Ausser es sind Grosse dabei, und Mädchentore zählen doppelt
04.06.2026 SportAb 11. Juni 2026 findet die Endrunde der 23. Fussball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA statt. 211 Teams spielten um die Qualifikation, 48 Nationen kämpfen bis am 19. Juli um den Weltmeistertitel. Ein Sieger steht bereits heute fest: Die FIFA.
Fairplay ...
Ab 11. Juni 2026 findet die Endrunde der 23. Fussball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA statt. 211 Teams spielten um die Qualifikation, 48 Nationen kämpfen bis am 19. Juli um den Weltmeistertitel. Ein Sieger steht bereits heute fest: Die FIFA.
Fairplay und Integrität, Respekt und Menschenrechte, Gemeinnützigkeit, Entwicklung und Transparenz. Diese schönen Begriffe gehören zu den Grundsätzen, die sich der Welt-Fussballverband FIFA auf die Brust geschrieben hat. Der Verband verfügt sogar über ein Ethik-Reglement, das Korruption und Spielmanipulationen verhindern soll. Durch die Vermarktung erreichen Endrunden einen Drittel der Weltbevölkerung, so viele Menschen, wie sonst keine andere Sportart.
Auf der anderen Seite geriet der Weltfussballverband mit seinen Entscheiden über die Durchführungsorte der Weltmeisterschaften in Russland (2018) und Katar (2022) in die Negativschlagzeilen. Schon 1978 fand die WM mit Argentinien in einem Land statt, das damals von der brutalen Militärjunta regiert wurde. Nur schwer lassen sich diese Austragungsorte mit «Menschenrechten», oder «Gemeinnützigkeit» vorbehaltlos verbinden. Das gilt auch für die USA, einem Land, dessen Präsident den Rest der Welt beschimpft und im günstigsten Fall mit Zöllen bedroht. Dieses Jahr stehen zudem die horrenden Ticketpreise in der Kritik. Zwar führte die FIFA für ein paar wenige Tickets einen tieferen Preis von 50 Franken ein, doch schon für die nächsthöhere Kategorie liegen die Preise bei 250 Franken für ein Gruppenspiel, und mindestens 3500 Franken für den Final. Für die besten Plätze (rund 50% der Kapazitäten) verdoppeln sich die Preise noch einmal. Der Weltverband rechnet mit fast 9 Milliarden Franken Reingewinn.
Diskussionen über einen Boykott
Vor allem der politische Zwist führte dazu, dass einige Landesverbände einen Boykott diskutierten, im Wissen jedoch, wohin die Überlegungen führen werden. In Grossbritannien, den Niederlanden und Deutschland kam man überall zum gleichen Schluss: Der Schaden würde den Nutzen bei Weitem übertreffen. Auch der Zentralvorstand des Schweizerischnen Fussballverbands SFV hat im Januar dieses Jahres darüber beraten. Adrian Arnold, Mediensprecher des SFV fasste es so zusammen: «Ein Boykott würde die Falschen treffen, nämlich die Spieler, die sich rein sportlich, unabhängig von allem, was politisch auf der Welt passiert, für die WM qualifiziert haben. Ein Boykott einer Schweizer Nati oder eines Fussballteams hat keinen Einfluss auf die Weltpolitik.»
Darum dürfen wir uns auf die Weltmeisterschaft freuen
Eigentlich spricht viel dafür, die Fussball-WM nur mit einem schlechten Gewissen geniessen zu können. Und dennoch wird das Ereignis erneut Milliarden von Menschen in seinen Bann ziehen. In der Schweiz werden die Public Viewings, je nach Abschneiden der Nati, rappelvoll sein. Für die Spieler ist es das höchste aller Gefühle, sich auf einer solchen Bühne präsentieren zu können. Für Kulturen und Fans kleinerer Länder ist es die einmalige Chance, überhaupt einmal auf sich aufmerksam machen zu können. Curacao, Usbekistan, Kap Verde – kaum jemand in der Schweiz könnte alle drei Länder auf einer Weltkarte auf Anhieb markieren. Gleiches gilt übrigens, wenn man einen Usbeken fragen würde, wo genau die Schweiz liegt.
So bleiben eben auch sehr viele Gründe, sich auf die Fussball-WM zu freuen: Der Sport steckt nämlich vielen Menschen buchstäblich in den Beinen. In der Schweiz gibt es 360’000 lizenzierte Fussballerinnen und Fussballer, die in 18’000 verschiedenen Teams spielen. Alleine die Super League generiert eine Wertschöpfung von 665 Millionen Franken und auch der ganze Juniorenund Amateurbereich ist ein Wirtschaftsmotor: Sportkleidung, Reisen, Unterkünfte, Sportstätten, Ausbildungen, Gastronomie und Events generieren zusammen Milliardenumsätze.
Kurz zusammengefasst: «Weeeeeeeenuss vo Bümpliz»
Die Einfachheit des Fussballs ist trotz VAR und Millimeterentscheiden geblieben und unterscheidet sich kaum vom Match auf dem Schulhausplatz: Ein Feld, zwei Tore, die gleiche Anzahl Spieler pro Team. Ausser es sind Grosse dabei, und Mädchentore zählen doppelt. So lauteten die Regeln jedenfalls früher. Dazu endlos lange Diskussionen über Abseitspositionen und Spieler, die sich nach einem Foul theatralisch übers Spielfeld rollen. Dem Gegenspieler danach den Ball zwischen den Beinen durchspielen, einmal eine Flanke ins Lattenkreuz jagen, als Zuschauer eine Träne des Misserfolgs vergiessen, oder nur einmal im Leben das Lied «W. Nuss vo Bümpliz» live hören – und man vergisst diese Emotion nie wieder. Emotionen, die eigentlich nur Fussball (und vielleicht noch Eishockey) hervorrufen kann. Emotionen, die man sich auch von einer geldgierig wirkenden FIFA nicht nehmen lässt.
Remo Conoci
Das Aufgebot der Schweizer Nationalmannschaft
Tor
Marvin Keller (YB)
Gregor Kobel (Dortmund)
Yvon Mvogo (Lorient)
Defensive
Manuel Akanji (Inter Mailand)
Aurèle Amenda (Eintracht Frankfurt)
Eray Cömert (Valencia)
Nico Elvedi (Gladbach)
Luca Jaquez (Stuttgart)
Miro Muheim (HSV)
Ricardo Rodriguez (Betis Sevilla)
Silvan Widmer (Mainz)
Offensive
Michel Aebischer (Pisa)
Zeki Amdouni (Burnley)
Breel Embolo (Stade Rennes)
Christian Fassnacht (YB)
Remo Freuler (Bologna)
Cedric Itten (Fortuna Düsseldorf)
Ardon Jashari (AC Milan)
Johan Manzambi (SC Freiburg)
Dan Ndoye (Nottingham)
Noah Okafor (Leeds United)
Fabian Rieder (Augsburg)
Djibril Sow (FC Sevilla)
Ruben Vargas (FC Sevilla)
Granit Xhaka (Sunderland)
Denis Zakaria (Monaco)
Funktionäre
Murat Yakin (Nationaltrainer)
Davide Callà (Assistenztrainer)
Patrick Foletti (Torhütertrainer)
Eduardo Parra Garcia (Athletiktrainer)
Kevin Ehmes (Spiel- und Videoanalyst)
Pierluigi Tami (Direktor Schweizer Nati)
Peter Knäbel (Präsident SFV)

