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26.03.2026 RegionInformiert beten
Die Weltlage beschäftigt uns alle. Wie gehen Sie mit den Schreckensnachrichten aus den Kriegsgebieten um? Beschäftigt es Sie sehr, was im Nahen Osten vor sich geht oder haben Sie sich dagegen «imprägniert»? Lesen Sie ...
Informiert beten
Die Weltlage beschäftigt uns alle. Wie gehen Sie mit den Schreckensnachrichten aus den Kriegsgebieten um? Beschäftigt es Sie sehr, was im Nahen Osten vor sich geht oder haben Sie sich dagegen «imprägniert»? Lesen Sie täglich Zeitung oder schauen die Nachrichten am Fernsehen oder verzichten Sie lieber auf die tägliche Dosis «bad news»? Ich finde es nicht einfach, einen guten Umgang mit der Informationsflut durch alle Medien zu finden. Schon wegen meiner Tätigkeit als Pfarrer kann und will ich mich aber nicht von allen Nachrichten abschotten und wie die berühmten drei Affen Augen und Ohren schliessen oder mich der eigenen Meinungsäusserung verweigern, auch wenn ich oft nicht weiss, was ich dazu sagen soll. Andererseits habe ich weder Zeit noch tut es mir gut, mich allzu intensiv mit den Nachrichten und v.a. Bildern aus dem Iran, der Ukraine oder dem Sudan zu beschäftigen. Den Weg, den ich versuche zu gehen, nenne ich «informiert beten». Informationen erhalte ich durch «push up»-Meldungen aufs Smartphone und indem ich 2-3x/Woche die Fernseh-Nachrichten schaue, ab und zu Radio höre und die Tageszeitung und das Wynentaler Blatt, auch wegen den Lokalnachrichten, durchblättere. Die Nachrichten, die ich lese, schaue oder höre trage ich dann manchmal vor Gott und bitte ihn um sein Wirken. Beten hat dabei eine dreifache Funktion für mich: Erstens hilft mir Beten, die Ohnmacht und Hilflosigkeit auszuhalten, die die Schreckensnachrichten bei mir auslösen. Zweitens bin ich überzeugt, dass Beten tatsächlich etwas bewirkt, auch wenn ich meistens keine direkte Wirkung sehe. So bete ich z.B. darum, dass Gott die Tage des Elends in den Kriegsgebieten verkürzt und Erbarmen mit den (vielen unschuldigen) Menschen hat und hoffe inständig, dass mein Gebet ein winzigstes Mosaik-Steinchen auf dem Weg zum Frieden ist. Drittens hilft mir Beten, eine Art Mittelweg zwischen Abstumpfung und Gleichgültigkeit einerseits und Verzweiflung und innerer Not anderseits zu finden. Beten wird manchmal als Atemholen der Seele bezeichnet und vielleicht ist es genau das; jedenfalls hilft es mir tatsächlich, meine Sorgen und Nöte vor Gott auszubreiten.
Was hilft Ihnen im Umgang mit den Dingen, die unsere menschlichen Möglichkeiten übersteigen? Ich weiss keinen besseren Rat als Petrus uns gibt: «Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.» Dass Gott für uns und unsere Welt sorgt, davon bin ich überzeugt, auch wenn ich mir wünschen würde, mehr davon wahrzunehmen. Meine Empfehlung: Beten Sie! Manchmal hilft ein kleines Ritual: Schreiben Sie Ihr(e) Anliegen auf einen Zettel, knüllen diesen zusammen und werfen ihn mit einem Stossgebet zu Gott!
Daniel Hintermann,
Pfarrer Schöftland
