Ausblick, Rückblick, Apéros
28.05.2026 Michelsamt, RickenbachEinmal im Monat berichten die einzelnen Rickenbacher Gemeinderäte und der Geschäftsführer abwechslungsweise über Aktivitäten aus ihrem Tätigkeitsgebiet und informieren auf diese Weise die Bürgerschaft über persönliche Erfahrungen und ...
Einmal im Monat berichten die einzelnen Rickenbacher Gemeinderäte und der Geschäftsführer abwechslungsweise über Aktivitäten aus ihrem Tätigkeitsgebiet und informieren auf diese Weise die Bürgerschaft über persönliche Erfahrungen und Eindrücke. Den Mai-Beitrag liefert Geschäftsführer Peter Fischer.
Der geneigte Leser mag wohl staunen über den Titel meiner Mai-Kolumne, werden doch Rück- und Ausblicke üblicherweise Ende Jahr vorgenommen. Doch weil die auf Juni angesetzte Gemeinderatsklausur vorverschoben werden musste, fand diese genau einen Tag vor der Frühlings-Gemeindeversammlung statt: Ausblick vor Rückblick, sozusagen. Trotzdem starte ich hier mit dem Rückblick.
Rückblick …
Am 20. Mai fand die Rechnungs-Gemeindeversammlung in der Mehrzweckhalle Pfeffikon statt. Da Chefredaktor Martin Sommerhalder in dieser Ausgabe des Anzeigers Michelsamt bestimmt ausführlich über «Facts and Figures» berichten wird, erlaube ich mir ein paar persönliche Eindrücke und Gedanken.
Wir sind in den letzten Jahren weggekommen von der Präsentation eines grossen Zahlenfriedhofs. Die von jedem einzelnen Gemeinderatsmitglied vorgestellten Highlights pro Aufgabenbereich und die Bilder von erledigten Projekten dürften für die meisten Anwesenden abwechslungsreicher und interessanter sein als endlose Zahlenbeigen, die ja in der Kurz- und der Detailbotschaft bereits zu finden sind. Einen guten und aktuellen Überblick über die finanzielle Lage der Gemeinde erhalten die Teilnehmenden allemal.
Fragen und Kritik sind an unseren Gemeindeversammlungen selten. Auch an der Versammlung von letzter Woche wurde nichts in Frage gestellt. Wir nehmen das als Kompliment, dass die Anwesenden mit den übermittelten Informationen zufrieden sind und das Wesentliche verständlich präsentiert wird.
Auch am 20. Mai wurden alle Anträge des Gemeinderats einstimmig angenommen. Dies ist nicht nur beim «Absegnen» der Jahresrechnung üblicherweise der Fall, sondern in den letzten Jahren erfreulicherweise meist auch bei grösseren Kreditanträgen. Dies werten wir als Zeichen, dass die Stimmbürgerinnen und -bürger mit der Arbeit des Gemeinderats und der Verwaltung einverstanden sind.
Am 20. Mai nahmen 74 Stimmberechtigte an der Gemeindeversammlung teil. Dies entspricht bei aktuell total 2434 stimmberechtigen Rickenbacherinnen und Rickenbachern einer Quote von 3 Prozent. Urteilen Sie selbst! Erfreulich ist, dass ein treuer Sockel von politisch interessierten Bürgern an jeder Gemeindeversammlung teilnimmt. Erfreulich ist auch, dass immer wieder neue, neu zugezogene und ab und zu auch junge Gesichter entdeckt werden können. Nachdenklich stimmt mich, dass diese Gruppe eigentlich viel grösser sein müsste.
Deshalb mein Aufruf an die treuen Versammlungsbesucher: Machen Sie Werbung für den Anlass, nehmen Sie das nächste Mal jemanden mit, der noch nie oder schon lange nicht mehr an einer Gemeindeversammlung war! An die bisherigen «Gemeindeversammlungs-Abstinenzler»: Kommen Sie an der nächsten Versammlung vorbei und machen Sie sich ein eigenes Bild! Die nächste Gemeindeversammlung findet am Donnerstag, 3. Dezember 2026, im Kubus in Rickenbach statt. Tragen Sie dieses Datum schon heute dick in ihrem Terminkalender ein!
Ausblick …
Am 19. Mai setzte sich der Rickenbacher Gemeinderat zur jährlichen Klausur zusammen. Während ich als Geschäftsführer seit Jahren an diesem wichtigen Zusammentreffen des Gemeinderats dabei bin, nahm unsere neue Gemeindeschreiberin Jana Galliker erstmals teil. Die Klausur bietet jeweils Gelegenheit, ausserhalb der gewohnten Räumlichkeiten und fern vom Tagesgeschäft den Blick in die Zukunft zu richten und für die Entwicklung der Gemeinde wichtige Themen vertieft zu diskutieren.
