was einen noch mehr motiviert.» Sein Ziel sei es schon immer gewesen, in der schwedischen Liga zu spielen.
Kalte, dunkle Winter in Schweden
Es gebe Vor- und Nachteile: Der Lebensstil sei etwas gemütlicher. Dafür sind die Winter sehr kalt und dunkel», räumt der 25-Jährige ein. Daran habe er sich gewöhnen müssen. «Ab und zu vermisse ich meine Familie, Verwandte und Freunde schon.» Doch mit der täglichen Routine und den vielen Trainingseinheiten sowie der Klassenassistenz bleibt nicht mehr vier Platz für Heimweh. Er besuche drei- bis fünfmal pro Jahr die Schweiz. Nicht zuletzt auch wegen den Nationalmannschaftsspielen. «Ich habe ein Grundvertrauen, dass es gut kommt, obwohl ich immer hart kämpfen musste, um meine Ziele zu erreichen.»
Auch Elia ist ein Kämpfer und trainiert hart, um sich in der anspruchsvollen Teamsportart stetig weiterzuentwickeln. «Ich bin fasziniert von der schnellen Team-Hallensportart, nicht zuletzt auch wegen der technischen Komponente, die dem Eishockey ähnlich ist», sagt der pfeilschnelle Athlet.
Eines hat der jüngere der beiden Brüder dem älteren voraus: Er hat vor drei Jahren mit der U19-Nati in Dänemark WM-Silber gewonnen. Dort hat er einige Tore geschossen. Und nun spielen die beiden Brüder − wenn alles klappt − zusammen mit einem anderen Brüder-Duo mit der Nati in Finnland. Wenn das kein gutes Omen ist.



