Zwei Weltmeistertitel und zwei Bronzemedaillen
19.03.2026 Michelsamt, BeromünsterGold für die «Alte Geiss» und das «Zwätschge Lisi». Petra und Franz Scheuber und das Team der Fläcke-Chäsi erscheinen einmal mehr prominent auf der Weltkarte der Käsehersteller. Sie haben beim renommierten «Cheese Contest», den ...
Gold für die «Alte Geiss» und das «Zwätschge Lisi». Petra und Franz Scheuber und das Team der Fläcke-Chäsi erscheinen einmal mehr prominent auf der Weltkarte der Käsehersteller. Sie haben beim renommierten «Cheese Contest», den Käseweltmeisterschaften in Madison, Wisconsin (USA), zwei Titel abgeräumt und darüber hinaus zwei Bronzemedaillen gewonnen. Viermal Edelmetall: So gut wie noch nie. Damit ist die Fläcke-Chäsi die erfolgreichste Schweizer Käserei an dieser Weltmeisterschaft.
«Ich freue mich sehr über dieses Ergebnis, es ist eine grosse Auszeichnung für unsere Arbeit, denn es ist eine Teamleistung», freut sich Franz Scheuber, der am vergangenen Donnerstag früh von seinem Erfolg erfuhr. Nicht in Wisconsin, sondern zuhause am Computer. Die hochemotionale Komponente mit Scheinwerferlicht, der Rangverkündigung, dem Umhängen der Medaille, dem Applaus und dem goldenen Konfettiregen fehlt so natürlich. Aber etwas zusätzliche Emotion gab es auch vor dem Computer bei Franz Scheuber: «Ich habe mir damit mein Geburtstagsgeschenk gleich selbst gemacht», fügt er nämlich lachend an. Perfektes Timing also. Weil Scheubers auch am Bankett des «World Championship Cheese Contest», am 16. April, nicht persönlich teilnehmen werden, rückt das pure handwerkliche Können erst recht in den Fokus. Das ist auch alles andere als verkehrt, denn die Bewertung einer internationalen Jury erfolgte auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Dem Wettbewerb stellten sich rund 4000 Erzeugnisse aus Milch, aus Kuh-, Schaf- oder Ziegenmilch, die zu Käse, Yoghurt, Butter, Rahm oder Molkeprodukten verarbeitet worden sind und in entsprechende Kategorien eingeteilt wurden. Sie stammen aus 25 milchproduzierenden Ländern, 33 US-Bundesstaaten sowie Puerto Rico (Aussengebiet der USA). Im Käsewettbewerb figurierten 3375 Sorten. Bei Frisch- oder Weichkäse aus Europa barg schon die lange Anreise Risiken. Sie sollten unterwegs nicht in eine falsche Richtung verschimmeln, darum durften sie nicht teilnehmen.
56-köpfige Jury
Die 56-köpfige (!) Jury setzte sich aus 13 Expertinnen und 43 Experten aus den teilnehmenden Ländern zusammen, darunter deshalb auch drei sensible Gaumen aus der Schweiz. Die Bewertung erfolgte nach technischen und sensorischen Merkmalen wie Geschmack (doppelt bewertet), Körper, Textur, Salz, Farbe, Oberfläche oder auch der Verpackung. Die Medaillen wurden natürlich an jene Produkte beziehungsweise Produzenten verliehen, welche bei dieser Bewertung die höchste Punktzahl erreichten. Das Punktemaximum lautete jeweils auf 100 Punkte. Ein Topergebnis ist also kein Zufallsprodukt und auch nicht einer allfälligen Dosis «Vitamin B» in der Jury zu verdanken.