An der diesjährigen Klausur wurde zuerst der Stand der Zielerreichung der im Herbst 2024 festgelegten Legislaturziele 2025–2028 überprüft. Wir konnten feststellen, dass in den einzelnen Aufgabenbereichen verschiedene Ziele schon erreicht wurden. Aber die Arbeit wird uns bis 2028 nicht ausgehen. Danach diskutierten wir verschiedene wichtige Themen, die uns in Rickenbach bereits beschäftigen oder in naher Zukunft relevant werden.
Eines dieser wesentlichen Themen an der Klausur ist jeweils die Personalund Nachfolgeplanung im Gemeinderat und in der Verwaltung. Mit Andreas Wermelinger als neuem Gemeinderat Ressort Bau + Infrastruktur und Jana Galliker als neuer Gemeindeschreiberin wurden erste Meilensteine erreicht. Meine Nachfolge ist zum Teil ebenfalls bereits geregelt. Im Herbst 2026 wird ein neuer Bereichsleiter Bau + Infrastruktur seine Arbeit aufnehmen. Im Verlauf des Jahres 2027 wird die Suche nach einer Geschäftsführerin oder einem Geschäftsführer lanciert. Ich werde mich, wie bereits angekündigt, per Ende April 2028 vorzeitig pensionieren lassen. Das Gemeinderatsgremium soll von mehreren gleichzeitigen Mutationen verschont bleiben. Aus heutiger Sicht – und unerwartete Entwicklungen vorbehalten – sollte dies realisierbar und so die Kontinuität im Gremium sichergestellt sein.
Zwei besonders anspruchsvolle Themen seien hier noch exemplarisch erwähnt. Zum einen die Altersversorgung: In der Planungsregion Sursee fehlen in den nächsten Jahren über 300 Langzeitpflegeplätze. Für viele Institutionen und Gemeinden ist aber weitgehend unklar, wie sie sich positionieren und ob und wo sie investieren sollen, da klare Vorgaben und Zusagen seitens des Kantons weitgehend fehlen. Dieses Thema wird noch lange auf der Traktandenliste bleiben.
Immer wieder werden Wünsche im Bereich des öffentlichen Verkehrs geäussert, sei es die Anbindung des Ortsteils Pfeffikon an den Bahnhof Reinach oder eine direkte Verbindung von Pfeffikon nach Rickenbach. Die bisher getroffenen Abklärungen zeigen leider recht deutlich auf, dass ein entsprechendes Angebot, wenn betrieblich und fahrplantechnisch überhaupt umsetzbar, aus finanzieller Sicht nicht zu verantworten wäre und im Vergleich zu den zu erwartenden Passagierfrequenzen in einem argen Missverhältnis stehen würde.
Im Weiteren wurde der Masterplan Strassen besprochen: Die im Plan 2022–2030 vorgesehenen Projekte dürften aus heutiger Sicht bis Ende 2028 umgesetzt sein. Der Gemeinderat hat sich deshalb mit den Prioritäten für die Jahre 2028–2036, also für die nächste und die übernächste Legislaturperiode befasst. In Abstimmung mit den Bedürfnissen der Wasserversorgungen und dem Sanierungsbedarf der Kanalisation wurde eine erste Priorisierung erstellt. Dabei zeichnet sich ab, dass der Sanierungsbedarf im Ortsteil Pfeffikon in den nächsten Jahren grösser und dringender ist als im Ortsteil Rickenbach. In einem nächsten Schritt wird der Zeitplan konkretisiert und für die einzelnen Projekte werden erste Kostenschätzungen erstellt.
Das Fazit der Klausur: Die Arbeit wird uns nicht nur bis 2028, sondern auch in den darauffolgenden Jahren nicht ausgehen.
… und Apéros
Ja, der Mai hat es jeweils in sich. Ich verzichte darauf, alle Versammlungen oder sonstigen politischen und kulturellen Anlässe aufzuzählen, an denen ich im Mai 2026 teilgenommen habe. Ich komme auf 11 Apéros oder sonstige Verköstigungen anlässlich oder nach total 14 Veranstaltungen, und das an 19 Arbeitstagen. Ohne Anspruch auf absolute wissenschaftliche Genauigkeit entspricht dies einer «Apéroquote» von beachtlichen 78,6 %. Was natürlich bedeutet, dass für mein leibliches Wohl im Wonnemonat Mai gesorgt war.
Wenn Sie jetzt denken: Dem geht’s nur ums Essen und Trinken, dann stimmt das … nur sehr bedingt. Ein Apéro nach Veranstaltungen oder Versammlungen hat einen grösseren Wert als die blosse «Magenfüllung». Informelle Gespräche anlässlich von Apéros nach Veranstaltungen sind manchmal fast so wichtig wie die Veranstaltung selbst. Wissen und Erfahrungen können ausgetauscht werden. Fragen wie: «Hattet ihr dieses Problem auch schon? Wie handhabt ihr das? Was kannst du mir raten?» lassen sich nie einfacher stellen. Und oft kriegt man brauchbare Antworten und gute Tipps. Trotzdem beende ich meine Kolumne mit der Feststellung, dass ich wieder einmal etwas für mein Image als Apéroliebhaber getan habe.
Peter Fischer


