Streiflicht
28.05.2026 RegionSponsoring
Landauf, landab hängen sie wieder. Nein, die Rede ist diesmal nicht von den angestrengt lächelnden Politiker-Gesichtern, die hoffen, beim nächsten Wahlgang die Gunst, oder vielmehr die Stimme des Wahlvolks zu erheischen. Ich meine die Plakate, die auf das bevorstehende eidgenössische Feldschiessen hinweisen.
Das Feldschiessen ist mit jährlich weit über 100'000 teilnehmenden Schützinnen und Schützen das grösste Schützenfest der Welt. Es vereint Tradition, Sport und Geselligkeit. Während eines Wochenendes steht eine der ältesten Schweizer Schiesstraditionen im Mittelpunkt. Das erste Feldschiessen datiert sage und schreibe aus dem Jahr 1872!
Zugelassen sind Schützinnen und Schützen ab dem Jahr, in dem sie das 10. Altersjahr erreichen. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Kosten für die Munition − geschossen wird ein Programm von 18 Schüssen − übernimmt der Bund, dieser bezahlt den durchführenden Vereinen auch einen Beitrag für jede Teilnahme.
Als mässig talentierter Schütze habe ich mich kürzlich beim Erblicken einer solchen Werbeblache fürs Feldschiessen gefragt − passionierte Schützen mögen mir diesen frevelhaften Gedanken bitte verzeihen − was passieren würde, wenn der Bund auf das eidgenössische Feldschiessen verzichten und die dafür verwendeten Auslagen in andere, der Wehrhaftigkeit unseres Landes dienende Bereiche einfliessen lassen würde. Denn genau diesem Zweck soll das Feldschiessen ja dienen. Was also wäre, wenn das eingesparte Geld statt ins Feldschiessen in die Beschaffung neuer Kampfjets fliessen würde?
Ich hab diese Frage für mich mal durchgerechnet. Dabei bin ich von gut 90'000 Teilnehmenden mit Gewehr und 30'000 mit Pistole (zugelassen sind in beiden Fällen nur Ordonnanzwaffen der Schweizer Armee) ausgegangen. Bei den Munitionskosten habe ich mit 60 Rappen pro Gewehrpatrone und 30 Rappen pro Pistolenpatronen gerechnet. Hinzu kommt die Vergütung an die Vereine, die gemäss dem allwissenden Google 15 Franken pro Teilnehmer beträgt. Summa summarum komme ich auf einen Betrag von gut 3 Millionen Franken. Das heisst, nach etwa 55 ausgefallenen Feldschiessen könnte sich Verteidigungsminister Martin Pfister über einen durch Einsparungen finanzierten Gratis-F35 freuen.
Weniger toll fänden das möglicherweise die Schützenvereine. Selbst, wenn als Gegenleistung für ihren Einnahmenausfall jeder der 2600 Schützenvereine sein Logo auf dem Flugi anbringen dürfte, hielte sich ihre Begeisterung über diese Art von Sponsoring wohl in sehr engen Grenzen.
Aber keine Angst! Diesem Streiflicht liegt wirklich nur der spinnige Gedanke des Schreiberlings zugrunde und kein geheimer und nun geleakter Masterplan zur Armeematerialbeschaffungsfinanzierung.
In diesem Sinne wünsche ich allen teilnehmenden Schützinnen und Schützen am kommenden Wochenende ein schönes und erfolgreiches eidgenössisches Feldschiessen!
Roland Marti

