Streiflicht

  06.08.2026 Menziken

Geschäft

Kennen Sie Joseph Rosenast und Heinrich Bisaz? Auch wenn Ihnen die Namen vermutlich nichts sagen, kennen Sie ziemlich sicher ihr Vermächtnis – oder besser: ihre Hinterlassenschaft. Die beiden liessen 1981 eine schweizerische Jahrhundertidee patentieren: den Robidog. Seither nehmen Herrchen und Frauchen in der Schweiz – und wenig später auch in vielen anderen Ländern – die Häufchen ihrer Vierbeiner mit den braunen. roten oder orangenen Plastiksäckli auf und entsorgen sie fein säuberlich in den grünen Hundetoiletten.

Wie gross der Reibach war, den Rosenast und Bisaz mit ihrer Erfindung machten, weiss ich nicht. Immerhin gewann Rosenast an der Genfer Erfindermesse 1982 eine Silbermedaille. Und das Robidog-System etablierte sich erstaunlich schnell. Heute käme wohl niemand mehr auf die Idee, das Ritual mit den Säckli infrage zu stellen.

Doch über 40 Jahre später steht die nächste Revolution vor der Hundetür. Gemäss einem Beitrag in der Tagesschau Spätausgabe vom vergangenen Sonntag müssen Hundehalter in Chiasso ab Mitte August den Urin ihrer Vierbeiner mit Wasser aus der Flasche wegspülen. Wer die Pfütze seines Vierbeiners nicht «wegschwemmt», riskiert eine Busse von 100 Franken.

Der Robidog bekommt Konkurrenz. Ich kann mir gut vorstellen, dass im Tessin bereits die ersten umtriebigen Unternehmer das kleine Geschäft zum grossen Geschäft machen wollen. Irgendwo im Sottoceneri dürfte längst eine erste Containerladung edler Sprühflaschen aus Fernost bestellt worden sein. Mit rostfreiem Goldimitat-Drehverschluss, versteht sich. Das neue Musthave jedes Chihuahua-Herrchens und jedes Dackel-Frauchens. Das Flutschi-Fläschli ersetzt das Gucci-Täschli.

Doch was, wenn das putzige Fellknäuel dem Handtäschli entwächst? Wenn statt eines Zwergpudels dann doch eine ausgewachsene, muskulöse Deutsche Dogge ihren Besitzer um die Häuser zieht und dabei mal «Klein» muss? Dann ist nichts mehr mit einem eleganten Spritzerchen aus dem Designerfläschchen. Da braucht es einen adäquaten Pinkel-Tank mit Schlauchrolle. Mindestens. Und ich bin mir nicht sicher, ob sich dieser Zisternenwagen oder der Hund leichter durch die engen Gassen von Chiasso manövrieren lässt.

Zugegeben: Nicht jeder Duft weckt Feriengefühle. So ist auch die Idee hinter der neuen Vorschrift durchaus nachvollziehbar. Trotzdem stellt sich mir die Frage, was saurer ist: Nicht entferntes Hundepipi oder die Gurkenzeit, die solche Meldungen in die Tagesschau schwemmt.

Roland Marti


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