Streiflicht
02.07.2026 RegionVerständnis
Haben Sie gewusst, dass sowohl der Chefredaktor wie auch der Geschäftsleiter dieser Zeitung bei der Post gearbeitet haben? Eine Weile sogar am gleichen Ort. Damals kam es vor, dass ganze Postladungen in ein falsches Dorf geliefert wurden. 5034 und 5734 tönen ja sehr ähnlich. Ein Telefon genügte, und wir Pöstler surrten mit unseren Töffli an den Bahnhof, um die Postsäcke im Fahrerstand der WSB ins Wynental bringen zu lassen. Die Post hat den Fehler gemacht, die Post bügelte ihn wieder aus. Wir hätten zwar nicht gemusst, aber fanden es anständig, es wenigstens zu versuchen.
Auch Reinach AG und Reinach BL tönen ähnlich. Trotz zahlreicher Klebzettel und Barcodes, die heutzutage auf einer Sendung angebracht sind, trotz digitaler Sendungsverfolgung, Spurensicherung durch GPS und überhaupt nicht ähnlicher Postleitzahl, ist etwas geblieben: die Post macht auch heute noch gelegentlich ein Durcheinander. So geschehen am letzten Donnerstag, als die Post Teile der Wynentaler Blatt-Auflage ins falsche Reinach transportiert hat. In Birrwil, Beinwil am See, Menziken und Burg erhielten nicht alle die Zeitung rechtzeitig. Sie erahnen es möglicherweise: ein Telefon reichte nicht, um den Fehler auszubügeln und die Post hat ja auch keine Töffli mehr. Der gelbe Riese gab zwar zu, 3353 Zeitungen einen Tag später ausgeliefert zu haben, man habe «die Leistung aber grundsätzlich erbracht, wenn auch verspätet.» Menschliches Versagen könne man nie ausschliessen und man sähe deshalb keinen Anlass für eine Wiedergutmachung. Man bedanke sich fürs Verständnis.
Stellen Sie sich das mal vor: Sie heiraten und der Apéro wird am Tag nach der Hochzeit geliefert. Danach werden Sie vertröstet, sie hätten ja jetzt zwei Wochen lang genug zu essen. Oder Sie bestellen ein Ticket, das erst nach dem Konzert verschickt wird und der Veranstalter schreibt Ihnen zurück, die Sängerin habe ja gesungen und damit ihre Leistung grundsätzlich erfüllt. Oder Sie haben einen wichtigen Termin, doch der Zug hat zwei Stunden Verspätung. Da möchten Sie am Schalter auch nicht «Blooset öis id Schue», hören. Na gut, dafür müsste man zuerst einen SBB-Schalter finden, aber das ist eine andere Geschichte.
So bleibt uns alten Pöstlern nur, bei unseren Leserinnen und Lesern um das Verständnis zu bitten, für das sich die Post schon bedankt hat. Wir haben leider auch keinen Anruf bekommen, sonst hätten wir uns mit unserem Töffli sofort auf den Weg gemacht. Wir hätten zwar nicht gemusst, aber so ein bisschen anständig wärs gewesen, es wenigstens zu versuchen. Ach ja, die Post hat sich dann doch noch einmal gemeldet, und zwar mit der Bekanntgabe der Erhöhung der Portokosten für nächstes Jahr. Wenigstens wurden wir diesmal nicht um Verständnis gebeten.
Remo Conoci