Medaillengekrönt
Eine Goldmedaille erhielten nun Franz Scheubers «Alte Geiss» mit 99,7 Punkten sowie das «Zwätschge Lisi» mit 98,95 Punkten. Hohe Punktzahlen erreichten auch die beiden Titelträger von 2022, welche heuer Bronze gewannen. Der «Blüemli-Chäs» mit 99,405 Punkten und das «Alte Schaf» mit 98,6 Punkten. Die eine Gewinnerin, die «Alte Geiss», ist ein sechs Monate gereifter Ziegenkäse. Das «Zwätschge Lisi» wiederum ist ein Schafskäse, der mit Vieille Prune von Elias und Urs Hecht behandelt und aromatisiert wird. So erhält er eine einzigartig fruchtig-würzige Note. «Diese Auszeichnung ist für mich besonders wertvoll, weil auch hinter dem Vieille Prune ein Gesicht steckt. Es ist ein echt regionales Produkt und das Resultat einer fantastischen Mischung, einfach Leidenschaft pur», erklärt Scheuber. Was hier in einem Produkt zur Symbiose reift, strebt Scheuber grundsätzlich an. In der Fläcke-Chäsi wird Kuhmilch von regionalen Milchproduzenten verarbeitet, die Schafmilch stammt aus Beromünster, Rickenbach und Pfeffikon und die Geissmilch aus Römerswil. «So entsteht gleichzeitig eine Win-Win-Situation», erklärt Scheuber, «nur aus guter Milch können wir guten Käse produzieren, der gerne gekauft wird, und je besser die Milch der Landwirte ist, desto mehr können sie uns liefern.» In Zahlen sind das 600’000 Liter Kuhmilch, 200’000 Liter Schafmilch und 70’000 Liter Ziegenmilch, welche die Fläcke-Chäsi jährlich verarbeitet.
«Odermatt-Syndrom»
Inzwischen leidet die Fläcke-Chäsi gewissermassen am «Odermatt-Syndrom». Franz Scheuber ist als Weltmeister Wiederholungstäter. Erst im vergangenen Herbst holte er an der Raclette-Käse-WM im Wallis mit seinem Schafsraclettekäse WM-Titel Nummer 4. Die übrigen Titel stammen alle vom deutlich renommierteren Wettbewerb in Wisconsin. Dieser findet nur alle zwei Jahre statt und ist deutlich internationaler. Scheuber nimmt seit 2020 daran teil. Dass er dort Titel abholt, ist inzwischen beinahe selbstverständlich. In der öffentlichen Wahrnehmung, aber auch für ihn selber. Er räumt freimütig ein, nach dem letzten Contest vor zwei Jahren enttäuscht gewesen zu sein, als er wohl eine Medaille gewann, aber keinen Titel. Diesmal ist seine Fläcke-Chäsi nun die erfolgreichste Käserei unter den teilnehmenden Schweizer Käsereien.
Das bisher beste Resultat
Nun hat er sich mit dem bisher grössten Erfolg standesgemäss zurückgemeldet. Vier Medaillen auf einmal hat er noch nie geholt. Und sein bestes Resultat aus dem Jahr 2022 mit zwei Gold- und einer Silbermedaille noch getoppt … und schon grüsst wieder das «Odermatt-Syndrom». Dass sich nämlich eine «Dorfchäsi» auf dem Land an einem Wettbewerb auf der Weltbühne behaupten kann, wo auch grosse Firmen antreten, ist eine grandiose Leistung. Sie unterstreicht das vorbildliche Handwerk in der Fläcke-Chäsi. Denn wenn beim Cheese Contest schon ein Titel aufgrund des Bewertungsprozederes kein Zufall sein kann, sind es wiederholte Titel über Jahre hinweg erst recht nicht.
Geniessen wie ein Experte
Dazu gilt festzuhalten: In Amerika wurden keine «Schaustücke» der Fläcke-Chäsi verkostet. Die Käselaibe, die bereits Ende Januar nach Wisconsin verschifft wurden, sind nicht mit besonderer WM-Zuneigung hergestellt worden. Im Gegenteil. «Ich ging ins Reifelager wie immer, griff die Käselaibe heraus und machte sie zum Versand bereit», schildert Franz Scheuber den nüchternen Akt in der ihm eigenen Art. Wer also Fläcke-Chäsi-Käse kauft und diesen zuhause isst, trifft auf dasselbe Geschmackserlebnis wie die Experten ännet dem grossen Teich.
Drin, was draufsteht
Genau darauf legt Franz Scheuber grossen Wert. «Wir haben Konsumenten, die guten Käse schätzen. Was würden ihnen und uns Titel nützen, wenn das nicht so wäre?», stellt er eine rhetorische Frage. Sie nützen sicher als plakative Zierde des Firmen-Lieferwagens, dürfte manch jemand unvermittelt denken, während der «Blüemli-Chäs» im Grossformat vor dem geistigen Auge auftaucht. Aber auch hier gilt: Es ist wichtig, dass auch drin ist, was draufsteht. Und die wiederholten Erfolge zeigen unmissverständlich, dass bei der Fläcke-Chäsi drin ist, was draufsteht.
Martin Sommerhalder



