Auf dem Hofacker wurde gerodet
02.04.2026 MenzikenDer stattliche Baumbestand, der den Park rund um die Villa Hofacker zwischen Schwarzenbachund Kasernstrasse zierte, wurde vor wenigen Tagen gerodet – entgegen der im Baugesuch erwähnten Absicht.
Ende März 2025 bewilligte der Gemeinderat Menziken das Baugesuch der Gjeloshi ...
Der stattliche Baumbestand, der den Park rund um die Villa Hofacker zwischen Schwarzenbachund Kasernstrasse zierte, wurde vor wenigen Tagen gerodet – entgegen der im Baugesuch erwähnten Absicht.
Ende März 2025 bewilligte der Gemeinderat Menziken das Baugesuch der Gjeloshi Invest AG (damals in Pfäffikon SZ, mittlerweile in Hurden SZ domiziliert) für eine grössere Überbauung an der Schwarzenbachstrasse. Auf dem Areal der altehrwürdigen Villa Hofacker, einem riesigen, fünf Parzellen umfassenden Anwesen, sollen 78 Wohnungen entstehen. Gemäss Baugesuch war von Kosten in Höhe von 36 Millionen Franken die Rede. Der parkähnliche Charakter und der stattliche Baumbestand sollten allerdings erhalten bleiben.
Trotz vorhandener Baubewilligung blieb es vorerst lange still auf dem Hofacker. Bis vor ein paar Tagen die Kettensägen dröhnten und – zur Überraschung der Anwohner – all die vielen stattlichen Bäume fielen. Übrig blieb eine «Mondlandschaft» mit etlichen Baumstrünken und ein riesiger Holzhaufen. Waren die Ausführungen im Baugesuch ein Täuschungsmanöver, oder einfach ein Lippenbekenntnis? «Nein», sagt Susann Reber, Executive Assistant der in Pfäffikon domizilierten Erlenmoos AG, der Besitzerin der altehrwürdigen Hofacker-Villa, und erklärt die für Aussenstehende überraschende Fäll-Aktion. «Es ist korrekt, dass unser ursprüngliches Ziel und die darauf basierende Baubewilligung vom August 2024 den Erhalt von 24 Bäumen vorsah. Die Häuser wurden von Anfang an aufwendig um den Baumbestand herum geplant. Im Zuge der fortschreitenden Detailplanung und einer erneuten Beurteilung vor Ort mussten wir diese Absicht jedoch revidieren.»
Fachliche Neubeurteilung und Sicherheitsaspekte
Wie Reber weiter ausführt, habe man im März 2026 – über drei Jahre nach der ersten Beguachtung der Bäume sowie der Planung – den Baumbestand gemeinsam mit dem Förster Christian Siegrist vom Forstbetrieb Aargau Süd detailliert neu begutachtet. Dabei seien bei zahlreichen Bäumen gravierende Mängel festgestellt worden: «Viele Bäume, darunter Birken, haben ihr natürliches Lebensalter erreicht oder weisen bereits abgebrochene Äste im Kronenbereich auf. Zudem wurden tiefe Faulstellen und Wurzelschäden identifiziert, die insbesondere bei den Zypressen zu einer akuten Windwurfgefahr führten.»
Die Detailplanung der Tiefgarage habe ausserdem verdeutlicht, dass für einen dauerhaften Erhalt der gesamte Kronentraufbereich hätte gesichert werden müssen. Durch den notwendigen Aushub wären die Wurzeln der alten Bäume so massiv geschädigt worden, dass deren Überleben nicht gesichert gewesen wäre.
Das damit verbundene Sicherheitsrisiko für die Bauarbeiter während der Erstellung sowie für die künftigen Bewohner nach Fertigstellung konnte und wollte die Bauherrschaft nicht eingehen.
Genehmigter Revisionsplan und ökologischer Ausgleich
Wie die Erlenmoos AG weiter ausführt, habe das Büro parbat Landschaftsarchitekten auf Basis dieser Erkenntnisse den Umgebungsplan grundlegend überarbeitet. Dieser Prozess sei in enger Abstimmung mit Bau und Planung Menziken sowie dem externen Büro Marti Partner Architekten & Planer AG geschehen. Erst nachdem alle Kriterien für eine hochwertige Ersatzbepflanzung erfüllt waren, sei der revidierte Plan genehmigt worden.
«Die geplanten Ersatzpflanzungen weisen eine sehr hohe ökologische Wertigkeit auf», sagt Susann Reber. «Ergänzt durch artenreiche Wiesen, Hecken und ökologische Ausgleichsflächen auf den Dächern (in Kombination mit Photovoltaik) stellen wir sicher, dass das Projekt die erhöhten Anforderungen an die Biodiversität vollumfänglich erfüllt.»
Seitens der Bauherrschaft versteht man die bei Anwohnern geweckte Unsicherheit: «Wir bedauern, dass der alte Baumbestand nicht im erhofften Umfang erhalten werden konnte. Gleichzeitig sind wir überzeugt, mit dem nun umgesetzten Konzept einen Park zu schaffen, der den Bewohnern und dem Ortsbild über viele Jahrzehnte hinaus eine hohe Lebensqualität und ökologische Stabilität bieten wird.»
Roland Marti


