Streiflicht

  05.11.2026 Region

Ungleichgewicht

Es kommt ab und an vor, dass ich in der Öffentlichkeit auf das Streiflicht angesprochen werde. Diese Rückmeldungen freuen mich immer, sind sie doch ein Zeichen, dass diese Kolumne wirklich gelesen wird. Ohne zu übertreiben, darf ich sagen, dass die Rückmeldungen meist positiv ausfallen.

Vergangene Woche hatte ich eine E-Mail in meinem Postfach. Ein Leser fand mein zweiteiliges Streiflicht «Odyssee» der letzten beiden Wochen nicht so toll. Er verwies auf die Redensart «aus einer Mücke einen Elefanten machen» und riet mir, beim nächsten Mal doch lieber einen Elefanten zur Mücke zu machen. Dieses Feedback umzusetzen, könnte schwierig werden. Zum einen, weil Elefanten zu meinen Lieblingstieren gehören, was nicht nur mit unserer fast vergleichbaren Statur zusammenhängt. Nicht selten wünschte ich mir das Gedächtnis eines Elefanten, beispielsweise wenn ich im Auto telefonierend etwas abmache, das ich dann zuhause in die Agenda einschreiben soll. Auch bewundere ich deren Kraft, etwa wenn ich versuche, ein Konfitüre-Glas zu öffnen.

Andererseits liegen Mücken in meiner Beliebtheitsstatistik nicht gerade im oberen Bereich. Oder um es klar zu sagen − und Naturschützer mögen mir diese Ansicht verzeihen: Ich hasse sie! (Die Mücken, nicht die Naturschützer!) Wie oft hat mich so ein summendes Viech schon um meinen Schlaf gebracht? Oder meinen Körper mit übel juckenden Stichen gequält? Ich werde nie verstehen, weshalb Noah dem Stechmückenpaar nicht einfach klargemacht hat, dass es für sie leider keinen Platz auf der Arche hat. Vielleicht hätten ja dann dafür die Dinos mitfahren können ...

Ausserdem ist es meiner Ansicht nach einfach, eine Mücke zu finden. Allein in meinem Schlafzimmer habe ich bestimmt schon Hunderte Mücken gefunden, aber ich kann mich an keinen einzigen Elefanten erinnern. Wieso sollte man also dieses krasse Ungleichgewicht zusätzlich fördern? A propos Gewicht: Gemäss ChatGPT benötigt man 2 Milliarden Mücken, um einen Elefantenbullen aufzuwiegen. Was das mit der Sache zu tun hat? Nichts, aber es passte grad so schön hierhin.

Aber zurück zu dem Lesertipp: Ich werde ihn mir zu Herzen nehmen und darauf achten. Obwohl ..., wenn ich mir diese Zeilen hier so anschaue, dann ist mir genau das hier wohl schon wieder passiert. Sorry!

Roland Marti


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