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21.05.2026 Region«Seid barmherzig!»
In Zeiten von medialen Shitstorms ist Jesu Wort aus Lk 6,36 ein wohltuender Gegensatz: «Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.» Jesus mahnt uns, barmherzig zu sein, wie auch der Vater es ist. Barmherzig ...
«Seid barmherzig!»
In Zeiten von medialen Shitstorms ist Jesu Wort aus Lk 6,36 ein wohltuender Gegensatz: «Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.» Jesus mahnt uns, barmherzig zu sein, wie auch der Vater es ist. Barmherzig bedeutet laut Duden: «mitfühlend», «mildtätig gegenüber Notleidenden» und «Verständnis für die Not anderer zeigend». Der Vers verrät uns zuallererst etwas über Gott. Er ist mitfühlend, mildtätig und verständnisvoll. Und so sollen nun auch wir sein. Aber barmherzig sein wie der Vater – also Gott selber – ist das überhaupt möglich? Vielleicht denken wir: Selbst wenn wir uns alle Mühe geben, werden wir nie das Niveau von Gott erreichen. – Das ist bestimmt richtig, aber dazu sind zwei Anmerkungen zu machen: Erstens ist es wohl nicht Jesu Absicht, uns etwas aufzubrummen, das wir sowieso nicht schaffen. Im Gegenteil: Er ist sich unserer Schwachheit sehr wohl bewusst. Trotzdem gibt er uns ein Ziel vor, ein Idealbild, wie es von Gott her gedacht wäre, als Mensch zu handeln. Die halbe Bibel ist voll mit Forderungen, die wir nicht im Stande sind einzuhalten. Man denke bloss an die 10 Gebote, die wohl jede und jeder von uns fast alle gebrochen hat. Nun senkt Gott aber nicht einfach uns zuliebe den Standard, so dass wir es vielleicht doch noch aus eigener Kraft schaffen würden. Nein, das macht er nicht. Er fordert von uns Barmherzigkeit. Und er tut – oder besser gesagt tat – noch etwas ganz anderes und damit kommen wir zur zweiten Anmerkung: Jesus hat uns vorgelebt, wie wir es machen sollen. Er hat gezeigt, gelehrt und vor allem gelebt, was Barmherzigkeit bedeutet. Er nahm sich den Armen, den Ausgestossenen, den Geächteten, den Kranken und sogar Besessenen an und liebte sie. Er ging zum reichen und verhassten Zachäus nach Hause, ohne sich einen Deut um die Hasskommentare der Pharisäer zu scheren. Er richtete die des Ehebruchs ertappte Frau vor aller Blicken auf und rettete sie vor dem Tod durch Steinigung mit dem Satz, der zu einem der gewaltigsten der Menschheitsgeschichte gezählt werden darf (Joh 8,7): «Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.» Und schliesslich vergab er sterbend am Kreuz hängend seinen Peinigern und Mördern (Lk 23,34): «Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.» - Das ist wahre unüberbietbare Barmherzigkeit. Und gerade weil diese göttliche Barmherzigkeit uns gilt – Ihnen und mir – können wir Barmherzigkeit weitergeben.
– Denken wir daran, bevor wir das nächste Mal über jemanden fluchen, uns über unseren Partner aufregen oder wir den nächsten Kommentar im Internet loswerden. «Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.» Er war es zuerst, darum können wir es auch sein.
Pfr. Beat Müller, ref. Kirche Schöftland
