Streif licht
30.04.2026 RegionLärm
Auf der Suche nach aktuellen Themen fürs Streiflicht stöbere ich einigermassen regelmässig im www. kleiner-kalender.de, der mich über besondere Feier- und Gedenktage, oder eben Aktionstage wie den gestrigen Tag gegen Lärm ...
Lärm
Auf der Suche nach aktuellen Themen fürs Streiflicht stöbere ich einigermassen regelmässig im www. kleiner-kalender.de, der mich über besondere Feier- und Gedenktage, oder eben Aktionstage wie den gestrigen Tag gegen Lärm informiert. Und ich erfahre: «Als Lärm, hervorgegangen aus Alarm, das auf italienisch «all'arme» − «zu den Waffen» zurückgeht, werden Geräusche bezeichnet, die durch ihre Struktur, meist Lautstärke, auf die Umwelt störend, belastend oder gesundheitsschädigend wirken.» Wieder etwas dazugelernt! Aber wie genau wird störend, belastend oder gesundheitsschädlich definiert? Das ist nämlich, wie ich festgestellt habe, in unserer sonst streng reglementierten Schweiz gar nicht so einfach und sehr individuell. Da gibt es Glockengeläut − sei es von Kirchentürmen oder Kuhherden − das die einen als Aufruf zum Gebet oder beruhigende Klangkulisse beim Spaziergang verstehen, während es für andere religiöse Belästigung oder Tierquälerei darstellt.
Obwohl meist negativ behaftet, wird Lärm in einigen Fällen aber gar willentlich verursacht, um sich Gehör zu verschaffen. So erinnere ich mich an mehrere Kundgebungen, während denen beispielsweise auf dem Bundesplatz mit Trillerpfeifen oder Treicheln möglichst laut auf die eigenen politischen Ansichten aufmerksam gemacht wurde.
Hohe Lautstärke ist zur Definition des Lärms nicht ausreichend. Das Surren einer Mücke im Schlafzimmer wird viel eher als störend wahrgenommen als das meist lautere Schnurren einer Katze. Und bei einem entweichenden Darmwind ist, ungeachtet der Lautstärke, eher die daraus resultierende Luftqualität das Problem.
Es gibt übrigens Menschen, die ohne einen gewissen Geräuschpegel gar nicht auskommen. Mein Götti beispielsweise wohnt in Flughafennähe. Als er einmal bei uns zuhause ... auf dem Land ... übernachtete, konnte er kaum schlafen. Immer wieder sei er erwacht und habe sich gefragt, ob er tot sei. Wirklich ruhig wurde er erst, als unser Nachbar in aller Frühe mit dem Traktor zu fuhrwerken begann.
Ein bekannter Schweizer Verkehrsclub nahm den gestrigen Aktionstag zum Anlass, die Vorteile von Tempo 30 hervorzuheben. Einer davon ist natürlich weniger Lärm. Doch da ist der Widerspruch passionierter Automobilisten und Töfffans vorprogrammiert, welche die Pferdchen im Motorenraum gerne laut wiehern lassen und derlei Gedröhne fast als Musik bezeichnen. Ähnlich verhält es sich mit dem Rasenmäher im Frühling und Sommer, dem Laubbläser im Herbst oder der Schneefräse im Winter: Von Hausbesitzern geliebt, während die Nachbarn schäumen vor Wut. Da zeigt sich ein Phänomen, das Lärm mit dem bereits erwähnten Darmwind gemeinsam hat. Störend ist er nur, wenn man ihn nicht selber verursacht.
Roland Marti
